Gutscheine in der Steuerbilanz und der Umsatzsteuer

Die Ausgabe von Gutscheinen zur Akquisition neuer Kunden und zur stärkeren Bindung bestehender Kunden gewinnt in der Praxis immer mehr an Bedeutung. Grundsätzlich wird zwischen „entgeltlich erworbenen Kaufgutscheinen“ und „Gratisgutscheinen“ unterschieden.

Kaufgutscheine.
Kaufgutscheine weisen einen bestimmten wertmäßigen Betrag auf, um den bestimmte Waren eines Unternehmens gekauft werden können. Nach herrschender Meinung sind Kaufgutscheine als Verbindlichkeit im Ausmaß der drohenden Belastung auszuweisen (vgl Rz 3479 EStR 2000). Da jedoch die Höhe des Eintritts dieser Belastung aufgrund von Verlust, Desinteresse oder sonstigem Verfall als ungewiss eingestuft werden kann, wird in der Literatur auch der Ausweis als Rückstellung vertreten. In der Praxis empfiehlt sich jedoch der Ausweis als Verbindlichkeit lt EStR 2000, da dadurch auch das Problem der steuerlichen Anerkennung mit lediglich 80% des Teilwertes bei langfristigen Rückstellungen entfällt. In jedem Fall ist der Gutschein im Jahr des Verkaufs erfolgsneutral einzubuchen und ist bei der Einlösung des Gutscheines die Verbindlichkeit/Rückstellung ertragswirksam aufzulösen.

Umsatzsteuerrechtlich ist die Veräußerung des Gutscheines in der Regel nicht steuerbar, da noch keine Lieferung und damit keine konkrete Gegenleistung vorliegt. Erst die Verschaffung der Verfügungsmacht, sprich die Einlösung des Gutscheines, stellt einen steuerbaren Umsatz dar. Lediglich in Fällen, in welchen sich der Gutschein auf eine bestimmte Ware richtet, unterliegt bereits der Gutscheinverkauf der Anzahlungsbesteuerung.

Gratisgutscheine.
Gratisgutscheine dienen hier prinzipiell Werbezwecken, wobei diese nicht entgeltlich erworbenen Gutscheine auch ein Rabattversprechen enthalten können. Bei Gutscheinen mit Rabattversprechen wird ein gewisser Umsatz vorausgesetzt, damit dem Kunden ein Rabatt gewährt wird. Aufgrund der völligen Ungewissheit, ob die Gutscheine überhaupt eingelöst werden, wird für diesen Fall nach herrschender Praxis die Bildung einer Rückstellung abgelehnt. Gutscheine mit Rabattversprechen werden daher bilanziell nicht erfasst und sind auch nicht als Haftungsverhältnis im Anhang erläuterungspflichtig. Diese Gutscheine sind erst bei Einlösung im Sinne eines Sofortrabattes vom Kaufpreis abzuziehen. Bei wesentlichem Umfang an erwarteten Rabatten kann eine Angabe im Lagebericht geboten sein. Umsatzsteuerlich stellen Gutscheine mit Rabattversprechen erst bei Abschluss des zukünftigen Geschäftes einen steuerlich relevanten Sachverhalt dar. Die Bemessungsgrundlage ist dabei der um den eingelösten Gutschein verminderte Preis.

Gutscheine ohne Rabattversprechen sind Anreizmittel für Kunden. Die Kunden bekommen diesfalls zB Geschenke (in der Regel „so lange der Vorrat reicht“). Da in diesem Fall der Wert der geschenkten Ware und der Zeitpunkt der Ausgabe als sicher angenommen werden können, ist in der Regel eine Verbindlichkeit einzubuchen. Umsatzsteuerlich unterliegen Geschenke gemäß den EStR 2000 erst ab einem Wert von EUR 40 der Umsatzsteuer.

Fazit.
Verpflichtungen aus Kaufgutscheinen werden idR als Verbindlichkeiten erfasst, wogegen Gratisgutscheine mit Rabattversprechen erst im Zeitpunkt der Einlösung erlösmindernd erfasst werden. Für Gutscheine ohne Rabattversprechen ist im Zeitpunkt der Ausgabe aufwandswirksam eine Verbindlichkeit zu buchen. Auch die umsatzsteuerlichen Rechtsfolgen sind je nach Ausgestaltung des Gutscheines unterschiedlich.

Daniela Hofmann
dhofmann@deloitte.at

 

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