Änderungen in der Vereinsbesteuerung – Auswirkungen auf Kunst und Kultur

Das Bundesministerium für Finanzen hat vor kurzem den Wartungserlass 2012 der Vereinsrichtlinien (VereinsR) veröffentlicht. Neben Anpassungen im Zusammenhang mit aktuellen Gesetzesänderungen und der Rechtsprechung enthalten die VereinsR nunmehr auch Aussagen zu einigen bislang strittigen Themen, die auf steuerliche Fragen in Kunst und Kultur Auswirkungen haben.

Versteigerungsveranstaltungen.
Wohltätigkeitsveranstaltungen (Benefizveranstaltungen), bei denen Künstler, Sportler oder andere Personen ausschließlich unentgeltlich auftreten oder wo Kunstwerke im Rahmen eines persönlichen Auftritts durch den Künstler kostenlos zur Verfügung gestellt werden, stellen für begünstigte Vereine grundsätzlich „begünstigungsschädliche Betriebe“ dar. Für derartige Veranstaltungen kann jedoch eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden, wenn die Verfolgung gemeinnütziger Zwecke einwandfrei erkennbar und die Zuführung der erzielten Gewinne zu den begünstigten Zwecken gesichert ist. Ein unentgeltlicher Auftritt liegt auch dann noch vor, wenn dem Künstler lediglich der durch den Auftritt verursachte Aufwand ersetzt wird oder im Fall der Zurverfügungstellung eines Kunstwerkes zur nachfolgenden Versteigerung die Zahlungen an den Künstler 20 % des Versteigerungserlöses nicht übersteigen.

Fundraising-Diner.
Die VereinsR enthalten nunmehr erstmals Aussagen zur steuerlichen Behandlung von sogenannten Fundraising-Diners. Dabei werden für die Teilnahme zumeist Beiträge vereinnahmt, die erheblich über den Wert der erbrachten Leistung (zB angebotene Konsumation) hinausgehen. Die vereinnahmten Erträge müssen daher aufgeteilt werden: Der Teil des Betrages, der über den Wert der Gegenleistung hinausgeht, ist als Spende anzusehen. Der Betrag, der wertmäßig der Gegenleistung entspricht, stellt dagegen eine Einnahme des Vereins im Rahmen eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs dar und ist in der Folge ein marktüblicher Gewinnaufschlag jedenfalls als Gewinn zu erfassen, wobei dieser pauschal mit 10% des Werts der erbrachten Leistung angenommen werden kann. Beträgt die Teilnahmegebühr für ein Fundraising-Diner zB EUR 500 und können im Rahmen des Diners Leistungen (zB ein Abendessen) mit einem Marktwert von EUR 100 bezogen werden, so stellt die Differenz von EUR 400 eine steuerneutrale Spende dar. Der restliche Betrag von EUR 100 ist als Einnahme anzusetzen, wobei als Gewinn aus der Veranstaltung vereinfachend auch pauschal EUR 10 pro Teilnehmer angesetzt und versteuert werden können (grundsätzlich wären der Einnahme die angefallenen Aufwendungen gegenüberzustellen).

Grundstücksveräußerungen.
Durch die Einführung der neuen Immobilienbesteuerung erweitert sich auch die Steuerpflicht für begünstigte Vereine. Die Veräußerung von der Vermögensverwaltung zuzurechnenden Grundstücken unterliegt nunmehr bei Vereinen im Rahmen der beschränkten Körperschaftsteuerpflicht der Immobilienertragsteuer. Davon ausgenommen sind lediglich Grundstücke, die einem steuerbefreiten Betrieb (unentbehrlichen Hilfsbetrieb) zuzurechnen sind.

Vorsicht bei teilweiser Unternehmereigenschaft.
Vereine verfügen oft über einen unternehmerischen (zB unentbehrlicher Hilfsbetrieb) und einen nicht unternehmerischen Bereich. Für Zwecke der Bestimmung des Leistungsortes in der Umsatzsteuer gilt jedoch immer der gesamte Verein als Unternehmer. Bezieht daher beispielsweise ein Verein Beratungsleistungen von einem ausländischen Unternehmer, so geht die Steuerschuld nach dem Reverse-Charge-System auf den Verein über. Für Leistungen, die den nicht unternehmerischen Bereich betreffen, steht dabei kein Vorsteuerabzug zu, sodass es durch den Übergang der Steuerschuld zu einer tatsächlichen Umsatzsteuerbelastung für den Verein kommt.

Fazit.
Mit der Änderung der Vereinsrichtlinien stellt die Finanzverwaltung ihre Rechtsauffassung in den Bereichen Benefizveranstaltungen und Fundraising-Diner klar. Vorsicht ist bei Grundstücksveräußerungen und bei teilweiser Unternehmereigenschaft geboten; hier sollte jedenfalls fachlicher Rat eingeholt werden.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Christoph Hofer
chhofer@deloitte.at

 

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