VwGH verneint Liebhaberei bei einem „großen“ Reitstall

Reitställe stellen Wirtschaftsgüter dar, die vielfach der Sport- und Freizeitausübung dienen. Laut VwGH wird beim Betrieb eines Reitstalls mit fünf bis zwölf eigenen Pferden regelmäßig keine Liebhabereivermutung vorliegen, sondern eine Betätigung mit Einkünftevermutung.

Sachverhalt.

Die beschwerdeführende Kommanditgesellschaft mit einer ausgebildeten Pferdewirtin als Komplementärin und ihrem Vater als Kommanditisten hat als Unternehmensgegenstand die Ausbildung von Pferden, das Training von Pferden, die Erteilung von Reitunterricht, den Handel mit Produkten, die dem vorgenannten Zweck dienen, sowie die Teilnahme an reitsportlichen Veranstaltungen. Die Komplementärin versorgte bis zu zwölf (eigene) Pferde und bildete diese für Turniere aus, darüber hinaus wurden Reitstunden angeboten und bis zu vier weitere Beiritt- und Einstellpferde versorgt. Die KG erwirtschaftete insgesamt maßgebliche Verluste und hatte einen hohen Vorsteuerüberhang. Im Zuge einer abgabenrechtlichen Prüfung ging das Finanzamt vom Vorliegen der Liebhaberei iSd § 1 Abs 2 der Liebhabereiverordnung („Liebhabereivermutung“) aus: Tätigkeiten, die als Bewirtschaftung von Wirtschaftsgütern anzusehen sind, die typischerweise der privaten Lebensführung zuzurechnen sind, stellen keine Einkunftsquelle dar, wenn aus dieser Tätigkeit Verluste entstehen. Die geltend gemachten Verluste wurden daher vom zuständigen Finanzamt nicht anerkannt und der Vorsteuerabzug wurde verwehrt.

Rechtsansicht des UFS.

Der UFS wies die Berufung der KG ab und ging ebenfalls von dem Vorliegen einer Tätigkeit iSd § 1 Abs 2 LVO aus. Er führte hierzu aus, dass das Halten, Reiten und Ausbilden von Pferden sowie die Teilnahme an Turnieren in engem Zusammenhang mit der Ausübung des Pferdesports stehe und sich somit besonders zur Nutzung im Rahmen der Lebensführung eigne, sodass eine Betätigung iSd § 1 Abs 2 LVO vorliege. Das zusätzliche Anbieten von Reitstunden, das Vornehmen von Beiritten und die Ausbildung von Praktikanten stehe laut UFS dieser Einstufung nicht entgegen, da die Haupttätigkeit in der Sportpferdeausbildung und der Teilnahme an Turnieren bestehe. Die Betätigung der Beschwerdeführerin sei auch deshalb eine in der Lebensführung begründete Neigung, da die Komplementärin mit den im Betriebsvermögen befindlichen Pferden bei Springreitturnieren antrete. Aus steuerlicher Sicht stelle die Teilnahme an Turnieren aber eine Sportausübung dar, bei der die Pferde als Wirtschaftsgüter für außerbetriebliche Zwecke eingesetzt würden.

Erkenntnis des VwGH.

Mit seinem Erkenntnis (18.12.2014, 2011/15/0164) hob der VwGH die Berufungsentscheidung des UFS auf und hielt fest, dass Reitställe zwar Wirtschaftsgüter darstellen, die oftmals der Sport- und Freizeitausübung dienen. Es ist allerdings nach den Umständen des Einzelfalls zu beurteilen (insbesondere Anzahl und Umfang der Wirtschaftsgüter und Qualität der Betätigung als Haupt- oder Nebentätigkeit), ob die Tätigkeit in Zusammenhang mit dem Reitstall unter § 1 Abs 2 LVO fällt. Gemessen an diesen Kriterien wird der Betrieb eines Reitstalls mit fünf bis zwölf eigenen und bis zu vier weiteren Beiritt- und Einstellpferden regelmäßig nicht als Betätigung iSd § 1 Abs 2 LVO anzusehen sein. Dies gilt umso mehr, wenn in einem solchen Betrieb auch Reitunterricht angeboten wird und Praktikanten ausgebildet werden. In Bezug auf die Teilnahme der Komplementärin an Turnieren unterstützt der VwGH das Argument der Beschwerdeführerin, dass das Überleben eines Reitstalles der vorliegenden Art von der Teilnahme an Turnieren bzw den dort erzielten Resultaten abhängt. Die Teilnahme an den Turnieren begründet daher die Annahme einer Betätigung iSd § 1 Abs 2 LVO nicht, sondern stellt vielmehr eine Betätigung mit Einkünftevermutung dar.

Fazit.

Das vorliegende VwGH-Urteil ist insofern von praktischer Bedeutung, als er bei der Liebhabereibeurteilung auf die Umstände des Einzelfalls und insbesondere auf Qualität sowie auf Anzahl und Umfang der betreffenden Wirtschaftsgüter abstellt. Eine Tätigkeit, die in kleinem Umfang als Liebhaberei iSd § 1 Abs 2 LVO anzusehen ist, kann in großem Umfang durchaus eine Einkunftsquelle darstellen. Diese Unterscheidung ist auch für die Umsatzsteuer von wesentlicher Bedeutung, da nur bei Betätigungen mit Liebhabereivermutung (§ 1 Abs 2 LVO) aus umsatzsteuerlicher Sicht Liebhaberei (insbesondere mit dem Ergebnis der Nichtanerkennung des Vorsteuerabzuges) vorliegen kann.

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Caroline Steininger

Caroline Steininger

Assistant| Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 7321
Mail: csteininger@deloitte.at

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