Sind Aufwendungen für Fundraising-Dinner steuerlich abzugsfähig?

Kunst- und Kulturinstitutionen veranstalten häufig sogenannte Fundraising-Dinner, um Einnahmen zur Umsetzung ihrer Ziele zu generieren. Privatpersonen und Unternehmen werden eingeladen, gegen Zahlung eines bestimmten Geldbetrages entweder einen Sitzplatz oder einen gesamten Tisch anlässlich einer in den Räumen der Kunst- bzw Kulturinstitution stattfindenden Veranstaltung zu buchen. Die Höhe des für den Sitzplatz oder Tisch bezahlten Preises übersteigt in der Regel wesentlich den Wert der Bewirtung.

Steuerliche Abzugsfähigkeit bei Privatpersonen.
Privatpersonen können Aufwendungen für die Teilnahme an einem Fundraising-Dinner nur dann steuerlich als Sonderausgaben geltend machen, wenn die Zahlungen an eine spendenbegünstigte Organisation im Sinne des § 4a EStG geleistet werden. Diese Organisation ist entweder explizit im Gesetz genannt (zB Museen) oder im Zeitpunkt der Spende in die entsprechende Liste des Bundesministeriums für Finanzen eingetragen. In der Regel wird eine derartige Organisation mit dieser Tatsache werben und dem Teilnehmer auch eine Spendenbestätigung ausstellen. Zu beachten ist, dass Zuwendungen, denen eine Gegenleistung gegenübersteht, nur insoweit abzugsfähig sind, als die Zuwendung die Gegenleistung wesentlich übersteigt. Bei einer Zahlung für ein Fundraising-Dinner ist somit nur jener Teil abzugsfähig, dem keine Gegenleistung in Form einer Bewirtung gegenübersteht. Die Höhe der abzugsfähigen Spende ist mit 10% der steuerlichen Einkünfte des Vorjahres begrenzt.

Steuerliche Abzugsfähigkeit bei Unternehmen.

  • als Werbeaufwand: Handelt es sich bei den Kosten für die Teilnahme am Fundraising-Dinner wirtschaftlich betrachtet ausschließlich oder überwiegend um betrieblich veranlassten Werbeaufwand, so wäre dieser für das werbende Unternehmen zur Gänze steuerlich abzugsfähig. Den Zahlungen im Rahmen des Fundraising-Dinners muss eine Werbewirksamkeit zuordenbar sein, somit eine entsprechende Werbeleistung des Veranstalters des Dinners gegenüberstehen. Dies könnte zB dann der Fall sein, wenn das Unternehmen als der Sponsor der Veranstaltung auftritt und auf Werbeplakaten aufscheint oder in medialer Berichterstattung erwähnt wird. Inwieweit die Kosten für ein Fundraising-Dinner für das spezifische Unternehmen als Werbeaufwand zu qualifizieren sind, ist im Einzelfall zu prüfen.
  • als Spende: Eine Zahlung für Fundraising-Dinner durch Unternehmen, der keine Werbeleistung gegenübersteht, kann analog zur Vorgehensweise bei Privatpersonen steuerlich als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Zu beachten ist auch hier die Grenze von 10% des Vorjahresgewinns.
  • als Geschäftsfreundebewirtung: Für den Fall, dass von einem Unternehmen Geschäftsfreunde zu einem Fundraising-Dinner eingeladen werden, wäre auch eine steuerliche Abzugsfähigkeit im Rahmen der einschlägigen Bestimmungen für Geschäftsfreundebewirtungen denkbar. Sofern die Bewirtung der Geschäftsfreunde einen eindeutigen Werbezweck hat und die betriebliche oder berufliche Veranlassung weitaus überwiegt, können die Aufwendungen zu 50% steuerlich geltend gemacht werden. Hiefür kommt allerdings wohl nur der für eine Gegenleistung (Bewirtungskomponente) aufgewendete Anteil der Gesamtkosten in Betracht.

Umsatzsteuer.
Auf Grundlage oben dargestellter Qualifikation aus ertragssteuerlicher Sicht sind auch allenfalls mit den Kosten für Fundraising-Dinner einhergehende Umsatzsteuerfragen zu lösen.

Fazit.
Wie hier gezeigt, ist im Zusammenhang mit einem Fundraising-Dinner auch aus steuerlicher Sicht eine sorgfältige Planung und Dokumentation notwendig, um die von Spendern und Veranstaltern gewünschten steuerlichen Effekte sicherzustellen.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Gernot Schuster
gschuster@deloitte.at

 

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