Werbungskosten für Doppelte Haushaltsführung bei Singles?

Aufwendungen für den Haushalt oder Aufwendungen für die Lebensführung dürfen gemäß § 20 Abs. 1 Z 1 EStG grundsätzlich nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden. Davon ausgenommen sind unvermeidbare Mehraufwendungen aus der beruflich veranlassten Begründung eines weiteren Wohnsitzes am Beschäftigungsort. Der Verwaltungsgerichtshof hatte sich nun mit dieser Frage bei einem alleinstehenden Steuerpflichtigen auseinanderzusetzten.

Grundsätzliches.
Die Beibehaltung des (Familien-)Wohnsitzes bei einer Erwerbstätigkeit, die in unüblicher Entfernung vom Wohnsitz ausgeübt wird, ist nach Ansicht der Finanzverwaltung niemals durch die Erwerbstätigkeit selbst, sondern vielmehr durch Umstände außerhalb dieser Erwerbstätigkeit veranlasst. Aufwendungen im Zusammenhang mit einer doppelten Haushaltsführung können jedoch ausnahmsweise geltend gemacht werden, wenn dem Erwerbstätigen eine Verlegung seines (Familien-)Wohnsitzes in üblicher, naher Entfernung vom Ort der Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann. Das Kriterium der „Zumutbarkeit“ bedeutet nicht, dass die Gründe für deren Nichtvorliegen zwingend mit der Erwerbstätigkeit im Zusammenhang stehen müssen. Auch private Gründe können für die werbungskostenbegründende Unzumutbarkeit ursächlich sein.

Konkreter Fall.
Der VwGH beschäftigte sich in seinem Erkenntnis 2008/15/0296 vom 24.11.2011 mit der Frage, ob die Verlegung eines Wohnsitzes an den neuen Tätigkeitsort einem alleinstehenden Steuerpflichtigen zumutbar ist und demzufolge Werbungskosten für doppelte Haushaltsführung geltend gemacht werden können. Im vorliegenden Sachverhalt handelte es sich um eine mit zweijähriger Dauer am neuen Beschäftigungsort veranschlagte Projekttätigkeit, wobei der beschwerdeführende Steuerpflichtige im Verfahren vorgebracht hatte, dass er nach Ablauf dieses Projektes wieder an seinen ständigen Wohnort zurückkehren werde. Ausschlagegebend für die Rückkehr an den ständigen Wohnort sei insbesondere auch die bestehende körperliche Behinderung, da sich die Schwester als Bezugsperson an eben diesem ständigen Wohnort befinde.

Rechtsansicht des VwGH.
Die Geltendmachung von Werbungskosten für doppelte Haushaltsführung ist dann möglich, wenn der Verbleib am neuen Tätigkeitsort den Umständen nach nur von kurzer Dauer sein wird, weil das Beschäftigungsverhältnis zeitlich befristet ist und nach den Umständen des konkreten Einzelfalles von einer Rückkehr an den Hauptwohnsitz bzw ständigen Wohnort auszugehen ist. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer im Verfahren auf eine Reihe von konkreten Umständen verwiesen, welche für die Glaubhaftmachung der beabsichtigten Rückkehr an den ständigen Wohnort sprechen. Die Verlegung des Wohnsitzes an den neuen Tätigkeitsort ist einem alleinstehenden Steuerpflichtigen unzumutbar, wenn der Verbleib am Tätigkeitsort, bezogen auf die Umstände des Einzelfalls, nur von kurzer Dauer ist, das Beschäftigungsverhältnis befristet ist und von einer Rückkehr an den ursprünglichen Hauptwohnsitz auszugehen ist. Auch eine spätere Aufgabe der Wohnung am Hauptwohnsitz ist daher für sich allein betrachtet nicht geeignet, von vorneherein Umstände aus dem Bereich der privaten Lebensführung auszuschließen, welche auf eine Rückkehr an den ursprünglichen Hauptwohnsitz schließen lassen.

Fazit.
Die Unzumutbarkeit der Verlegung des ständigen Wohnortes an den Ort der Beschäftigung kann verschiedenste Umstände haben und sich aus den Umständen der privaten Lebensführung ergeben. Auch im Falle einer Aufgabe des bisherigen „Familienwohnsitzes“ sind darüber hinaus vorgebrachte Umstände aus dem privaten Bereich bei der Prüfung der Zumutbarkeit der Wohnsitzverlegung zu berücksichtigen. Im Allgemeinen läßt die Finanzverwaltung bei allein stehenden Steuerpflichtigen eine vorübergehende doppelte Haushaltsführung von längstens sechs Monaten zu (vgl R 341 ff LStR).

Christian Toppelreiter
ctoppelreiter@deloitte.at

 

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