Die GmbH ab 1.3.2014 – Der Spagat rückwärts

Nach nur acht Monaten ist die GmbH-light des GesRÄG 2013 ein Fall für die Geschichtsbücher, was bleibt sind befristete Erleichterungen für Neugründer. Das Mindeststammkapital beträgt nun wieder EUR 35.000, in der auf maximal auf zehn Jahre befristeten Anfangsphase ist es aber weiterhin möglich mit einer gründungsprivilegierten Stammeinlage von EUR 10.000 und einer Mindestbareinlage von EUR 5.000 zu gründen. Die Idee eines Zusatzes „gründungsprivilegiert“, sei es nun im Firmenwortlaut oder auf den Geschäftspapieren, ist vom Tisch.

Was wird aus den bestehenden GmbH-lights?

Gründer einer GmbH im Zeitraum von 1.7.2013 bis  28.2.2014 müssen grundsätzlich eine Kapitalerhöhung durchführen, haben dafür allerdings Zeit bis zum 1.3.2024. Als kleinen Anreiz für die Erhöhung des Stammkapitals hat der Gesetzgeber nun eine Befreiung von den Firmenbuchgebühren für Erhöhungen auf EUR 35.000 oder darüber erlassen; immerhin eine Ersparnis von derzeit EUR 152. Ob diese über die Turbulenzen der kurz aufeinander folgenden Reformen und die damit einhergehende Verunsicherung hinwegtrösten kann, wird abzuwarten sein.

Was wird aus den Altgesellschaften mit herabgesetztem Kapital?

Der gängigen Praxis, bei Gesellschaften die vor dem 1.7.2013 gegründet wurden, eine Kapitalherabsetzung auf EUR 10.000 durchzuführen, um die Mindest-KöSt zu reduzieren, wurde nun mit dem Abgabenänderungsgesetz 2014 ein Riegel vorgeschoben. Altgesellschaften, die auf Basis des GesRÄG 2013 ihr Kapital herabgesetzt hatten, müssen nun innerhalb von zehn Jahren ihr Kapital wieder auf die ursprüngliche Höhe von EUR 35.000 anheben. Darüber hinaus erhöht sich die Mindest-KöSt für Altgesellschaften wieder auf die vor der Reform geltenden EUR 1.750 pro Jahr. Als stiller Trost bleibt lediglich der Umstand, dass die Eintragungen von Kapitalerhöhungen in diesem Fall kostenlos erfolgen können.

Mindest-KöSt.

Hier soll ein Anreiz geschaffen werden, um Neugründungen zu forcieren. Unabhängig von der Höhe des Stammkapitals beläuft sich nun die Mindest-KöSt in den ersten fünf Jahren auf EUR 500 pro Jahr (bis zu einem Jahresgewinn von nicht mehr als EUR 2.000). In den folgenden fünf Jahren beläuft sich die Mindest-KöSt dann auf EUR 1.000 pro Kalenderjahr (bis zu einem Jahresgewinn von EUR 4.000). Diese Regelung gilt ebenfalls für GmbH-lights, also jene Gesellschaften, die zwischen dem 1.7.2013 und dem 28.2.2014 gegründet wurden.

Haftungsdurchgriff.

Zu beachten ist noch der Fall einer möglichen Unterkapitalisierung durch die Gründung mit einem zu geringen Stammkapital, denn hier sieht der Gesetzgeber einen Haftungsdurchgriff auf die Gesellschafter vor. Bei der Frage nach der angemessenen Stammkapitalhöhe ist unter anderem auf die Branche, die notwendigen Investitionen, das Unternehmerrisiko und die Höhe der möglichen Anlaufverluste abzustellen.

Hintergrund.

Die neuerliche Reform hat zwei Ursachen, in erster Linie wollte man den Kapitalherabsetzungen einen Riegel vorschieben, um Ausfällen im Steueraufkommen durch die Mindest-KöSt, die bekanntlich am gesetzlichen Stammkapital bemessen wird, gegenzusteuern. Neben dieser vordergründigen Ursache stehen einander bei der Frage nach der Höhe des Stammkapitals zwei Meinungen gegenüber. Die kontinentaleuropäische Sicht der Dinge fordert ein hohes Stammkapital bei moderateren Bilanzierungspflichten, die anglo-amerikanische Sicht der Dinge fordert hingegen nur ein geringes Stammkapital, hat dafür aber umso rigorosere Buchführungs- und Bilanzierungspflichten. Insofern geht der Hinweis auf ein durchschnittliches Stammkapital in Europa von EUR 8.000 am Kern der Problematik vorbei.

Kurz.

Seit 1.3.2014 beträgt das Mindeststammkapital wieder EUR 35.000, eine Gründung mit EUR 10.000 Stammeinlage ist weiterhin möglich und nennt sich hinkünftig „gründungsprivilegiert“. Für sämtliche Neugründungen gilt die reduzierte Mindest-KöSt, sofern die Jahresgewinngrenzen unterschritten bleiben. Altgesellschaften mit zwischenzeitlich herabgesetztem Stammkapital kommen zum Handkuss.

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