Privatanleger: Optimierung des Verlustausgleiches bei Kapitaleinkünften

Mit dem Inkrafttreten der „Kapitalvermögensbesteuerung neu“ am 1.4.2012 wird es für Privatanleger möglich, innerhalb der endbesteuerten Kapitaleinkünfte bestimmte laufende Erträge und realisierte Kursgewinne mit realisierten Kursverlusten auszugleichen.

Schaffung von ausgleichsfähigen Erträgen.
Innerhalb der endbesteuerten Kapitaleinkünfte hat der Gesetzgeber gewisse Einkünfte bewusst vom Verlustausgleich ausgenommen. Die wichtigsten Ausnahmen sind dabei Stiftungszuwendungen sowie Zinserträge aus Geldeinlagen und sonstigen Forderungen bei Kreditinstituten. Aus steuerlicher Sicht kann daher überlegt werden, eine Umschichtung von Geld- bzw Spareinlagen bei Banken in andere zinstragende Produkte vorzunehmen. Zinszahlungen aus Geldmarktanlagen und Staatsanleihen sind Beispiele für Erträge, die grundsätzlich mit realisierten Kursverlusten im System der „Kapitalvermögensbesteuerung neu“ ausgeglichen werden können.

Verlustausgleich an der Quelle.
Nach der bisherigen Rechtslage war ein Verlustausgleich nur im Rahmen der Einkommensteuererklärung vorgesehen. Dabei konnten lediglich Spekulationsverluste mit Spekulationsüberschüssen sowie Verluste aus der Veräußerung von wesentlichen Beteiligungen nur mit Überschüssen aus der Veräußerung von solchen Beteiligungen ausgeglichen werden. Mit dem Budgetbegleitgesetz 2012 wurde nunmehr ein unmittelbar durch die Bank durchzuführender Verlustausgleich innerhalb der endbesteuerten Kapitaleinkünfte ab 1.4.2012 gesetzlich verankert.

Durchführung des Verlustausgleiches.
Für den Zeitraum von 1.4. bis 31.12.2012 nehmen inländische depotführende Stellen für sämtliche Depots eines Anlegers zwar noch den 25%igen Steuerabzug auf alle KESt-pflichtigen Erträge vor. Ein Verlustausgleich an der Quelle wird für diesen Zeitraum erst nachträglich bis spätestens 30.4.2013 durchgeführt. Ab 1.1.2013 wird der Verlustausgleich bereits jeweils im laufenden Jahr vorgenommen. Der Anleger erhält für jedes Jahr eine Verlustausgleichsbescheinigung, welche dem Finanzamt insbesondere bei Depots bei unterschiedlichen depotführenden Stellen vorgelegt werden muss, um einen vollständigen Verlustausgleich herbeizuführen. Weiters besteht keine Verlustausgleichsmöglichkeit an der Quelle bei:

  • betrieblichen Depots,
  • Einkünfte, denen pauschale Werte zu Grunde liegen (zB wenn der depotführenden Stelle die Anschaffungskosten gewisser Titel nicht bekannt sind bzw nicht mitgeteilt werden),
  • Einkünfte aus Treuhandkonten und
  • Einkünfte aus Gemeinschaftsdepots.

Zu beachten ist weiters, dass in 2012 keine „Kombination“ der unterschiedlichen Verlustverrechnungssysteme (alte und neue Rechtslage) zulässig ist.

Optimierung Verlustausgleich an der Quelle.
Um bereits ab 1.4.2012 einen Verlustausgleich an der Quelle zu erreichen, können vor dem 1.4.2012 folgende Maßnahmen gesetzt werden:

Sollten Depots bei verschiedenen inländischen Banken bzw depotführenden Stellen bestehen, so kann mittels Zusammenziehen der Depots zu einer Bank der Verlustausgleich auch ohne Einkommensteuererklärung erreicht werden. Verfügt ein Anleger über ein Depot im Ausland, führt eine Depotübertragung in das Inland zu demselben Ergebnis. Um einen Verlustausgleich an der Quelle mit treuhändig gehaltenen Depots zu erlangen, kann eine Auflösung von Treuhandverhältnissen erfolgen. Bei Gemeinschaftsdepots (zB in der Praxis häufig mit Ehegatten oder Kindern), kann eine „Zuordnung“/Schenkung angedacht werden, damit Einzeldepots vorliegen (dabei ist allerdings zu prüfen, ob Schenkungsmeldepflicht besteht bzw es muss darauf geachtet werden, dass keine steuerpflichtigen Tauschvorgänge ausgelöst werden).

Fazit.
Durch die substanziellen Änderungen in der Kapitalvermögensbesteuerung ergeben sich für den Verlustausgleich bzw den Verlustausgleich an der Quelle Optimierungspotentiale. Die konkreten Maßnahmen hängen von den gesamten steuerlichen Verhältnissen des Investors ab. Die Optimierung ist daher individuell, erfordert eine Analyse der steuerlichen Situation und sollte professionell begleitet werden.

Christian Wilplinger
cwilplinger@deloitte.at

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