UFS-Kurznews: Macht Acht-Stunden-Kurs Oma noch nicht zu pädagogisch qualifiziertem Kinderbetreuer?

Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten nur bei Betreuung durch „pädagogisch qualifizierte Person“!

Außergewöhnliche Belastung.
Gemäß § 34 (9) EStG sind Aufwendungen für die Betreuung von Kindern bis 2.300 Euro als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzbar, wenn die Betreuung in einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung oder durch eine „pädagogisch qualifizierte Person“ erfolgt.

Sachverhalt.
Ein Vater zweier Kinder machte in seiner Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung 2010 unter anderem Kinderbetreuungskosten im Ausmaß von EUR 2.300 je Kind geltend. Die Kosten seien dadurch angefallen, dass die Kinder aufgrund der Berufstätigkeit beider Elternteile regelmäßig von deren Großmutter bzw deren Tante von der Schule abgeholt worden wären, wofür dem Vater vereinbarungsgemäß fünf Euro pro Stunde in Rechnung gestellt wurden. Sowohl die Großmutter als auch die Tante hätten den Acht-Stunden-Kurs des Hilfswerks „Als Oma/Opa/Babysitter anfangen“ besucht und wären daher jeweils als „pädagogisch qualifizierte Person“ im Sinne des Gesetzes anzusehen. Diesbezüglich verwies der Vater auf die „Information zur steuerlichen Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten im Zuge der außergewöhnlichen Belastung“ des BMF, wonach eine Person dann als pädagogisch qualifiziert gilt, wenn sie eine Ausbildung zur Kinderbetreuung im Mindestausmaß von acht Stunden nachweisen kann. Das Finanzamt anerkannte die geltend gemachten Kinderbetreuungskosten nicht, worauf der Vater in Berufung ging.

Entscheidung.
Der UFS Wien, 11.10.2011, RV/0181-W/11 wies die Berufung ab und führte dazu aus, dass sich das Qualifikationsniveau der Betreuer an jenem der Mitarbeiter der institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen zu orientieren habe und zumindest jenen Umfang aufweisen muss, der der Ausbildung von Tagesmüttern entspricht. Die Absolvierung eines Kurses im Ausmaß von acht Stunden sei daher jedenfalls zu wenig. Die Kosten für die Betreuung durch die Großmutter und die Tante sind daher steuerlich nicht absetzbar.

Einzelfall?
Lt Mitteilung der Kammer der Wirtschaftstreuhänder vom 17.11.2011 ist das BMF der Ansicht, dass es sich bei der UFS-Entscheidung um eine Rechtsmeinung in einem Einzelfall handelt. Der BMF-Erlass über die Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten gelte für die Finanzämter unverändert als Richtschnur und die mehrstündigen Ausbildungskurse sollen von den Finanzämtern weiterhin akzeptiert werden. Abzuwarten bleibt, ob sich auch der UFS dieser Meinung anschließen wird.

Stefan Holzer
sholzer@deloitte.at

 

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