RÄG 2014 – Neue Größenklassen und Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften

In den letzten Ausgaben haben wir bereits einen ersten Überblick über die wesentlichen Änderungen im Zuge der Bilanzrechtsreform durch das Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014 gegeben. In den folgenden Ausgaben werden nunmehr die einzelnen Teilbereiche genauer analysiert und vorgestellt. Der erste Teil beschäftigt sich mit den neuen Größenklassen, bei denen neben Änderungen bei der Ermittlung auch die neue Klasse der Kleinstkapitalgesellschaften eingeführt wurde.

Größenklassen.

Die Schwellenwerte zur Bestimmung der Größenklassen werden (geringfügig) erhöht und sind für die kleine Kapitalgesellschaft nunmehr EUR 5 Mio Bilanzsumme bzw EUR 10 Mio Umsatzerlöse. Die Zahl der im Jahresdurchschnitt beschäftigten Arbeitnehmer darf unverändert 50 nicht übersteigen. Für die Abgrenzung der mittelgroßen zur großen Kapitalgesellschaft gelten nunmehr EUR 20 Mio Bilanzsumme bzw EUR 40 Mio Umsatzerlöse als Merkmale. Auch hier bleibt die Zahl für die Arbeitnehmer mit 250 unverändert. Nicht anwendbar sind die Schwellenwerte für Unternehmen von öffentlichem Interesse (im Wesentlichen börsennotierte Gesellschaften, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen); diese gelten stets als große Kapitalgesellschaften.

Umsatzerlöse.

In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass die Begriffsdefinition der Umsatzerlöse erstmals kodifiziert und erweitert wird. Umsatzerlöse umfassen künftig auch die für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit untypischen Verkäufe von Produkten (Nebenerlöse) sowie die Erbringung sonstiger Dienstleistungen.

Mutterunternehmen.

Aktiengesellschaften, die „Mutterunternehmen“ sind, haben die Schwellenwerte auf konsolidierter oder aggregierter Basis zu berechnen. Dies bedeutet, dass für die Einordnung in die Größenklassen auch die Werte der Tochtergesellschaft(en) zu berücksichtigen sind. Als „Mutternunternehmen“ gelten Unternehmen, die ein oder mehrere Tochterunternehmen beherrschen. Durch diese Bestimmung soll verhindert werden, dass Holdinggesellschaften (zumindest in der Rechtsform einer AG) mit sehr hoher Bilanzsumme, aber nur geringen Umsatzerlösen oder Mitarbeiterzahlen die Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften in Anspruch nehmen können – insbesondere in Hinblick auf den Umfang der Angaben im offenzulegenden Anhang.

Kleinstkapitalgesellschaften.

Neben den drei bisherigen Größenklassen wurde auch eine neue Kategorie der Kleinstkapitalgesellschaften (Micros) eingeführt. Voraussetzung hierfür ist, dass mindestens zwei der drei nachfolgenden Merkmale nicht überschritten werden: Bilanzsumme EUR 350.000, Umsatzerlöse EUR 700.000 bzw 10 Mitarbeiter. Jedenfalls ausgenommen von der Einordnung als Kleinstunternehmen sind Investmentunternehmen (das sind Unternehmen, deren einziger Zweck in der Anlage ihrer Mittel in Finanzinstrumenten oder Immobilien besteht) sowie Beteiligungsgesellschaften (dh Unternehmen, deren einziger Zweck in dem Erwerb, der Verwaltung und Verwertung von Beteiligungen besteht, ohne in die Verwaltung dieser Unternehmen einzugreifen; sog reine Holdinggesellschaften oder Vermögensholdings).

Kleinstkapitalgesellschaften sind insbesondere von der Pflicht zur Aufstellung eines Anhangs befreit. Lediglich die Angabe der Haftungsverhältnisse sowie der Beträge der den Mitgliedern des Vorstands (der Geschäftsführung) und des Aufsichtsrats gewährten Vorschüsse und Kredite ist unter der Bilanz vorgesehen. Darüber hinaus werden die Zwangsstrafen bei Verletzung der Offenlegungspflicht auf die Hälfte reduziert.

Um- und Neugründungen.

Die Rechtsfolgen der Größenmerkmale treten grundsätzlich ab dem folgenden Geschäftsjahr ein, wenn diese Merkmale an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen über- bzw unterschritten werden. Bei Umgründungen (Verschmelzung, Umwandlung, Einbringung, etc) sowie bei Neugründungen treten die Rechtsfolgen hingegen schon am ersten Abschlussstichtag nach der Um-/Neugründung ein. Bei Spaltungen kann dies beispielsweise zu einem sofortigen Entfall der Abschlussprüfungspflicht für die nunmehr kleine Gesellschaft führen. Bei Aufgabe eines Betriebes oder Teilbetriebes, wenn die Größenmerkmale um mindestens die Hälfte unterschritten werden, treten die Rechtsfolgen ebenso bereits unmittelbar am nächsten Abschlussstichtag ein.

Fazit und Ausblick.

Die Änderungen im Bereich der Größenklassen bringen insbesondere für Kleinstkapitalgesellschaften mit dem Entfall des Anhangs wesentliche Erleichterungen. Auch für kleine Kapitalgesellschaften wurden im Übrigen die Anhangsangaben weiter gekürzt. Hierzu werden wir in einem der folgenden Beiträge noch näher informieren. Der nächste Beitrag wird sich jedoch zunächst den neuen Ansatz- und Bewertungsgrundsätzen auf der Aktivseite widmen.

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Stephan Karigl

Stephan Karigl

Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 6850
Mail: skarigl@deloitte.at

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