Neuer Kapitalertragsteuer-Erlass ab 1.4.2012

Aufgrund vieler offener Detailfragen rund um die neue Vermögenszuwachssteuer bzw KESt-Neu hat das Bundesministerium für Finanzen einen rund 200 Seiten umfassenden Erlass zu Fragen der Kapitalertragsteuer veröffentlicht. Wir möchten diesbezüglich einige für Privatanleger besonders relevante Punkte hervorheben.

Verlustverrechnung.
Ab dem 1.4.2012 nimmt die depotführende Stelle einen automatischen Verlustausgleich über sämtliche von ihr geführten Depots vor, die eindeutig einem Inhaber zugeordnet werden können. Vom Verlustausgleich sollen unter anderem Zinsen aus Forderungswertpapieren, welche vor dem 1.4.2012 erworben wurden, ausgeschlossen sein. Ein mit entsprechender Kursrisikoabsicherung seitens der Bank ausgestalteter zeitnaher Ver- und Ankauf von (Forderungs-)Wertpapieren kann dieses Verlustausgleichsverbot nicht verhindern; das derart angeschaffte Wertpapier gilt nicht als neu erworben und bleibt somit für Zwecke des Verlustausgleichs ausgeschlossen.

Vorsicht ist auch bei den folgenden Konstellationen geboten: betriebliche Depots, Treuhandkonten, sowie Gemeinschaftsdepots (dazu zählen sogenannte „und/oder Depots“, welche beispielsweise von Ehepaaren gemeinsam gehalten werden) sind vom automatischen Verlustausgleich zwischen den verschiedenen Depots ausgeschlossen. Ein Verlustausgleich findet lediglich innerhalb des Depots statt.

Fremdwährungsgewinne.
Mit der neuen Vermögenszuwachssteuer wird die Steuerpflicht in Zusammenhang mit Fremdwährungsgeschäften empfindlich ausgedehnt. Während bisher lediglich die Konvertierung eines Fremdwährungsdarlehens in EUR binnen Jahresfrist als Spekulationstatbestand galt, ist nunmehr auch der Tausch von Devisen in EUR nach den neuen Besteuerungsregeln steuerpflichtig.

Werden beispielsweise USD erworben und am Fremdwährungskonto gehalten, wird bei Rücktausch oder Auszahlung in EUR die durch den Rücktausch realisierte Wertsteigerung in EUR als Kapitalgewinn steuerpflichtig. Der An- und Verkauf eines in einer Fremdwährung notierten Wertpapiers gilt selbst dann als steuerpflichtiger Veräußerungsvorgang, wenn die Transaktionen über das entsprechende Fremdwährungssubkonto abgewickelt wird. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn eine in YEN notierte Aktie um YEN erworben wird, und anschließend der Verkaufserlös am YEN-Konto gutgeschrieben wird.

Nur bei Verkäufen von Wertpapieren oder verbrieften Derivaten erfolgt ein Abzug der KESt durch die depotführende Stelle. In allen übrigen Fällen ist für die korrekte Versteuerung von Devisengeschäften der Steuerpflichtige selbst verantwortlich. Die Anwendbarkeit der neuen Regelungen in der Praxis scheint indes problematisch, da selbst das Wechseln von Banknoten als Spekulationsgeschäft tarifsteuerpflichtig ist, wenn der Umtausch binnen Jahresfrist erfolgt.

Wegzugsbesteuerung.
Ist der Wegzug eines Steuerpflichtigen mit dem Verlust des Besteuerungsrechts der Republik Österreich verbunden, wird eine Veräußerung des Wertpapiervermögens fingiert. Ziel ist, den bis dahin lukrierten Vermögenszuwachs der Besteuerung in Österreich zu unterwerfen. Bei Wegzug in ein EU-Land oder nach Norwegen ist es möglich, für jedes Wertpapier oder Derivat einen separaten Antrag auf Aufschub der Besteuerung bis zum tatsächlichen Verkauf des Wertpapiers beim Finanzamt einzubringen. Der entsprechende Bescheid der Finanzbehörde ist der depotführenden Stelle vorzulegen, damit ein KESt-Abzug trotz Wegzugs bei einem zukünftigem Verkauf oder einer Depotentnahme unterbleiben kann. Der Anleger hat jedoch im Rahmen seiner Steuerklärung den Verkauf steuerlich zu behandeln.

Breaking Tax News Nr. 7_2012 DEUTSCH

Breaking Tax News Nr. 7_2012 ENGLISCH

Nora Engel-Kazemi
nengel@deloitte.at
                                                 
                                                  
                                               
                                                 
                                                
                                                  
                                                                                                  

Birgit Schwertner-Awais
bschwertner@deloitte.at

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