Nicht selbständige ausländische Künstler – Lohnsteuerabzug und Haftungsrisiken

Ausländische Künstler, die weder ihren Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben (beschränkt Steuerpflichtige) und in einem Dienstverhältnis zu einem inländischen Arbeitgeber stehen, unterliegen einem pauschalen, begünstigten Lohnsteuertarif. Schuldner der Lohnsteuer ist der beschränkt steuerpflichtige Künstler. Die Verpflichtung zur Durchführung des Lohnsteuerabzugs und die Haftung für die richtige Berechnung trifft dabei den inländischen Arbeitgeber.

Österreichisches Steuerrecht.
Auf Einkünfte von beschränkt steuerpflichtigen, nicht selbständigen Künstlern und Mitwirkenden an Unterhaltungsdarbietungen wird nicht der allgemeine, progressive Lohnsteuertarif, sondern ein pauschaler, begünstigter Lohnsteuertarif angewendet.

Doppelbesteuerungsabkommen.
Das österreichische Besteuerungsrecht wird weder durch Art 15 noch Art 17 der dem OECD Musterabkommen nachgebildeten Doppelbesteuerungsabkommen eingeschränkt.

Bemessungsgrundlage und Lohnsteuertarif.
Der begünstigte, pauschale Lohnsteuertarif ist grundsätzlich als Bruttobesteuerung ausgestaltet und beträgt 20% des vollen Betrages der Einnahmen des ausländischen Künstlers. Vom pauschalen Lohnsteuerabzug werden auch steuerfreie Bezüge gem § 3 EStG, Kostenersätze sowie bestimmte Zuschläge erfasst. Für nicht selbständige, ausländische Künstler, die in der EU oder im EWR ansässig sind, besteht nach Abstimmung mit dem inländischen Arbeitgeber die Möglichkeit, Ausgaben, die unmittelbar mit den Einnahmen in Zusammenhang stehen, im Rahmen eines Nettolohnsteuerabzugs geltend zu machen. In diesem Fall erhöht sich der pauschale Lohnsteuertarif auf 35%. Die Durchführung der Nettoabzugsbesteuerung kann nur mit Zustimmung des inländischen Arbeitgebers erfolgen, da dieser letztendlich auch für deren Richtigkeit haftet.

Haftung des Arbeitgebers.
Obwohl der Schuldner der Lohnsteuer der ausländische Künstler ist, haftet der inländische Arbeitgeber für die richtige Berechnung und Abfuhr der Lohnsteuer. Haftungsrisiken bestehen, wenn ein ausländischer, nicht selbständiger Künstler mit dem begünstigten Lohnsteuertarif abgerechnet wird und im Zuge einer finanzamtlichen Außenprüfung die unbeschränkte Steuerpflicht des Künstlers aufgrund Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland (stets wenn der Aufenthalt im Inland über 6 Monate dauert) festgestellt wird. In diesem Fall wird dem inländischen Arbeitgeber die Differenz zwischen der bisher abgeführten Lohnsteuer nach dem begünstigten Tarif und der Steuerschuld unter Anwendung des allgemeinen, progressiven Lohnsteuertarifs mittels Haftungsbescheid nachträglich vorgeschrieben. Da der ausländische Künstler Schuldner der Lohnsteuer ist, kann sich der inländische Arbeitgeber grundsätzlich zivilrechtlich gegen den ausländischen Künstler regressieren. Dennoch ergeben sich in der Praxis erhebliche Einbringungsrisiken, insbesondere wenn der ausländische Künstler bereits das Unternehmen verlassen hat oder in den Ansässigkeitsstaat zurückgekehrt ist.

Vermeidung von Haftungs- und Einbringungsrisiken.
Um diese Haftungs- und. Einbringungsrisken zu vermeiden ist es für die Anwendung des begünstigten, pauschalen Lohnsteuertarifs unerlässlich zu prüfen, ob es sich bei dem ausländischen Künstler während des gesamten Engagements um einen beschränkt Steuerpflichtigen handelt, oder ob dieser in Österreich der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegt (vgl oben). In einem ersten Schritt ist daher von jedem ausländischen Künstler die Vorlage des Formulars ZS-QU1 zu verlangen, auf dem bestätigt wird, dass kein inländischer Wohnsitz vorliegt. Der zweite Schritt liegt in der laufenden Prüfung des gewöhnlichen Aufenthalts. Dieser könnte insbesondere dann im Inland begründet werden, wenn ein Engagement über einen Zeitraum von sechs Monaten hinaus verlängert wird; in diesem Fall erstreckt sich die unbeschränkte Steuerpflicht auch auf die ersten sechs Monate des Aufenthalts. Wird die unbeschränkte Steuerpflicht bereits im Rahmen einer laufenden Überprüfung festgestellt, kann die bisher in zu geringem Ausmaß abgeführte Lohnsteuer gegebenenfalls im Wege einer Aufrollung richtig gestellt und in Abzug gebracht werden. Haftungs- und Einbringungsrisiken können auf diese Weise vermieden werden.

Wilfried Krammer
wkrammer@deloitte.at

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