Kettenarbeitsverträge mit Profifußballern nunmehr auch in Österreich unzulässig?

Ein deutscher Fußballprofi schloss mit einem deutschen Fußball-Bundesligisten einen befristeten Arbeitsvertrag über drei Jahre ab. Nach Ablauf dieser drei Jahre wurde der Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert. Danach wurde der Vertrag nicht mehr verlängert. Der Fußballprofi klagte vor dem Arbeitsgericht Mainz auf Unzulässigkeit der Befristung und Vorliegen eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses. Der Fußball-Bundesligist wehrte sich: Eine Aneinanderreihung von befristeten Arbeitsverträgen sei im Profisport üblich und zulässig. Ferner hätte der Bundesligist mit einem bereits über dreißigjährigen Profifußballer (wie es der Kläger war) keinesfalls einen unbefristeten Arbeitsvertrag abgeschlossen.

Rechtslage in Deutschland.

Laut Deutschem Arbeitsrecht ist die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrags ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig. Innerhalb dieses Zeitraums kann das Arbeitsverhältnis bis zu drei Mal verlängert werden, danach nur, wenn ein sachlicher Grund für eine mehrmalige kalendermäßige Befristung vorliegt.

Entscheidung des Arbeitsgerichts.

Das Arbeitsgericht urteilte, dass eine befristete Anstellung von Fußballprofis ohne Sachgrund über die Dauer von 2 Jahren hinaus unrechtmäßig sei. In einer ersten Erklärung (das Urteil selbst wurde bislang noch nicht veröffentlicht) erklärte das Arbeitsgericht nämlich, dass die Eigenart der Arbeitsleistung als Profifußballspieler als solche eine Befristung des Arbeitsvertrages nicht rechtfertige. Auch das höhere Alter des klagenden Profifußballers und die damit verbundene ungewisse Leistungsfähigkeit seien dabei kein Sachgrund. Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zwischen dem Profi und dem Klub liege vor.

Rechtlage in Österreich.

In Österreich sind sogenannte Kettenarbeitsverträge (= Aneinanderreihung von befristeten Dienstverhältnissen beim selben Dienstgeber) dann unwirksam, wenn nicht besondere wirtschaftliche (betriebliche) oder soziale Gründe den Abschluss im Einzelfall rechtfertigen. Die Frage der sachlichen Rechtfertigung ist dabei bereits bei einer einmaligen Verlängerung zu prüfen. Liegen diese Voraussetzungen für die Aneinanderreihung von befristeten Dienstverhältnissen nicht vor, dann ist ein Arbeitsvertrag auf unbestimmte Zeit geschlossen (Folgen: Arbeitsvertrag endet durch Kündigung unter Einhaltung der jeweiligen Kündigungsfrist, jedoch nicht mehr automatisch durch Zeitablauf; Anfechtung der Kündigung wegen Sozialwidrigkeit und/oder wegen Vorliegen eines verpönten Motivs grundsätzlich möglich).

Beurteilung nach österreichischem Recht.

Würde man demzufolge den deutschen Sachverhalt österreichischem Recht unterstellen, läge – die Frage der sachlichen Rechtfertigung ausgeklammert –aufgrund der zweimaligen Aneinanderreihung von befristeten Dienstverträgen auch nach österreichischem Recht ein unzulässiger Kettendienstvertrag vor. Damit wäre ein unbefristetes Dienstverhältnis mit den aufgezählten Folgen begründet. Allerdings sprach der OGH diesbezüglich bereits zu 9 ObA 330/98i aus, dass durch die bei Profifußballern vorherrschende Branchenüblichkeit eine ausreichende sachliche Rechtfertigung zur Aneinanderreihung von befristeten Dienstverhältnissen beim selben Dienstgeber gegeben ist. Sowohl Sportler als auch Vereine seien nämlich laut OGH daran interessiert, sich den Anforderungen des Wettbewerbs möglichst flexibel anpassen zu können. In diesem Zusammenhang ist ferner zu erwähnen, dass auch laut Kollektivvertrag für Fußballspieler/innen der österreichischen Fußballbundesliga die mehrfache Aneinanderreihung von zeitlich befristeten Dienstverträgen (= Kettendienstverträgen) zulässig ist.

Zusammenfassung.

Das Urteil des Arbeitsgerichts Mainz wird demzufolge an der rechtlichen Beurteilung der hierzulande zulässigen Kettendienstverträge von österreichischen Profifußballern nichts ändern. Im Hinblick auf die Rechtslage in Deutschland bleiben jedoch die schriftliche Urteilsausfertigung sowie eine allfällige Berufungsentscheidung mit Spannung abzuwarten.

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