Neue Verrechnungspreisanforderungen in der Türkei

Dem internationalen Trend folgend verschärft auch die Türkei ihre Dokumentationsanforderungen. Die veröffentlichten Richtlinien beinhalten strenge Vorgaben, außerdem drohen Strafzuschläge.

Richtlinien veröffentlicht.
In Form von Richtlinien hat die türkische Steuerbehörde ihre Ansichten zu Dokumentationserfordernissen bei Verrechnungspreisen dargelegt. Die Inhalte konzentrieren sich auf den Aufbau einer Verrechnungspreisdokumentation, Verrechnungspreismethoden, Anpassungen bei abweichenden Verrechnungspreisen sowie (kostenpflichtige) Advance Pricing Agreements. Die türkischen Verrechnungspreis-bestimmungen folgen grundsätzlich den OECD-Bestimmungen. Die Dokumentationsanforderungen erscheinen allerdings im internationalen Vergleich umfangreich und streng.

Aufbau.
Die türkischen Steuerbehörden geben in der Richtlinie eine genaue Mustergliederung für Verrechnungspreisdokumentationen vor. Jedenfalls sollen Informationen über die lokale Gesellschaft (Organisationsstruktur, Funktionen etc) enthalten sein und es ist jede konzerninterne Transaktion – unabhängig vom Volumen – zu erfassen. Für jede Art konzerninterner Transaktion (zB Finanztransaktionen, Warenlieferungen etc) ist eine separate Funktionsanalyse darzustellen. Bedeutsam ist, dass in der Dokumentation auch detaillierte Informationen über den verbundenen Transaktionspartner enthalten sein müssen. Die jährliche Verrechnungspreisdokumentation ist auf Türkisch zu verfassen – für größere Unternehmen besteht die Verpflichtung, nicht nur grenzüberschreitende, sondern auch inländische Konzerntransaktion zu dokumentieren. Die Verrechnungspreisdokumentation ist binnen 15 Tagen nach Anfrage vorzulegen, sofern die Einreichungsfrist für die Steuererklärung schon verstrichen ist.

Verrechnungspreismethoden.
Bei der Auswahl der Verrechnungspreismethoden bevorzugt die türkische Steuerbehörde interne Vergleichsdaten wie zB die interne Preisvergleichsmethode, bei welcher die Preise (für vergleichbare Transaktionen) zwischen dem verbundenen Unternehmen und einem fremden Unternehmen als Vergleichsmaßstab herangezogen werden.

Da interne Vergleichsdaten in der Praxis oftmals kaum zu ermitteln sind, ist darauf zu achten, dass das Fehlen von internen Vergleichsdaten entsprechend dokumentiert wird. Wie in Österreich (für eine österreichische „tested party“) ist es bei Anwendung der transaktionsbezogenen Nettomargenmethode (TNMM) mithilfe international üblicher Datenbanken schwierig, türkische Vergleichsunternehmen zu finden. Den vorliegenden türkischen Dokumentationsanforderungen folgend ist dies auch nicht ausdrücklich erforderlich. Problematisch erscheint allerdings der Umstand, dass die türkischen Steuerbehörden in Betriebsprüfungen auf interne Finanzdaten türkischer Unternehmen („Secret Comparables“) zurückgreifen könnten.

Strafzuschläge.
Kommt es durch den Ansatz von nicht fremdüblichen Verrechnungspreisen zur Reduktion von Steueraufkommen in der Türkei, so treten die allgemeinen Folgen des „Treasury Loss“ ein. Neben Ergebniskorrektur kann dies auch zu einem Strafzuschlag in Höhe von 100% der entgangenen Steuer führen.

Gerald Posautz
gposautz@deloitte.at

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