VwGH zum gemischt genutzten Arbeitszimmer

Der VwGH hat kürzlich zur steuerlichen Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für ein gemischt genutztes Arbeitszimmer Stellung genommen. Wird das Arbeitszimmer für eine betriebliche bzw. berufliche Tätigkeit steuerlich anerkannt, so schadet die Mitbenutzung des Zimmers für andere berufliche bzw. betriebliche Tätigkeiten nicht.

Sachverhalt.

Ein Universitätsprofessor im Bereich der Musik bezog Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit aus einem Dienstverhältnis mit einer Universität und war zusätzlich als freischaffender Komponist tätig. Für seine selbständige Tätigkeit als Komponist nutzte er in seinem Haus mehrere Räumlichkeiten und machte die dafür angefallenen Kosten steuerlich geltend. Das Finanzamt ging davon aus, dass das Arbeitszimmer auch für die unselbständige Tätigkeit als Universitätsprofessor genutzt wird (insbesondere zur Vorbereitung von Lehrveranstaltungen und Prüfungen und zum Literaturstudium). Die Aufwendungen für das Arbeitszimmer wurden vom Finanzamt daher nur anteilig im Verhältnis der Einnahmen aus selbständiger Arbeit zu den Einnahmen aus nicht selbständiger Arbeit anerkannt.

Entscheidung des VwGH.

Der VwGH führt in seinem Erkenntnis 2010/15/0124 aus, dass gem § 20 Abs 1 Z 2 lit d EStG Aufwendungen für ein im Wohnungsverband gelegenes Arbeitszimmer nur dann steuerlich abzugsfähig sind, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen bzw. beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen darstellt. Nach der ständigen Rechtsprechung des VwGH muss das Arbeitszimmer auch nach der Art der Tätigkeit des Steuerpflichtigen notwendig sein und tatsächlich ausschließlich oder nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden. Bei der Prüfung des Mittelpunktes der gesamten betrieblichen bzw. beruflichen Tätigkeit ist aber nur auf die konkrete Betätigung abzustellen, für die das Arbeitszimmer geltend gemacht wird, nicht aber auf die gesamten steuerpflichtigen Einkünfte. Die Frage nach der Aufteilung der betrieblich veranlassten Aufwendungen auf mehrere Einkunftsquellen stellt sich in einem solchen Fall demnach nicht.

Der VwGH begründet sein Erkenntnis mit der Entscheidung des Gesetzgebers, in einer Art typisierenden Betrachtungsweise das Arbeitszimmer nur dann anzuerkennen, wenn es den Mittelpunkt einer betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellt und für diese Tätigkeit notwendig ist. Ist für eine betriebliche oder berufliche Betätigung die Hürde des Mittelpunkts genommen, gilt das Arbeitszimmer aus steuerlicher Sicht als Arbeitsraum. Die zusätzliche Benutzung des Arbeitszimmers für andere Tätigkeiten kann daran nichts mehr ändern.

Auswirkungen.

Wird ein Arbeitszimmer für eine Einkunftsquelle steuerlich anerkannt, weil es den Mittelpunkt der entsprechenden Tätigkeit darstellt, schadet es nicht, wenn das Arbeitszimmer noch für eine zusätzliche berufliche Tätigkeit verwendet wird. Dies ist selbst dann der Fall, wenn das Arbeitszimmer für die zusätzlichen betrieblichen Tätigkeiten steuerlich nicht anerkannt wäre. Eine Aufteilung der Aufwendungen ist nicht vorzunehmen.

Fazit.

Das Erkenntnis des VwGH kommt all jenen Personen entgegen, die aus mehreren beruflichen bzw. betrieblichen Tätigkeiten Einkünfte beziehen und für zumindest eine Tätigkeit ein Arbeitszimmer steuerlich geltend machen. An der grundsätzlich hohen Hürde des Nachweises des Mittelpunktes der beruflichen Tätigkeit ändert dieses Erkenntnis jedoch leider nichts.

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Christoph Hofer

Christoph Hofer

Senior Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 6913
Mail: chhofer@deloitte.at

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