Gewinnermittlung im Kunsthandel – Rückkehr zum Abflussprinzip

Das 1. StabG 2012 brachte eine Durchbrechung vom Grundsatz des Abzugs der Anschaffungskosten im Jahr der Verausgabung von bestimmten Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens bei Einnahmen-/Ausgaben-Rechnern. Demnach waren ab 1.4.2012 Wirtschaftsgüter, die keinem regelmäßigen Wertverzehr unterliegen, erst bei Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen abzusetzen. Das 2. Abgabenänderungsgesetz 2014 brachte nunmehr eine weitgehende Rückkehr zum Abflussprinzip ab der Veranlagung 2014.

Rechtslage seit 1.4.2012.

Bei Zugehörigkeit zum Umlaufvermögen sind die Anschaffungs- und Herstellungskosten oder der Einlagewert von Gebäuden und Wirtschaftsgütern, die keinem regelmäßigen Wertverzehr unterliegen, erst bei Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen abzusetzen. Der Wortlaut dieser  Neuregelung war damit sehr weit gefasst und schloss nach Auffassung des Finanzministeriums auch Kunstwerke und Antiquitäten mit ein.

Neue Rechtslage rückwirkend ab 1.1.2014.

Durch das 2. AbgÄG 2014, welches am 29.12.2014 kundgemacht wurde, wird der Anwendungsbereich für die Durchbrechung des Zufluss-/Abflussprinzips präzisiert. Demnach besteht bei Zugehörigkeit zum Umlaufvermögen nur mehr bei Grundstücken nach § 30 EStG und bei Gold, Silber, Platin und Palladium, sofern diese nicht der unmittelbaren Weiterverarbeitung dienen, eine Ausnahme vom Abflussprinzip. Nur in diesen Fällen sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder der Einlagewert erst bei Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen abzusetzen.

Kunstwerke und Antiquitäten.

Andere Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens, wie Kunstwerke und Antiquitäten, sind von der Ausnahme vom Abflussprinzip ab der Veranlagung 2014 nicht mehr erfasst. Deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind folglich wieder im Zeitpunkt der Verausgabung steuerlich verwertbar.

Übergangsregelung.

Für jene anderen Wirtschaftsgüter, die nach der mit dem 1. StabG 2012 geschaffenen Rechtslage aber nicht nach der Neuregelung von der Durchbrechung des Abflussprinzips betroffen sind, ist eine Nachholung der Absetzung der Anschaffungskosten im Rahmen der Veranlagung 2014 vorgesehen.

Fazit.

Kunsthändler und Galeristen haben ihre Ausgaben für Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens, die nach dem 31.3.2012 und vor dem 1.1.2014 angeschafft wurden, entgegen der bisherigen Rechtslage nicht erst beim Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen, sondern bereits bei der Veranlagung für 2014 zu berücksichtigen. Durch den steuerlichen Nachholeffekt für nach dem 31.3.2012 angeschaffte und noch nicht als Ausgaben abgesetzte Wirtschaftsgüter werden sich daher im Rahmen der Veranlagung 2014 niedrigere zu versteuernde Gewinne ergeben.

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Petra Mayer

Petra Mayer

Senior Manager | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 5910 | E-Mail senden

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