Abzugsteuer bei Zahlungen an ausländische Sportler

Bereits über 33.500 Läufer haben sich zum 29. Vienna City Marathon am 15.4.2012 angemeldet. Laufen Sie auch mit, oder „lassen Sie laufen“? Werden im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen Zahlungen in das Ausland getätigt, gilt es bestimmte Grundsätze zu beachten, um in steuerlicher Hinsicht auf der Zielgerade zu bleiben.

Beschränkte Steuerpflicht.
In Österreich bezogene Einkünfte von Sportlern, die weder Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben, unterliegen mit ihren Einkünften der beschränkten Steuerpflicht. Die Steuer des ausländischen Sportlers hat der österreichische Leistungsempfänger (in der Regel der Veranstalter) einzubehalten und als sogenannte Abzugsteuer an das Finanzamt abzuführen. Dabei ist besondere Sorgfalt geboten, da der Leistungsempfänger für die Einbehaltung der Abzugsteuer dem Fiskus gegenüber haftet.

Zahlungen an ausländische Vereine.
Der Steuerabzug ist vorzunehmen, gleichgültig, an wen die Vergütung für die sportliche Tätigkeit geleistet wird. Dieser „Durchgriff“ soll verhindern, dass durch die Zwischenschaltung von ausländischen Unternehmen die inländische Abzugsteuer umgangen wird. Zu Problemen kann es dabei kommen, wenn die zwischen Sportler und Veranstalter tretenden ausländischen Unternehmen neben den Leistungen des Sportlers auch Leistungen verrechnen, die kein Mitwirken an der inländischen Sportveranstaltung betreffen – wie etwa reine Managementaufgaben – da diese in der Regel keinem Steuerabzug unterliegen. Hier befindet sich der inländische Veranstalter in einer Zwickmühle, da er zur Minimierung seines Haftungsrisikos einerseits möglichst die vollen Bezüge der Abzugsteuer unterwerfen sollte und andererseits die Abzugsteuer zum Kostenfaktor wird, da in der Praxis zumeist „Nettovereinbarungen“ abgeschlossen werden.

Zwischenstaatliches Recht.
Nahezu alle österreichischen Doppelbesteuerungsabkommen enthalten eine so genannte Sportlerklausel, welche einen Besteuerungsanspruch Österreichs auf Einkünfte von im Inland tätigen ausländischen Sportlern sicherstellt. Sollte der ausländische Sportler in keinem direkten Vertragsverhältnis zum inländischen Veranstalter stehen, sieht die österreichische Finanzverwaltung in der Auslegung jener DBA, die lediglich einen einfachen Durchgriff vorsehen, für Österreich nur ein Besteuerungsrecht des Anteiles vor, der an den Sportler weitergeleitet wird. Jene DBA, die eine erweiterte Durchgriffsmöglichkeit vorsehen, ermöglichen hingegen grundsätzlich eine Besteuerung der Gesamtvergütung an die ausländische Sportlergesellschaft. Dabei sind jedoch jene Teile auszuscheiden, die nach innerstaatlichem Recht keiner Abzugsteuer unterliegen, wie etwa die bereits oben erwähnten Managementleistungen.

Befreiung von der Einbehaltung von Abzugsteuer.
Aus Vereinfachungsgründen kann nach der Verwaltungspraxis von der Einbehaltung der  Abzugsteuer zur Gänze Abstand genommen werden, sofern bei einer nachträglichen Antragsveranlagung des ausländischen Sportlers eine inländische Steuerleistung voraussichtlich nicht anfallen wird und die folgenden sonstigen Voraussetzungen des Künstler-Sportler-Erlasses gegeben sind:

  • neben Kostenersätzen darf vom Veranstalter ein Honorar von max EUR 1.000 ausbezahlt werden,
  • der ausländische Sportler erklärt schriftlich dass seine Einkünfte, die der inländischen Besteuerung unterliegen, im Kalenderjahr EUR 2.000 nicht übersteigen werden,
  • der Veranstalter nimmt diese Erklärung sowie einen Identitätsnachweis samt Adresse des Sportlers zu seinen Unterlagen

Fazit.
Kommt es im Zuge der Teilnahme von ausländischen Sportlern an inländischen Veranstaltungen zu Zahlungen ins Ausland, empfiehlt sich zur Vermeidung von abzugsteuerlichen Haftungsrisiken eine sorgfältige steuerliche Abklärung und Dokumentation der Vertragsverhältnisse.

Andreas Auer
anauer@deloitte.at

 

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