Das Inlandsgastspiel und die Abzugssteuer

Gastspiele ausländischer Theater und Orchester  im Inland leisten einen wertvollen Beitrag zum internationalen Kulturaustausch. Nicht selten sind diese Inlandsgastspiele mit komplexen steuerlichen Fragen verbunden.

Beschränkte Steuerpflicht in Österreich.
Bei Vertragsabschlüssen mit ausländischen Theatern, Orchestern und ähnlichen Institutionen, welche Gesamtproduktionen herstellen und diese als Gastspiele im Inland präsentieren, entfällt oft nur ein Teil der vertraglichen Leistung auf künstlerische Leistungen. Ein häufig nicht unwesentlicher Teil der für den Inlandsauftritt geleisteten Gesamtvergütung entfällt auf die technische Produktion sowie sonstige Assistenzleistungen. Ausländische Kulturinstitutionen, die bei einem inländischen Veranstalter Gastspiele durchführen, unterliegen mit den ihnen zufließenden Vergütungen nach Ansicht der österreichischen Finanzverwaltung als „Mitwirkende an Unterhaltungsdarbietungen“ der 20%igen Abzugssteuer, dh die Gesamtvergütung für den Inlandsauftritt unterliegt der österreichischen Steuerpflicht.

Zwischenstaatliches Recht.
Nahezu alle von Österreich abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen enthalten eine sogenannte Künstlerklausel, welche einen Besteuerungsanspruch Österreichs von im Inland tätigen Künstlern sicherstellt. Gemäß Art 17 Abs 1 OECD-MA sind nur die Künstlergagen von in Österreich tätigen Künstlern in Österreich steuerpflichtig. Die jüngeren von Österreich abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen enthalten zusätzlich einen dem Art 17 Abs 2 OECD-MA nachgebildeten sogenannten unechten Künstlerdurchgriff. Danach wird die an eine ausländische Gesellschaft gezahlte Gesamtvergütung – und somit auch der Gewinnanteil der ausländischen Kulturinstitution im Fall von Gastspielen – in Österreich steuerpflichtig. Voraussetzung dafür ist, dass Teile der Gesamtvergütung als Künstlergagen an die Künstler weitergeleitet werden. Der Umfang der österreichischen Steuerpflicht (ob nur die Künstlergage in Österreich steuerpflichtig ist oder die Gesamtvergütung der Steuerpflicht unterliegt) hängt folglich von der Ausgestaltung des jeweils anzuwendenden Doppelbesteuerungsabkommens ab. Zu diesbezüglichen Fragen der Steueroptimierung durch Contract Splitting  iZm Art 17 Abs 2 OECD-MA verweisen wir auf die Oktoberausgabe unserer ArtNews.

Sondervorschriften für Kunstförderung.
Zur Förderung des zwischenstaatlichen Kulturaustausches sehen einige von Österreich abgeschlossene Doppelbesteuerungsabkommen Sondervorschriften im Falle der Subventionierung einer Kulturinstitution aus öffentlichen Mitteln vor. In diesem Fall wird das grundsätzliche Besteuerungsrecht des Tätigkeitsstaates zugunsten des Entsendestaates des Künstlers eingeschränkt. Voraussetzung ist hier regelmäßig, dass der ausländische Kulturträger gemeinnützig ist und dass das österreichische Gastspiel der Gemeinnützigkeitssphäre des Kulturträgers zuzurechnen ist oder alternativ das österreichische Gastspiel auf ausländischer Seite unter die entsprechende Sondervorschrift für Kunstförderung subsumiert wird.

Fazit.
Auf Grund der sich im Zusammenhang mit Gastspielen ergebenden Besonderheiten aus zwischenstaatlicher steuerlicher Sicht empfiehlt sich eine sorgfältige Planung und Dokumentation des Auftragsverhältnisses sowie eine steuerliche Abklärung vor Abschluss des Vertragsverhältnisses, um etwaige abzugssteuerliche Haftungsrisiken auszuschließen.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Petra Mayer
pmayer@deloitte.at

 

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