Änderungen bei der Abzinsung langfristiger Rückstellungen

Die Bestimmung des § 9 Abs 5 EStG zum steuerlichen Ansatz von langfristigen Rückstellungen hat sich im Rahmen des Abgabenänderungsgesetz (AbgÄG) 2014 geändert. Nach der bisherigen Rechtslage wurden seit der Veranlagung 2001 langfristige Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als 12 Monaten unter Berücksichtigung eines pauschalen Abschlags mit 80 Prozent des Teilwerts angesetzt. Die neue Regelung berücksichtigt nun die voraussichtliche Restlaufzeit der Rückstellung und sieht eine Abzinsung nach dem Barwertmodell mit einem einheitlichen Fixzinssatz von 3,5% pro Jahr vor.

Durch diese Gesetzesänderung werden in Zukunft langfristige Rückstellungen mit einer kurzen Restlaufzeit (zB zwei Jahre) und einer längeren Restlaufzeit (zB 30 Jahre) unterschiedlich behandelt. Aus der Maßnahme erhofft sich die Bundesregierung jährliche Steuermehreinnahmen iHv EUR 90 Millionen.

Sachlicher Anwendungsbereich.

Die Gesetzesänderung bezieht sich lediglich auf den steuerbilanziellen Ansatz von langfristigen Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten und drohende Verluste. Rückstellungen für Anwartschaften auf Abfertigungen, Jubiläumsgelder und Pensionsrückstellungen sind im EStG gesondert geregelt und daher von der neuen Regelung nicht betroffen. Verpflichtungen, deren wirtschaftliche Verursachung über mehrere Perioden verteilt ist, sind ebenfalls nicht umfasst.

Zeitlicher Anwendungsbereich.

Für sämtliche Rückstellungen, welche erstmalig in einem Wirtschaftsjahr angesetzt werden, das nach dem 30.6.2014 endet, ist jedenfalls die neue Regelung anzuwenden. Der pauschale Ansatz mit 80 Prozent des Teilwertes ist letztmals für Rückstellungen anzuwenden, deren Anlass in einem Wirtschaftsjahr liegt, das vor dem 1.7.2014 endet. Langfristige Rückstellungen, welche in Vorjahren bereits gebildet wurden und der alten Rechtslage nach „pauschal abgezinst“ wurden, sind ab 1.7.2014 teilweise zu adaptieren. Für bereits gebildete Rückstellungen ist in Zukunft an jedem Bilanzstichtag eine Berechnung nach der neuen Rechtslage durchzuführen.

Anpassungsbedarf?

Eine bereits gebildete langfristige Rückstellung muss dann angepasst werden, wenn der berechnete Betrag nach der neuen Rechtslage niedriger ist, als der bereits angesetzte pauschal abgezinste Betrag (80%). In diesen Fällen kommt es zu einer steuerlich ertragswirksamen Auflösung der Rückstellung, welche auf das laufende und die beiden nachfolgenden Wirtschaftsjahre zu je einem Drittel zu verteilen ist. Der steuerbilanzielle Wert der Rückstellung ist allerdings umgehend um den gesamten Differenzbetrag zu korrigieren. Im Fall einer Betriebsveräußerung oder -aufgabe muss der Betrag aus der Auflösung der Rückstellung  nicht verteilt werden. Zu keiner Anpassung der bereits verbuchten Rückstellung kommt es, wenn der neu berechnete Rückstellungsbetrag höher als der pauschal abgezinste Rückstellungsbetrag ist.

Abzinsung nach dem Barwertmodell.

Bei der Berechnung des abgezinsten Rückstellungsbetrages ist das Barwertmodell anzuwenden. Bei der Folgebewertung wird die Rückstellung, sofern sich die voraussichtliche Fälligkeit und die Höhe der Verpflichtung nicht ändern, um jährlich 3,5% aufgezinst. Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von weniger als 12 Monaten werden ungekürzt bilanziert, daher kommt es im letzten Jahr vor Fälligkeit der Verbindlichkeit zu einer Erhöhung des um bis zu zwei Jahre abgezinsten Rückstellungsbetrages auf den vollen Teilwert. Die folgende Tabelle zeigt die steuerliche Entwicklung einer langfristigen Rückstellung sowie den jährlich daraus resultierenden Aufwand (Verbindlichkeit EUR 100.000; Restlaufzeit 10 Jahre).

Restlaufzeit

Ausblick.

In der Praxis müssen sich die Steuerpflichtigen künftig zu jedem Bilanzstichtag noch intensiver als bisher mit langfristigen Rückstellungen, deren jeweiliger Restlaufzeit sowie den daraus resultierenden steuerlichen Rückstellungsbeträgen auseinandersetzen. Bei unsicheren voraussichtlichen Restlaufzeiten kann die neue Regelung in einigen Fällen durchaus zu Diskussionen führen.

 

Print Friendly, PDF & Email
Patrick Decke

Patrick Decke

Senior Assistant| Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 5504
Mail: pdecke@deloitte.at

Liked this post? Follow this blog to get more.