Pauschalierung von Land- und Forstwirten ab 2011

Die neue Verordnung BGBl II 471/2010 für die Ermittlung des Gewinnes nichtbuchführungspflichtiger Land- und Forstwirte anhand von Durchschnittssätzen („LuF-PauschVO 2011“) enthält wesentliche Neuerungen für die Voll- und Teilpauschalierung.

Neuerungen.
Die neue LuF-PauschVO 2011 gilt für die Veranlagungsjahre 2011 bis 2015. Wesentliche Neuerungen sind die Erhöhung der Grenze für die Vollpauschalierung bis zu einem Einheitswert des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes von EUR 100.000, Teilpauschalierung bis EUR 150.000 auf Antrag, die Festsetzung der Obergrenze für Einnahmen aus Nebenerwerb sowie Be- und Verarbeitung von land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen mit insgesamt EUR 33.000, die Einbeziehung der Pachtzinse aus Jagd- und Fischereirechten in die Pauschalierung und ein Verbot des Abzugs von „überhöhten“ Pachtzinsen.

Anwendungsbereich.
Land- und Forstwirte die weder gem § 125 BAO die Buchführungsgrenzen (wichtig: für LuF Betriebe gilt weiterhin die Umsatzgrenze von EUR 400.000 bzw die Einheitswertgrenze von EUR 150.000) überschreiten, noch freiwillig Bücher führen bzw die sozialversicherungsrechtliche Beitragsgrundlagenoption ausgeübt haben, können den Gewinn durch Pauschalierung ermitteln. Die Pauschalierung kann nur auf alle Betriebsbereiche (Landwirtschaft und Forstwirtschaft) und nur mit einer Pauschalierungsmethode (Voll- oder Teilpauschalierung) auf Antrag ausgeübt werden. Mischformen sind daher nicht zulässig, der Antrag kann jedoch in jeder Lage des Verfahrens bis zur Rechtskraft des Bescheides im jeweiligen Veranlagungsjahr gestellt werden. Gesondert sind im Rahmen einer vollständigen Einnahmen/Ausgaben-Rechnung weiterhin Einkünfte aus land- und forstwirtschaftlichen Nebenbetrieben bzw die Be- und Verarbeitung von Urprodukten zu erfassen. 

Vollpauschalierung.
Maßgeblich sind der Einheitswert für das land- und forstwirtschaftliche Vermögen samt Zupachtungen, wogegen die tatsächlichen Betriebseinnahmen und -ausgaben ohne Bedeutung sind. Der Gewinn errechnet sich aus dem Einheitswert multipliziert mit einem Durchschnittssatz von 39 %. Bei Alpenbetrieben beträgt der Durchschnittssatz 70 %. Gesondert zu berücksichtigen sind bestimmte Einnahmen (zB Pachtzinse) und Ausgaben (zB Schuldzinsen). Ab dem Veranlagungsjahr 2011 kann die Vollpauschalierung bis zu einem Einheitswert von EUR 100.000 (bis 2010 EUR 65.500) angewendet werden.

Teilpauschalierung.
Bei der Teilpauschalierung sind die Betriebseinnahmen in voller Höhe aufzuzeichnen  und anhand dieser pauschale Ausgaben (grundsätzlich 70 %) zu ermitteln. Wie bei der Vollpauschalierung sind bestimmte Ausgaben (zB Schuldzinsen) gesondert abzugsfähig. Ab der Veranlagung 2011 ist die Teilpauschalierung nicht mehr auf Einheitswerte zwischen EUR 65.500 und EUR 150.000 beschränkt sondern kann nunmehr bei jedem Einheitswert unter EUR 150.000 in Anspruch genommen werden.


 
Bindungswirkung.
Die Entscheidung ob Vollpauschalierung, Teilpauschalierung oder Einnahmen/Ausgaben-Rechnung vorteilhafter ist, kann nur anhand des einzelnen Falles entschieden werden. Ein Entscheidungskriterium kann dabei auch ein steuerlicher Verlust sein, der bei Pauschalierung weder verwertet noch vorgetragen werden kann. Zu beachten ist weiters, dass bei Übergang von der Pauschalierung zur Einnahmen/Ausgaben-Rechnung bzw freiwilligen Buchführung eine neuerliche Inanspruchnahme der Pauschalierung erst nach Ablauf der Sperrfrist von fünf Jahren möglich ist.

Andreas Pucher
apucher@deloitte.at

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