Was lange währt, wird endlich gut – Absetzbarkeit für antike Musikinstrumente

Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat kürzlich entgegen der bisherigen Rechtsprechung und Verwaltungspraxis die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit einer antiken Violine unter bestimmten Voraussetzungen ausgesprochen.

Bisherige Verwaltungspraxis. Antike Musikinstrumente wurden bisher als Antiquitäten qualifiziert, mit der Folge, dass eine steuerliche Absetzung für Abnutzung nicht zuerkannt wurde. Begründet wurde diese Ansicht damit, dass weder eine wirtschaftliche noch eine technische Abnutzung vorliege.

Wirtschaftliche Abnutzung. Die wirtschaftliche Abnutzung eines Gegenstandes richtet sich insbesondere danach, ob dieser nach einer bestimmten Zeit unmodern wird oder durch bessere, neuwertigere Gegenstände zu ersetzen ist. Eine wirtschaftliche Abnutzung scheidet jedoch insbesondere bei Antiquitäten aus, da diese keinen Modetrends unterliegen und darüber hinaus erfahrungsgemäß im Wert stetig steigen.

Technische Abnutzung. Die technische Abnutzung ergibt sich aus dem Materialverschleiß. Im Fall von Antiquitäten wurde die technische Abnutzung bisher als so gering eingeschätzt, dass diese für steuerliche Zwecke zu vernachlässigen ist. Diese Ansicht wurde auch durch den VwGH in einem früheren Erkenntnis betreffend die Abnutzung einer antiken Bücherwand vertreten (VwGH 94/13/0240 vom 24. 9.1996).

Neue Rechtsprechung. Dem entgegen hat der VwGH in einem jüngsten Erkenntnis die steuerliche Absetzbarkeit einer antiken Violine bejaht, welche durch einen Berufsmusiker im laufenden Konzertbetrieb genutzt wird. Der VwGH folgt mit diesem Urteil der Rechtsprechung des deutschen Bundesfinanzhofs, welcher auf die tatsächliche Nutzung eines historischen Musikinstruments abstellt. Nach dem BFH unterliegt ein antikes Instrument, das in seiner Gebrauchsfunktion laufend genutzt wird, sehr wohl einer technischen Abnutzung (Materialverschleiß), die den Ansatz einer steuerlichen Abschreibung rechtfertigt. Der BFH betont, dass wirtschaftliche und technische Abnutzung getrennt voneinander zu beurteilen sind und eine Saldierung der technischen Abnutzung und einem etwaigen wirtschaftlichen Wertzuwachs nicht in Frage kommt. Bei einem bereits 100 Jahre alten Instrument geht der BFH von einer Restnutzungsdauer von weiteren 100 Jahren aus (VwGH 2008/13/0082 vom 31.7.2012).

Fazit. Auf Basis der neuen Rechtsprechung sollte es vertretbar sein, die Anschaffungskosten von antiken, beruflich in ihrer Gebrauchsfunktion genutzten Musikinstrumenten in allen laufenden Verfahren über die Restnutzungsdauer steuerlich abzusetzen.

Praxistipp. Mit dem Abgabenänderungsgesetz 2011 wurde erstmals die Möglichkeit einer steuerwirksamen Fehlerkorrektur für bereits verjährte Veranlagungszeiträume geschaffen.  Mittels eines gesonderten Antrags könnte daher auch eine steuerwirksame Absetzung für bereits länger zurückliegende Veranlagungsjahre erreicht werden. Des Weiteren sollte auf Grund der geänderten Judikatur auch hinsichtlich anderer in ihrer Gebrauchsfunktion verwendeter Antiquitäten geprüft werden, inwieweit eine steuerliche Absetzung zulässig ist.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Wilfried Krammer
wkrammer@deloitte.at

 

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