Wenn der Künstler zum Entertainer wird

Jüngst wurden die konsolidierten Fassungen des überarbeiteten OECD-Musterabkommens (OECD-MA) sowie des OECD-Musterkommentars (OECD-MK) veröffentlicht, welche Änderungen der bisherigen „Künstlerklausel“ beinhalten. Die meisten von Österreich geschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen sehen eine dem OECD-MA nachgebildete Künstlerklausel vor, weshalb die Neuerungen für die künftige Abkommenspraxis und Auslegung von Relevanz sind.

Hintergrund.

Zur Sicherung des nationalen Steueranspruchs wird in fast allen Staaten nach dem jeweiligen nationalem Recht eine Abzugsteuer auf Vergütungen an ausländische, international auftretende, Künstler eingehoben. Auf Grund dieser Künstlerklausel in Art 17 OECD-MA, welche dem Tätigkeitsstaat das Besteuerungsrecht zuweist, kann dieser nationale Besteuerungsanspruch in der Regel auch zwischenstaatlich durchgesetzt werden.

Der im bisherigen OECD-MA verwendete Begriff „Künstler“ war nicht definiert, allerdings bestand eine beispielhafte Aufzählung (Bühnen-, Film-, Rundfunk-, und Fernsehkünstler sowie Musiker) aus der abgeleitet wurde, dass nur vortragende Künstler, die unmittelbare oder mittelbare Darbietungen mit künstlerischem oder unterhaltendem Charakter in der Öffentlichkeit erbringen, erfasst sind.

Künstlerbegriff wird durch „Entertainer“ ersetzt.

Im jüngst veröffentlichten OECD-MA wird der Begriff des Künstlers durch jenen des Entertainers ersetzt, wodurch eine bessere Abgrenzung zu anderen Verteilungsnormen erreicht werden soll. Mit der Änderung des Wortlauts wird klargestellt, dass der Anwendungsbereich des Art 17 OECD-MA sämtliche Tätigkeiten erfasst, die einen gewissen „Unterhaltungswert“ aufweisen. Nach dem neuen OECD-MK ist Art 17 OECD-MA auch auf Einkünfte aus politischen, religiösen, sozialen und gemeinnützigen Tätigkeiten anwendbar, sofern ein gewisser „Unterhaltungscharakter“ gegeben ist.

Personen mit verwaltungsmäßiger oder unterstützender Funktion (zB Kameraleute, Produzenten, Regisseure, Choreographen, technisches Personal und Begleittross) werden, wie bisher, nicht in den Anwendungsbereich des Art 17 OECD-MA einbezogen.

Fazit.

Der neue Begriff des Entertainers stellt klar, dass sämtliche unterhaltenden Tätigkeiten in den Anwendungsbereich des Art 17 OECD-MA fallen und daher im Tätigkeitsstaat besteuert werden können. Wann eine Tätigkeit als unterhaltend einzustufen ist, bleibt jedoch offen, weshalb in der Praxis weiterhin mit Abgrenzungsproblemen zu rechnen ist.

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Wilfried Krammer

Wilfried Krammer

Manager| Deloitte Tax
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