Rechnungslegung bei erhöhten Schwellenwerten

Bei der Jahresabschlusserstellung 2010 ist auf die Erhöhung des Schwellenwertes für den Eintritt in die Rechnungslegungspflicht nach UGB von EUR 400.000 auf EUR 700.000 zu achten. Welchen Handlungsbedarf haben nun Unternehmen mit Umsätzen zwischen EUR 400.000 und EUR 700.000?

Betroffene Unternehmen.
Die Anhebung des Schwellenwertes betrifft in der Praxis nur Einzelunternehmer und Personengesellschaften (OG, KG, GesbR), bei denen mindestens eine natürliche Person unbeschränkt haftet. Für Kapitalgesellschaften, die kraft Rechtsform Unternehmer sind, besteht hingegen kein Handlungsbedarf. Im Gegensatz dazu sind Land- und Forstwirte sowie Angehörige der freien Berufe (Rechtsanwälte, Steuerberater, Ärzte, Künstler, etc) nicht rechnungslegungspflichtig und erzielen keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Die Erhöhung des Schwellenwerts hat für sie ebenfalls keine Bedeutung.

Doppelte Buchhaltung.
Einzelunternehmer und die og Personengesellschaften haben bisher ihren Gewinn im Rahmen der doppelten Buchhaltung (mit steuerlichem „Maßgeblichkeitsprinzip“ des § 5 Abs.1 EStG) ermittelt, wenn sie idR nachhaltig Umsätze über EUR 400.000 und Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielten. Erst dann war es möglich, neben der verpflichteten Berücksichtigung von Abgrenzungsposten und Bildung von Rückstellungen auch gewillkürtes Betriebsvermögen (zB Beteiligungen und bestimmte Grundstücke) in die Bücher aufzunehmen. Ein weiterer Unterschied zur freiwilligen Buchführung (§ 4 Abs 1 EStG) bzw Einnahmen/Ausgaben/Rechnung besteht darin, dass sämtliche stille Reserven von Grund und Boden der Besteuerung unterliegen. Weiters kann ein abweichendes Wirtschaftsjahr gewählt werden.

Anhebung des Schwellenwertes.
Unternehmer, die Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen, sind/bleiben nur dann § 5-Gewinnermittler, wenn die Umsätze nun einen Schwellenwert von EUR 700.000 entweder nachhaltig (in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren) oder qualifiziert (Umsätze über EUR 1.000.000) überschreiten. Auch für die Beobachtungszeiträume vor Inkrafttreten des neuen Schwellenwerts ist dabei der höhere Wert maßgeblich!

Folgen der Unterschreitung.
Unternehmer (ausgenommen Land- und Forstwirte, Freiberufler und Kapitalgesellschaften), die in den Jahren 2008 und 2009 Umsätze von weniger als EUR 700.000 erzielten, stehen für 2010 vor der Entscheidung, ob sie weiterhin den Gewinn nach § 5 EStG oder mittels einer Einnahmen/Ausgaben/Rechnung ermitteln sollen. Darüber hinaus steht auch die freiwillige Buchführung nach § 4 Abs. 1 EStG zur Verfügung. Abgesehen von den jeweiligen Gewinnermittlungsvorschriften gilt es Folgendes zu beachten:

Fortführungsoption § 5 Abs 2 EStG.
Es besteht die Möglichkeit zur Fortführung der Gewinnermittlung nach § 5 EStG zu optieren. Dadurch sollen Nachteile vermieden werden, die aus einem Wechsel der Gewinnermittlung resultieren (Übergangsgewinnermittlung und –versteuerung). Der Antrag kann bis zur Rechtskraft des Bescheides gestellt werden und kann danach nicht mehr nachgeholt werden.

Wechsel der Gewinnermittlungsart.
Entschließt sich der Unternehmer gegen die Fortführungsoption oder vergisst er den Antrag zeitgerecht einzubringen, ist im Jahr 2010 verpflichtend ein Wechsel der Gewinnermittlungsart vorzunehmen. Bei einem derartigen Wechsel gilt gewillkürtes Betriebsvermögen als entnommen und allfällige stille Reserven sind zu versteuern. Weiters sind die stillen Reserven aus betrieblich genutztem (nacktem) Grund und Boden aufzudecken, wobei diese jedoch in eine „steuerneutrale“ Rücklage eingestellt werden können und erst bei tatsächlicher Veräußerung besteuert werden müssen.

Abweichendes Wirtschaftsjahr.
Bei einem Wechsel auf eine andere Gewinnermittlungsart ist jedenfalls auf eine Bilanzierung zum Kalenderjahr umzustellen.

Petra Haas
phaas@deloitte.at

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