Zweifelsfragen bei der Gewinnermittlung im Kunsthandel

Wie bereits in der Art News Nr. 1/2013 ausgeführt, brachte das 1. StabG 2012 Änderungen beim Betriebsausgabenabzug von bestimmtem Umlaufvermögen bei Einnahmen-/Ausgaben-Rechnern. Demnach sind Wirtschaftsgüter, die keinem regelmäßigen Wertverzehr unterliegen, erst bei Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen abzusetzen.

Gesetzeswortlaut.
§ 4 Abs 3 EStG wurden folgende Sätze angefügt: „Bei Zugehörigkeit zum Umlaufvermögen sind die Anschaffungs- und Herstellungskosten oder der Einlagewert von Gebäuden und Wirtschaftsgütern, die keinem regelmäßigen Wertverzehr unterliegen, erst bei Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen abzusetzen. Grund und Boden ist in die Anlagekartei gemäß § 7 Abs 3 aufzunehmen.“ Der Wortlaut dieser Neuregelung ist damit sehr weit gefasst und macht ihre praktische Umsetzung schwierig.

BMF-Erlass.
Mit der erfolgten Veröffentlichung der Rechtsansicht des Finanzministeriums zur Auslegung dieser Bestimmung (BMF 20.6.2012, BMF-010203/0268-VI/6/2012) wurde zwar versucht, Unklarheiten zu beseitigen, allerdings führt nun gerade diese erlassmäßige Regelung erneut zu Abgrenzungsschwierigkeiten.

Anwendungsbereich.
Der Anwendungsbereich der Neuregelung soll laut BMF nur folgende Wirtschaftsgüter erfassen, die keinem regelmäßigen Wertverzehr unterliegen:

  • Grund und Boden
  • Grundstücksgleiche Rechte
  • Beteiligungen an Kapitalgesellschaften
  • Unverarbeitete Edelsteine und Edelmetalle (zB Gold, Silber), Gold- oder Silbermünzen
  • Kunstwerke, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewert, bezogen auf das jeweilige Wirtschaftsgut, den Betrag von EUR 5.000 übersteigen
  • Antiquitäten, deren Anschaffungskosten oder Einlagewert, bezogen auf das jeweilige Wirtschaftsgut, den Betrag von EUR 5.000 übersteigen
  • Wirtschaftsgüter mit besonderem Seltenheits- oder Sammlerwert (zB alte Musikinstrumente, Briefmarken, seltene Weine), deren Anschaffungskosten oder Einlagewert, bezogen auf das jeweilige Wirtschaftsgut, den Betrag von EUR 5.000 übersteigen

Grenzbetrag von EUR 5.000.
Das Finanzministerium betont, dass mit der Neuregelung „vor allem modellhaften Gestaltungen (gezieltes Ausnutzen des Abflussprinzips zur Darstellung von Verlusten) entgegengetreten werden soll.“ In diesen Fällen bezieht sich gemäß Erlassmeinung der Grenzbetrag von EUR 5.000 nicht auf das jeweilige Einzelwirtschaftsgut, sondern auf die Summe der Anschaffungen/Herstellungen/Einlagen gleichartiger Wirtschaftsgüter im Wirtschaftsjahr. Der Hinweis darauf, dass dies insbesondere bei Mitunternehmerschaften zu prüfen sein wird, zeigt, dass die Regelung zwar auf die Verhinderung von Verlustbeteiligungsmodellen abzielt; offen bleibt damit allerdings die Frage, wann ein solcher „Verdachtsfall“ vorliegt.

Fazit.
Die im Erlass genannte Grenze von  EUR 5.000  ist nicht aus dem Gesetz ableitbar; es bleibt daher zu hoffen, dass sich die Verwaltung im Rahmen der Vollziehung an diese Grenze hält. Weiters geht auch aus dem Erlass nicht klar hervor, wann von einem „normalen“ Kunsthandel auszugehen  ist und damit die EUR 5.000 Grenze für den einzelnen angeschafften Gegenstand zur Anwendung kommt oder wann eine „modellhafte Gestaltung“ anzunehmen ist, bei der die EUR 5.000 Grenze für sämtliche im Wirtschaftsjahr angeschafften Kunstgegenstände gilt. Es wäre daher eine Klarstellung durch das Finanzministerium dahingehend wünschenswert, welche Indizien für eine „modellhafte Gestaltung“ sprechen.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Petra Mayer
pmayer@deloitte.at

www.deloitte.at

 

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