Besser ausgebildete (Tor)Schiedsrichter sind gesucht!

Wegen der Stellung des Sports und der Besonderheiten des Sportrechts werden Sportstreitigkeiten unter Ausschluss ordentlicher Gerichte zunächst vor nationalen Ausschüssen verhandelt. Diese sind eine Art Kreuzung zwischen weisungsgebundener Behörde und unabhängigem Gericht. Als unabhängige Instanz wurde 1986 der Court of Arbitration for Sport eingerichtet. Auch anläßlich der Fußball-Europameisterschaft UEFA EURO 2012 könnte dieser CAS aktiv werden.

Die Neuheiten.
Für CAS-Verfahren werden internationale Schiedsgerichte bestellt, die den CAS-Code anwenden. Diese Schiedsregeln für Sport wurden zuletzt am 1.1. 2012 novelliert. Die Schiedsrichter stehen auf der CAS-Liste zur Auswahl und werden in der Regel von den Parteien ernannt, in manchen Fällen vom CAS Präsidenten. Bis zur Novelle war das Vorschlagsrecht für die Schiedsrichterliste in einem bestimmten Verhältnis ua den Olympischen Komitees, der Internationalen Sportföderation und den Athletenverbänden vorbehalten. Nun ist das Vorschlagsrecht flexibler, was eine bessere Auswahl ermöglicht. Dass eine solche Not tun kann, hat in anderem Kontext – auf dem Feld – unlängst die unglückliche Auswahl der Torschiedsrichter im EM-Spiel Ukraine gegen England bewiesen (0:1), das mit dem der Ukraine fälschlicherweise vorenthaltenen Tor ganz anders hätte ausgehen können. In CAS Verfahren werden meist Sportanwälte mit Schiedserfahrung bestellt. Schiedsverfahren sind prozessual weniger förmlich und flexibler als Verfahren vor ordentlichen Gerichten. Die Qualität der Schiedsrichter ist umso mehr ausschlaggebend, da sie Verfahren so gestalten müssen, dass sie nicht aus dem Ruder laufen. Das Problem von Anwälten, die einmal als Parteienvertreter und ein andermal als Schiedsrichter agieren, wurde Anfang 2011 vom CAS entschärft. Seither dürfen Spezialisten, die auf der Schiedsrichterliste stehen, nicht als Parteienvertreter agieren.

CAS Zuständigkeit.
Diese wird von den meisten Verbänden in deren Statuten  anerkannt und durch die Mitgliedschaft beim Verband, der Teilnahme an Wettkämpfen oder durch andere Verträge  vereinbart. Der CAS entscheidet jedoch nicht über die Verletzung von Spielregeln während der Spiele. Europameisterschaften laufen rechtlich auf Basis der UEFA-Statuten 2010 und einem eigenen Reglement ab, welches auf 70-Seiten den Ablauf im Detail regelt.

Zuständigkeit der UEFA Organe.
Während die UEFA in ihren Statuten Vereinen vorschreibt, dass über nationale Streitigkeiten in letzter Instanz ein unabhängiges nationales Schiedsgericht entscheidet, gibt es für europaweite Streitigkeiten, etwa zwischen UEFA und den Verbänden oder auch während der EURO 2012, zwei Möglichkeiten: Entweder fallen sie in die Kompetenz von UEFA-Organen (Control and Disciplinary Body, Appeals Body, Disciplinary Inspector) oder sie werden direkt an den CAS verwiesen. Der Control and Disciplinary Body entscheidet zB über Proteste von Verbänden über den Ausgang von Spielen. Dagegen kann binnen 12 Stunden protestiert werden, wenn etwa Spieler ohne Berechtigung daran teilgenommen haben, der Schiedsrichter am Feld Regeln entscheidend verletzt hat oder andere Vorgänge den Spielausgang beeinflusst haben. Vor diesem Hintergrund wäre auch ein Protest gegen den Ausgang des Spiels Ukraine gegen England denkbar gewesen. Vor allem Fälle, die nicht direkt mit einem Spielverlauf zusammenhängen, werden meist an den CAS verwiesen.

Olympia.
Dafür sendet der CAS „ad hoc Divisions“, die nach den olympischen Schiedsregeln vorgehen, nach London. Deren Schiedsrichter können binnen 24 Stunden nach Klagserhalt und Beantwortung, falls notwendig nach einer kurzen Anhörung, sogleich an Ort und Stelle entscheiden.

Fazit.
Im Sport ist Schnelligkeit auch in der Streitentscheidung entscheidend, kann es doch zB um die Zulassung eines Athleten zu einem Wettbewerb am nächsten Tag gehen. In diesem Sommer ist noch mit einigen weitreichenden Entscheidungen im Sportrecht zu rechnen.

Barbara Helene Steindl
b.steindl@bkp.at

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