Steuerersparnis für Künstler durch Gewinnrücktrag

Künstler und Schriftsteller können Ihre positiven Einkünfte gleichmäßig auf das Jahr der Erzielung der Einkünfte und auf die zwei davorliegenden Kalenderjahre verteilen. Je nach Einkommenshöhe in den beiden vorherigen Veranlagungsjahren können sich erhebliche Steuervorteile ergeben, insbesondere wenn in den Vorjahren keine oder nur geringe Einkünfte erzielt wurden.

Künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit.
Nach ständiger Judikatur steht die Begünstigung Künstlern offen, die eine persönliche und eigenschöpferische Tätigkeit ausüben, welche über bloß Erlernbares hinausgeht. Unter schriftstellerische Arbeit fällt die Veröffentlichung selbständiger Gedanken (auch in Radio und Fernsehen).

Zweck und Wirkungsweise der Begünstigung.
In vielen Fällen fließen die Einkünfte aus einer künstlerischen Tätigkeit erst bei Fertigstellung oder bei Verwertung eines Kunstwerks zu, während in den Jahren an denen an dem Kunstwerk gearbeitet wird, keine oder nur geringe Einkünfte erzielt werden. Um eine übermäßige Besteuerung im Jahr des Anfalls der Einkünfte zu vermeiden, kann auf Antrag eine gleichmäßige Verteilung der Einkünfte auf das Jahr der Erzielung der Einkünfte und auf die zwei davorliegenden Kalenderjahre erfolgen. Der Antrag kann nur bei erstmaliger Veranlagung für ein Kalenderjahr mit Abgabe der Steuererklärung gestellt werden.

Beispiel:
Ein Schriftsteller nimmt im Jahr 2012 seine Tätigkeit auf und erzielt Einnahmen in Höhe EUR 45.000. In den beiden Vorjahren wurden keine Einkünfte erzielt. Ohne Inanspruchnahme der Verteilungsmöglichkeit müssten die Einkünfte zur Gänze im Jahr 2012 versteuert werden und es würde Einkommensteuer in Höhe von rd EUR 13.750 anfallen. Werden hingegen die Einkünfte auf die Jahre 2010-2012 gleichmäßig mit jeweils EUR 15.000 pa verteilt, beträgt die Steuerzahlung lediglich rd EUR 1.460 pa und daher in Summe rd EUR 4.380. Die Steuerersparnis beträgt im vorliegenden Fall daher über EUR 9.300!
Anspruchsverzinsung. Das Finanzamt setzt regelmäßig Anspruchszinsen in Höhe von derzeit 2,38% pa für Abgabenansprüche fest, die durch Verteilung der Einkünfte in den vorangegangenen Jahren entstanden sind. Derartige Anspruchszinsen können jedoch durch einen gesonderten Antrag beim zuständigen Finanzamt vermieden werden.

Zusätzlicher Gestaltungsspielraum.
Der Verteilungsantrag bewirkt automatisch eine Wiederaufnahme des Verfahrens der beiden Vorjahre. Daher können auch Betriebsausgaben, welche ursprünglich in den Vorjahren nicht geltend gemacht wurden, durch einen Verteilungsantrag im Rechtsmittelverfahren nachträglich Berücksichtigung finden.

Beschränkte Steuerpflicht.
Die Progressionsermäßigung steht auch beschränkt steuerpflichtigen ausländischen Künstlern im Rahmen einer Antragsveranlagung offen. Da beschränkt steuerpflichtige Künstler oftmals nur in einem Wirtschaftsjahr Einkünfte aus Österreich beziehen, kann gerade in diesen Fällen die Einkünfteverteilung vorteilhaft sein.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Wilfried Krammer
wkrammer@deloitte.at

 

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