Fremdwährungskredite unter Wasser – Was ist zu beachten?

Durch Euro-Kursverluste und Finanzkrise können viele Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Damit kommen neue Fragen auf die Gerichte zu.

Massenphänomen.

Über 200.000 österreichische Haushalte sind in Fremdwährung verschuldet, überwiegend in Schweizer Franken. Die Kredite sind meist endfällig. Während der Laufzeit muss der Kreditnehmer nur die Zinsen bezahlen. Das Darlehenskapital soll am Ende aus dem Erlös eines Veranlagungsprodukts („Tilgungsträger“) beglichen werden. Doch vielen Kreditnehmern drohen Probleme. Zum Einen hat der Kursverlust des Euro den Kredit oft in die Höhe getrieben. Zum Anderen haben viele Tilgungsträger nicht annähernd die nötige Rendite erwirtschaftet, oft noch an Kapital verloren. Am Ende droht eine Deckungslücke.

Was tun.

Man kann im bestehenden Modell bleiben und hoffen, dass sich gegen Ende der Laufzeit doch noch alles zum Guten wendet. Aus heutiger Sicht erscheint dies allerdings sehr fraglich. Man kann auch versuchen, durch aktives Gestalten, etwa durch Konvertierung des Kredits in eine andere Währung oder durch einen Wechsel des Tilgungsträgers, die Verluste wenigstens in Grenzen zu halten. Dabei sind freilich die damit verbundenen Kosten und das fortbestehende Risiko zu beachten. Die andere Möglichkeit ist ein Ausstieg. Man konvertiert den endfälligen Fremdwährungskredit in einen Euro-Abstattungskredit. Zumeist muss dazu auch der Tilgungsträger, oft mit Verlust, veräußert werden. In der einen wie anderen Variante droht dem Kreditnehmer eine Verteuerung nicht nur gegenüber dem erhofft günstigen Finanzierungsmodell. Auch gegenüber  einem ursprünglich vermeintlich teureren „klassischen“ Abstattungskredit in Inlandswährung stehen viele Kreditnehmer heute schlechter da.

Schadenersatz.

Angesichts dessen denken viele Kreditnehmer an Schadenersatz. Sie fühlen sich von Bank und/oder Kreditvermittler schlecht beraten. Der Vorwurf mag je nach Beratungsverlauf berechtigt sein oder auch nicht. Doch Klagen sind nicht ohne Risiko. Wenn der Kredit über einen Vermittler zustande kam, wenden vor allem Banken ein, dass sie gar nicht beraten hätten. Dies ist nach der Judikatur allerdings nur teilweise richtig. Unter Umständen kann der Vermittler der Bank zuzurechnen sein. Und wenn die Bank erkennt, dass der Kunde trotz externem Berater die Risken nicht verstanden hat, treffen auch sie Aufklärungspflichten. Weiters wenden Bank und Vermittler regelmäßig ein, dass der Kunde über alle Risken aufgeklärt worden sei. Hier kommt es sehr auf die individuelle Beweiswürdigung an. Wenn die schriftlichen Risikohinweise vom Berater als bloße Formalität abgetan wurden, kann die mündliche Beratung durchaus den Ausschlag geben. Zuletzt wenden Beklagte regelmäßig ein, dass der Anspruch verjährt sei. Dieses Argument ist in der Tat ernst zu nehmen. Vielfach ist nämlich schwer zu definieren, wann beim Kreditnehmer jene Kenntnis über Schaden, Schädiger und haftungsbegründendes Fehlverhalten vorhanden war, welches die dreijährige Verjährungsfrist auslöst. Nach manchen Entscheidungen genügt hierzu uU schon die Erkenntnis, dass das Finanzierungsmodell riskanter ist als dargestellt. Dazu muss noch nicht einmal ein Verlust eingetreten sein. Ob dies allerdings den Gegebenheiten eines noch laufenden Kredits entspricht, ist umstritten.  Oft haben Berater die Kunden auch beschwichtigt, sodass beim Laien lange Zeit kein Bewusstsein eines Schadens eintrat.

Rasch agieren.

Ratsam ist jedenfalls, bei Verdacht eines Beratungsfehlers rasch zu agieren. Hilfreich kann auch sein, mit den zumindest überschlägig abgeschätzten Schadenersatzforderungen gegenüber der Bank die Aufrechnung gegen die Kreditforderung zu erklären. Ob diese Aufrechnung zulässig und wirksam war, stellt sich allerdings meist erst in einem nachfolgenden Prozess heraus. Wer das riskante Modell beenden und umschulden möchte, sollte die Tilgung vorsichtshalber nur unter Vorbehalt der Rückforderung vornehmen.

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