Option zur Vorwegbesteuerung bei Pensionskassen – Antrag nicht vergessen!

Mit dem 1. Stabilitätsgesetz 2012 wurde unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit geschaffen, die Nettopension bei einem Bezug aus einer Pensionskasse zu erhöhen. Hierfür bedarf es jedoch eines Antrages des Pensionsberechtigten, welcher bis spätestens 31.10.2012 gestellt werden muss.

Grundsätzliches.
Zahlt der Arbeitgeber im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge für seine Arbeitnehmer Beiträge in eine Pensionskasse ein, so besteht zum Zeitpunkt der Einzahlung grundsätzlich noch keine Steuerpflicht. Zur Besteuerung – und zwar nach dem jeweils anwendbaren Tarif – kommt es erst zum Zeitpunkt der Auszahlung der Pension an den ehemaligen Arbeitnehmer. Nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass es in den letzten Jahren bedingt durch die negativen Entwicklungen auf den Kapitalmärkten zu teilweise massiven Pensionskürzungen gekommen ist, wurde die Möglichkeit der „Vorwegbesteuerung“ geschaffen, um so die Verluste für die einzelnen Pensionsberechtigten zumindest teilweise abzufedern (und natürlich auch um zusätzliche Einnahmen für den Staat zu generieren).

Vorwegbesteuerungsmodell.
Auf Antrag des (künftigen) Pensionisten kann unter bestimmten Voraussetzungen die bei der Pensionskasse zum Stichtag 31.12.2011 ausgewiesene, aus Arbeitgeberbeiträgen stammende Deckungsrückstellung, pauschal mit 25% Einkommensteuer besteuert werden. Der Steuersatz ermäßigt sich auf 20%, wenn die Monatsbruttopension des Leistungsberechtigten aus der Pensionskassenzusage im Kalenderjahr 2011 durchschnittlich EUR 300 (sog Kleinstpensionen) nicht überstiegen hat. Unter der Deckungsrückstellung versteht man das auf dem persönlichen Pensionskonto vorhandene Guthaben, das aus der Summe der Beiträge, abzüglich Kosten, Versicherungssteuer und Risikoprämien, und unter Berücksichtigung der Veranlagungsergebnisse und der versicherungstechnischen Ergebnisse gebildet wird. Durch die Vorwegbesteuerung wird die nach Abzug der Pauschalsteuer gewährte Rente wie eine arbeitnehmerfinanzierte Pensionskassenleistung behandelt und sind nur noch 25% dieser Leistungen zu versteuern.

Antragsberechtigte.
Die Möglichkeit der Vorwegbesteuerung gilt für jene Personen, die entweder schon eine Zusatzpension aus einer Pensionskasse beziehen oder heuer 60 Jahre alt werden und nach ihrer Pensionierung einen Anspruch auf eine Zusatzpension haben. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der von der Pensionskasse für die Berechnung der Pension verwendete Rechnungszinssatz nach dem 31.12.2001 mindestens 3,5% betragen muss.

Antrag.
Um das Vorwegbesteuerungsmodell zu nutzen, muss der Berechtigte bis spätestens 31.10.2012 einen schriftlichen Antrag auf Einhebung der pauschalen Einkommensteuer bei der Pensionskasse stellen. Die Pensionskasse muss in weiterer Folge bis 30.11.2012 (= Tag der Entstehung der Steuerschuld) die Steuer an das Finanzamt abführen. Darüber hinaus können auch „neue Hinterbliebene“ ( das sind Witwen oder Waisen, die im Jahr 2012 einen Leistungsanspruch erworben haben, weil der zum 31.12.2011 Leistungs- bzw Anwartschaftsberechtigte, der zur Vorwegbesteuerung berechtigt gewesen wäre, verstorben ist) einen Optionsantrag stellen. Sollte bereits ein Antrag eingebracht worden sein, so kann dieser im Übrigen nur bis zum 31.10.2012 widerrufen werden.

Fazit.
Nach erfolgter Antragstellung und Abzug der Pauschalsteuer wird die Zusatzpension neu berechnet. Da bei dem Vorwegbesteuerungsmodell ein – im Vergleich zu einer Besteuerung nach Tarif – attraktiverer Steuersatz von 25% zur Anwendung gelangt, kann bei einer dementsprechenden Antragsstellung in vielen Fällen die Nettopension durchaus erheblich gesteigert werden. Die Vorwegbesteuerung würde nur dann zu einem schlechteren Ergebnis führen, wenn die Einkünfte so niedrig sind, dass es zu keiner oder geringen Besteuerung kommen würde (diesfalls wäre eine Besteuerung nach Tarif nämlich „günstiger“ als die pauschale Vorwegbesteuerung in der Höhe von 20% bzw 25%).

Bernhard Geiger
bgeiger@deloitte.at

 

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