(Sprachlicher) Mehraufwand bei Verrechnungspreisdokumentation?

Das Masterfile-Countryfile-Konzept wird in Österreich anerkannt, häufig liegt die gesamte Verrechnungspreisdokumentation in englischer Sprache vor. Einer BMF-Auskunft folgend könnte die Finanzverwaltung in Zukunft häufiger Teile der Dokumentation auf Deutsch verlangen.

Dokumentation.
Internationalen Grundsätzen folgend besteht eine Verrechnungspreisdokumentation üblicherweise aus einem Kerndokument („ Masterfile“), welches die Beschreibung des Gesamtkonzerns zum Inhalt hat und aus mehreren länderspezifischen Dokumentationen („Countryfiles“). Dieses Masterfile-Countryfile-Konzept geht auf den EU-Verhaltenskodex zur Verrechnungspreisdokumentation verbundener Unternehmen (EU-VPD) zurück und zielt auf Standardisierung der Dokumentation ab. Hierbei wird das Masterfile zentral im Konzern aufbereitet und die jeweiligen Länderspezifika und daraus abgeleiteten Unterschiede und Konsequenzen werden in den Countryfiles dargestellt.

Sprache.
Die Wahl der Sprache für eine Verrechnungspreisdokumentation wird von verschiedenen Umständen beeinflusst wie zB von den gesetzlichen Bestimmungen, der Konzernsprache oder aber von den sprachlichen Fähigkeiten der konkreten Zielgruppe. Oftmals wird das Masterfile als Basisdokument in englischer Sprache und darauf aufbauend die lokalen Dokumentationen in der jeweiligen Landesssprache abgefasst. Das BMF hat nun im Rahmen des Express Antwort Service (EAS) informiert, dass in Österreich durchaus ein Masterfile (etwa von der ausländischen Muttergesellschaft) in englischer Sprache vorgelegt werden kann. Das österreichische Countryfile (der heimischen Tochtergesellschaft) ist hingegen bezugnehmend auf die EU-VPD in deutscher Sprache zu erstellen (EAS 3294 vom 24.8.2012).

Fazit.
Auf den ersten Blick lässt die EAS-Auskunft zusätzlichen Aufwand bzw Übersetzungskosten vermuten, da die Grundlagen für Countryfiles oftmals zentral im Konzern aufbereitet werden und häufig in englischer Sprache abgefasst sind. Wenngleich aufgrund der Bundesabgabenordnung in Österreich prinzipiell eine deutsche Übersetzung verlangt werden könnte, hat die Praxis bisher gezeigt, dass österreichische Betriebsprüfer mit österreichischer Verrechnungspreisdokumentation in englischer Sprache keine Probleme haben und deutlich mehr Wert auf den Inhalt der Dokumentation legen als auf das äußere (sprachliche) Erscheinungsbild. Im Extremfall aber könnte die Verweigerung der Vorlage des Countryfiles in deutscher Sprache zur Schätzung durch die Abgabenbehörde führen, da der Steuerpflichtige seiner Buchführungs-/Aufzeichnungspflicht nicht nachgekommen ist und somit die Bemessungsgrundlagen nicht ermittelt oder berechnet werden können. Im Zweifelsfall wird es daher ratsam sein, etwaigen sprachlichen Wünschen des Betriebsprüfers entgegenzukommen – beispielsweise durch eine Übersetzung des Countryfiles bzw wesentlicher Teile davon.

Gerald Posautz
gposautz@deloitte.at

 

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