Bundesfinanzhof zur Abschreibung bei Windparks

Überblick. In einem kürzlich ergangenen Urteil hat der BFH festgestellt, dass in einem Windpark zwar mehrere zusammengesetzte Wirtschaftsgüter vorliegen, diese jedoch über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer der Windkraftanlagen und somit einheitlich für den gesamten Windpark abzuschreiben sind.

Sachverhalt. Die Klägerin buchte sämtliche Kosten für die Erstellung des Windparks auf ein Konto und schrieb die Anlage über 16 Jahre ab. In einer Außenprüfung vertrat das Finanzamt die Auffassung, dass der Windpark aus mehreren selbständigen Wirtschaftsgütern mit teilweise unterschiedlicher Nutzungsdauer bestehe.

BFH-Urteil. In seinem Urteil vom 14.4.2011, IV R 46/09 hat sich der BFH der Ansicht des FG angeschlossen und festgestellt, dass jede Windkraftanlage, die in einem Windpark betrieben wird, mit dem dazugehörigen Transformator und der verbindenden Verkabelung ein zusammengesetztes Wirtschaftsgut darstellt. Die Verkabelung von den Transformatoren bis zum Stromnetz des Energieversorgers zusammen mit der Übergabestation ist als weiteres zusammengesetztes Wirtschaftsgut zu behandeln. Weiters stellt die Zuwegung (der Zufahrtsweg) ein eigenständiges Wirtschaftsgut dar.

Einheitliche Nutzungsdauer. Der BFH hat festgestellt, dass die einzelnen Wirtschaftsgüter über die Nutzungsdauer der Windkraftanlage – als prägendes Element – über denselben Zeitraum abzuschreiben sind. Die Abschreibung hat somit einheitlich für den gesamten Windpark über 16 Jahre zu erfolgen. Als Begründung für die einheitliche Nutzungsdauer aller Wirtschaftsgüter eines Windparks wird angeführt, dass die einzelnen Wirtschaftsgüter technisch aufeinander abgestimmt und auch einer einheitlichen Bau- bzw Betriebsgenehmigung unterliegen. Der BFH merkt auch an, dass eine Aufteilung der WKA in weitere Komponenten nach dem Komponentenansatz nach IAS bzw IFRS nicht geboten ist, da diese Standards für die steuerliche Gewinnermittlung keine Bedeutung haben.

Conclusio. In Österreich gilt die Auffassung, dass grundsätzlich immer nur eine einheitliche AfA für das gesamte Wirtschaftsgut geltend gemacht werden kann. Liegen jedoch aufgrund der Verkehrsauffassung mehrere Wirtschaftsgüter vor, so ist die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer für jedes Wirtschaftsgut separat zu ermitteln. Im Urteil des BFH wird jedoch festgestellt, dass – obwohl mehrere Wirtschaftsgüter bestehen – diese über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer des prägenden Teils abzuschreiben sind, wenn die Wirtschaftsgüter technisch und aufgrund ihrer genehmigungsrechtlichen Bewilligung nach der Abschreibung nicht mehr verwertet werden können. Diese Aussage kann sowohl positiv als auch negativ sein, je nachdem, ob die nicht prägenden Teile länger oder kürzer abzuschreiben sind. In der Vergangenheit wurden auch BFH-Urteile in die österreichische Rechtslage miteinbezogen. Ob dies bei diesem BFH-Urteil der Fall sein wird, bleibt jedoch abzuwarten.

Eva Wernitznig
ewernitznig@deloitte.at

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