Von Affen und Selfies – ein urheberrechtlicher Abriss

Tante Jolesch meinte einst: „Was ein Mann schöner is wie ein Aff, is ein Luxus“. Im Anlassfall meinte allerdings der Affe er sei schöner als der Mann, entwendete diesem daraufhin seine Kamera und unterstrich seinen Standpunkt, indem er ein Selfie machte. Der Kamerabesitzer, hauptberuflich Fotograf, veröffentlichte die Fotos. Wikimedia, wie der Name vermuten lässt, zu Wikipedia gehörend, nutzte dieses Foto für einen Eintrag über Schopfaffen. Ungefragt. Der Fotograf sah dadurch sein Urheberrecht verletzt. Es folgte eine langandauernde Diskussion über die Rechte an dem Foto.

Die Entscheidung.

Die Amerikanische Copyright Behörde beendete diesen Diskurs vorläufig mit einem 1.700 Seiten Bericht. In diesem sprach sie (nebenbei) aus, dass urheberrechtliche Ansprüche über Werke, die nicht von einem Menschen geschaffen wurden abzuweisen sein. Als Beispiel für so ein Werk, nannte die Behörde ein Foto, das ein Affe aufgenommen hat.

In Amerika kann das Foto nun frei verwendet werden, in England könnte es ein bisschen anders aussehen, da gemäß dem englischen Urheberrechtsgesetz das Urheberrecht (auch) dem zustehen kann, der die Vorkehrungen zur Schaffung eines Werkes getroffen hat. Aber wie gestaltet sich die Lage in Österreich? Und wer hat Rechte an einem Selfie wenn man kein Affe ist, sondern ein Mensch?

Das Urheberrecht hier.

Grob gesagt ist in Österreich ein Werk dann geschützt, wenn ein kreativer Vorgang involviert war. Rechte an einem Werk hat dann jener, der diesen Geistesblitz gehabt und umgesetzt hat – der sogenannte Urheber. Allerdings scheiden sich bereits bei diesen beiden Begriffen „Werk“ und „Urheber“ oftmals die (rechtlichen) Geister. Zum „Werk“-Begriff kann man aber generell (und auf den gegenständlichen Fall bezogen) festhalten, dass sogenannte „Zufallswerke“ keine  schützbaren Werke sind. Zu diesen gehören unter anderem von Tieren erstellte Bilder, sodass der Affe mit seinem Selfie wohl bereits hieran scheitern würde. „Urheber“ auf der anderen Seite ist jene Person, die das Werk physisch (er)schafft. Das ist IMMER eine physische Person, also zB kein Unternehmen. Auch wenn dieser kreative Schaffensfluss in Trance oder durch jenseitige Wesen beeinflusst oder maßgeblich bestimmt wird, ist die Person, die das Wort zu Papier, den Pinsel auf die Leinwand, den Schauspieler vor die Kamera bringt, der Urheber. So entschied auch dieses Jahr das OLG Frankfurt, indem es aussprach, dass nicht Jesus der vermeintlich einer Frau beim Verfassen ihrer Texte half das Urheberrecht innehatte, sondern die Verfasserin selbst, denn „jenseitige Inspirationen sind nach allgemein vertretener Auffassung rechtlich uneingeschränkt ihrem menschlichen Empfänger zuzurechnen.”

Die Rechte am Foto.

Bei Fotos (im Urheberrecht auch: Lichtbild) muss man zusätzlich differenzieren zwischen der Person vor und der hinter der Kamera. Die Person, die das Foto macht ist der Urheber des Fotos. Sollte allerdings eine Person abgelichtet werden, muss man Vorsicht walten lassen, da auch die abgelichtete Person Rechte hat. Das sind die sogenannten „Rechte am eigenen Bild“. Bevor der Urheber, nach Abklärung, dass er kein Affe oder spirituelles Wesen ist und somit tatsächlich Urheberrechte innehaben kann, nun sein Foto nach Belieben verwendet, gilt es folgendes zu beachten: Wenn der Veröffentlichung dieses Bildes berechtigte Interessen des Abgebildeten entgegenstehen, so kann sich der Abgebildete dagegen wehren. Solche berechtigten Interessen sind zB dann verletzt, wenn der Abgebildete durch die Veröffentlichung seines Abbildes bloßgestellt, entwürdigt oder herabgesetzt wird oder wenn dadurch sein Privatleben bzw seine Intimsphäre der Öffentlichkeit preisgegeben werden. Es ist daher ratsam Fotos nur mit Zustimmung des Abgebildeten zu veröffentlichen.

Fazit.

Da bei einem Selfie der Fotograf und der Fotografierte ein und dieselbe Person sind, stellt sich die oben beschriebene Problematik nicht. Rein urheberrechtlich gesprochen: Machen Sie mehr Selfies.

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