Abgabenfreiheit/-reduktion beim Import von Kunstgegenständen aus dem Drittland

Wichtige Fragestellungen beim Erwerb von Kunstgegenständen aus dem Drittland sind Einfuhrabgaben und Zölle sowie allfällige Befreiungen und Reduktionen hiervon.

Handgeschaffene Kunstwerke (zB Gemälde, Originalstiche, Werke der Bildhauerkunst) sowie Antiquitäten (älter als 100 Jahre) können unter bestimmten Voraussetzungen zollfrei importiert werden. Die Befreiung bzw Höhe der Einfuhrumsatzsteuer hängt davon ab, ob der Kunstgegenstand reproduzierbar ist. Daher fallen auf Gemälde 10% – sofern nicht ohnedies eine Befreiung zusteht – und auf Fotografien 20% Einfuhrumsatzsteuer an.

Allgemeine Voraussetzungen.
Voraussetzung für die Zollfreiheit ist, dass die Waren in eine Position des Kapitels 97 „Kunstgegenstände, Sammlungsstücke und Antiquitäten“ des österreichischen Gebrauchszolltarifs eingereiht werden können. Eine weitere Bedingung ist der schriftliche Nachweis bei der Einfuhr, dass es sich tatsächlich um derartige Waren handelt. Dies kann zB anhand der Vorlage eines Lexikons oder auch durch Bestätigung eines zertifizierten Kunsthändlers erfolgen. Bei der Einfuhrumsatzsteuer kann der Steuersatz je nach Tarifierung der Ware zwischen 0% (zB Goldmünzen) über 10% (zB Ölgemälde) bis 20% (zB Fotografien) des Werts der eingeführten Ware variieren.

Vorübergehende Verwendung.
Eine weitere Zollfreiheitung besteht, wenn die Kunstgegenstände im Zollverfahren der vorübergehenden Verwendung eingeführt werden. Dieses kann angewandt werden, sofern die Kunstgegenstände zB für Zwecke von Präsentationen auf Ausstellungen oder Messen eingeführt werden. Die betreffenden Kunstgegenstände müssen jedoch (abgesehen von bestimmten Ausnahmen, welche sich aus dem Verwendungszweck ergeben) grundsätzlich zur Wiederausfuhr vorgesehen sein und dürfen, ausgenommen von Instandhaltungsmaßnahmen, keine Veränderungen erfahren. Demnach sind Bearbeitungen wie zB Reparaturen, Ausbesserungen sowie Maßnahmen, welche zum Erhalt der Kunstgegenstände dienen, zulässig und erfordern keine Bewilligung für eine aktive Veredelung. Voraussetzung für die vorübergehende Verwendung ist eine Bewilligung des zuständigen Zollamtes, welche formell oder im vereinfachten Bewilligungsverfahren erfolgen kann. Der Unterschied besteht darin, dass beim vereinfachten Bewilligungsverfahren der Antrag mit der Zollanmeldung gestellt werden kann und beim formellen Antragsverfahren die Bewilligung bereits vor der Einfuhr der Kunstgegenstände vorhanden sein muss. Kunstgegenstände, die in diesem Verfahren unter vollständiger Befreiung der Zollabgaben eingeführt werden, sind auch von der Einfuhrumsatzsteuer befreit.

Carnet-ATA.
Das von der jeweils für den Versender zuständigen Handelskammer ausgestellte Carnet-ATA ist ein internationales Zolldokument, welches bei der vorübergehenden Ein-, Aus- und Durchfuhr von Waren (zB für Messen und Ausstellungen oder als Muster) als Zollpapier verwendet werden kann. Der Vorteil dieses Dokuments liegt darin, dass in allen dem Carnet-ATA-Abkommen beigetretenen Ländern dasselbe Zolldokument verwendet werden kann.

Fazit.
Durch Vorlage entsprechender Nachweise können Sammler beim Import von Kunstwerken aus dem Drittland von einer Abgabenfreiheit bzw einer Reduktion der Abgabenbelastung profitieren.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Jennifer Kocheim
jkocheim@deloitte.at

 

 

 

Barbara Krüglstein
bkrueglstein@deloitte.at

 

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