Nicht nur Bühnenschauspieler unterliegen der Abzugsteuer – auch Kuratoren werden erfasst!

Wie jüngst durch das BMF bestätigt, unterliegen ausländische selbständig tätige Kuratoren der Abzugsteuer. Allerdings wird in vielen Fällen das österreichische Besteuerungsrecht durch das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen eingeschränkt, weshalb sich je nach Sachverhalt unterschiedliche Möglichkeiten der Steuerentlastung ergeben.

Österreichisches Steuerrecht.
Die Einkünfte von sogenannten Mitwirkenden an Unterhaltungsdarbietungen werden im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht im Wege einer Abzugsteuer erfasst (vgl dazu auch Art News vom 14.10.2011). Nach der Auffassung des BMF fällt auch die Ausstellung von Kunst unter den weiten Begriff der „Unterhaltungsdarbietungen“. Daher unterliegen auch ausländische Kuratoren, deren Aufgaben insbesondere die wissenschaftliche Bearbeitung der Themen, die Verfassung der Katalogtexte sowie die Zusammenstellung und Auswahl der Kunstwerke sind, mit ihren Einkünften nach innerstaatlichem Recht der Abzugsteuer (vgl EAS 2439 vom 08.03.2004).

Doppelbesteuerungsabkommen.
Nach dem OECD Musterabkommen wird die Tätigkeit eines Kurators nicht als künstlerisch im Sinne des Art 17 gewertet, sodass die inländische Steuerpflicht in der Regel nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn der Kurator von einer im Inland gelegenen festen Einrichtung (Betriebstätte) aus tätig wird. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn dem Kurator ein Büroraum für die Dauer von mehr als sechs Monaten zur Arbeitsausübung zur Verfügung gestellt wird. Festzuhalten ist, dass die unlängst von der OECD vorgeschlagenen Änderungen und Ergänzungen des OECD-Musterkommentars zu einer erheblichen Ausdehnung des bisherigen Betriebstättenbegriffs führen, sodass künftig auch wiederkehrende Tätigkeiten und Tätigkeiten, die einzig und allein im Quellenstaat ausgeübt werden, eine Betriebstätte begründen könnten (vgl im Detail unseren Beitrag vom 14.5.2012).

Österreich hat Besteuerungsrecht nach DBA.
Übt der Kurator seine Tätigkeit von einer Betriebstätte aus, hat der inländische Vertragspartner vom Honorar des Kurators Abzugsteuer in Höhe von 20% einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen. Eine Steuerentlastung an der Quelle kommt in diesem Fall nicht in Betracht; vielmehr hat der Kurator eine Einkommensteuererklärung einzureichen und die Quellensteuer wird auf die Einkommensteuerschuld angerechnet.

Wohnsitzstaat hat Besteuerungsrecht nach DBA.
Besteht keine feste Einrichtung (Betriebstätte) und kann der österreichische Besteuerungsanspruch daher nach DBA-Recht nicht durchgesetzt werden, kommen folgende Möglichkeiten der Steuerentlastung alternativ in Betracht:

Aus Vereinfachungsgründen kann nach dem Künstler-Sportler-Erlass die Einbehaltung der Abzugsteuer unterbleiben, sofern bei einer nachträglichen Antragsveranlagung keine inländische Steuerleistung anfallen würde und folgende Kriterien kumulativ vorliegen:

  • das ausbezahlte Honorar beträgt neben Kostenersätzen max EUR 1.000,
  • der ausländische Kurator erklärt schriftlich, dass die der inländischen Besteuerung unterliegenden Einkünfte im Kalenderjahr EUR 2.000 nicht übersteigen,
  • der Veranstalter nimmt die diese Erklärung sowie einen Nachweis der Identität unter Angabe des Wohnorts zu seinen Unterlagen.

Des Weiteren kann nach der DBA-Entlastungsverordnung von einer Abzugsbesteuerung unter direkter Anwendung des DBA Abstand genommen werden, sofern die Abkommensberechtigung des Kurators mittels vollständig ausgefülltem und von der ausländischen Steuerbehörde bestätigtem ZS-QU1 Formular nachgewiesen werden kann. Die entsprechende Dokumentation hat der inländische Veranstalter zu führen.

Sind weder die Voraussetzungen des Künstler-Sportler Erlasses gegeben und wird auch kein ZS-QU1 Formular beigebracht, hat der Veranstalter jedenfalls Abzugsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. In diesem Fall ist der Kurator auf das Rückerstattungsverfahren zu verweisen, bei dem mittels gesonderten Antrags die abgeführte Abzugsteuer rückerstattet wird.

Fazit.
Besteht mit dem Ansässigkeitsstaat des Kurators ein dem OECD Musterabkommen nachgebildetes Doppelbesteuerungsabkommen, muss für die Frage, ob Abzugsteuer von der Vergütung ausländischer Kuratoren einzubehalten ist,  zunächst geklärt werden, ob diese im Inland über eine Betriebstätte verfügen. Der inländische Vertragspartner muss somit eine genaue Analyse vornehmen, ob die Kriterien einer Betriebstätte im Einzelfall erfüllt werden. Im Zweifel ist – um Haftungsrisiken zu vermeiden – jedenfalls Abzugsteuer einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Wilfried Krammer
wkrammer@deloitte.at

 

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