Kunsthandel: die Differenz macht die Steuer

Galeristen, Kunsthändlern und Auktionshäusern ist es unter gewissen Umständen erlaubt auf Lieferungen von Kunstgegenständen, Sammlungsstücken oder Antiquitäten die Differenzbesteuerung anzuwenden.

Vorteil und Prinzip der Differenzbesteuerung.
Bei der Differenzbesteuerung handelt es sich um eine Margenbesteuerung, welche Vorteile für Wiederverkäufer bringen kann. Dementsprechend wird nicht das Entgelt der Lieferung sondern nur der Unterschiedsbetrag zwischen dem Verkaufspreis und dem Einkaufspreis als Bemessungsgrundlage herangezogen. Diese Bemessungsgrundlage kann im Rahmen der Einzeldifferenzbesteuerung oder bei Gegenständen, deren Einkaufspreis EUR 220 nicht überstiegen hat, nach der Gesamtdifferenz ermittelt werden. Bei der Differenzbesteuerung kommt immer der 20%ige Umsatzsteuersatz zur Anwendung. Alle übrigen für Lieferungen und sonstige Leistungen an das Unternehmen in Rechnung gestellten Umsatzsteuern (zB Restaurierungskosten) sind als Vorsteuer abzugsfähig.

Allgemeiner Anwendungsbereich.
Voraussetzung für die Anwendung der Differenzbesteuerung ist die Lieferung von Kunstgegenständen, Sammlungsstücken oder Antiquitäten sowie Gebrauchtgegenständen durch einen Wiederverkäufer. Unter Wiederverkäufer versteht man einen Händler, der im Rahmen seiner gewerblichen Tätigkeit üblicherweise die genannten Gegenstände handelt, sie also erwirbt und anschließend wieder verkauft. Die Lieferung der Gegenstände an den Wiederverkäufer muss dabei im Gemeinschaftsgebiet ausgeführt worden sein und dem Unternehmer darf kein Vorsteuerabzug daraus zustehen. Hauptanwendungsgebiet ist folglich der Ankauf von Sammlungsstücken von Privatpersonen sowie der Ankauf von anderen Händlern, welche selbst die Differenzbesteuerung in Anspruch nehmen. Umsatzsteuerpflichtige Einfuhren aus dem Drittland unterliegen nicht automatisch der Differenzbesteuerung, eine Option zugunsten der Differenzbesteuerung kann jedoch ausgeübt werden.

Besonderer Anwendungsbereich.
Ein Wiederverkäufer kann für die Lieferung von Kunstgegenständen, Sammlungsstücken und Antiquitäten, die von ihm selbst eingeführt wurden, für vom Urheber oder dessen Rechtsnachfolger mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 10% gelieferte Kunstgegenstände oder für Kunstgegenstände, die nicht von einem Wiederverkäufer unter Anwendung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von 10% an ihn geliefert wurden, obwohl Umsatzsteuer beim Erwerb geschuldet wurde, zur Differenzbesteuerung optieren. Übt der Wiederverkäufer die Option aus, so kann er die entrichtete Einfuhrumsatzsteuer oder die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer für den Ankauf nicht als Vorsteuer abziehen. Der Unternehmer ist grundsätzlich für mindestens zwei Kalenderjahre an diese Option gebunden, kann aber im Einzelfall auf die Differenzbesteuerung verzichten.

Rechnungslegung.
In Rechnungen über Gegenstände, die unter Anwendung der Differenzbesteuerung geliefert werden, darf Umsatzsteuer nicht gesondert ausgewiesen werden. Bei Kleinbetragsrechnungen hat der Ausweis des Steuersatzes zu unterbleiben. In den Rechnungen ist auf die Anwendung der Differenzbesteuerung hinzuweisen.

Fazit.
Für Kunsthändler und Galeristen lohnt sich jedenfalls eine Überprüfung der steueroptimalen Behandlung der Lieferung von Kunstgegenständen, Sammlungsstücken oder Antiquitäten, um gerade beim Ankauf von Gegenständen von Privaten Wettbewerbsverzerrungen durch eine Doppelbelastung mit Umsatzsteuer zu vermeiden.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Petra Mayer
pmayer@deloitte.at

 

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