Steuerreform 2015/16: Auswirkungen auf Startups

Der Begutachtungsentwurf zum Steuerreformgesetz 2015/16 wurde in der Startup-Community nach dem Alternativfinanzierungsgesetz („Crowdfunding-Gesetz“ siehe unseren FSI Advisory Espresso vom 20.5.2015) mit großer Spannung erwartet. Er wird der hohen Erwartungshaltung jedoch nur in Teilbereichen gerecht; Die zentrale Forderung nach Steuerbegünstigungen für risikoreiche Startup-Investments bleibt gänzlich unerfüllt.

Einkommensteuertarif.

Startup-Unternehmer, die in den ersten Jahren erfahrungsgemäß nur mit geringen Einkommen rechnen können, sollten von dem auf 25% gesenkten Eingangssteuersatz (bisher 36,5%) profitieren.

Negativsteuer für Selbständige.

Selbständige ohne steuerpflichtiges Einkommen sollen auf Antrag eine GSVG-Beitragsgutschrift in Höhe von bis zu 50% der Beiträge, maximal aber EUR 110 pro Jahr erhalten.

Erhöhter KESt-Satz.

Gewinnausschüttungen bzw Dividenden sollen in Zukunft mit 27,5% anstelle von bisher 25% besteuert werden. Gleiches soll ua für Veräußerungsgewinne (zB von GmbH-Anteilen) gelten. Der erfolgreiche Exit und Ausschüttungen aus profitablen Startups sollen somit in Zukunft höher besteuert werden als bisher.

Verlustverwertungsbremse.

Die Strukturierung von Startup-Investments über Kommanditbeteiligungen oder atypische stille Beteiligungen war in der Vergangenheit aufgrund der Verlustzuweisungsmöglichkeiten durchaus verbreitet. Die maximale Verlustzuweisung an „kapitalistische Mitunternehmer“ soll nun auf die Höhe der tatsächlich geleisteten Einlage begrenzt werden. Darüber hinausgehende Verluste sollen nur mit späteren Gewinnen aus derselben Beteiligung verrechenbar sein („Wartetastenverluste“).

Forschungs- und Bildungsprämie.

Die Forschungsprämie für eigenbetriebliche Forschung und für Auftragsforschung wird von derzeit 10% auf 12% erhöht.

Steuerbegünstigung für Stock Options.

Der lohnsteuerliche Freibetrag für Stock Options soll von derzeit EUR 1.460 auf EUR 3.000 erhöht werden.

Zuzugsbegünstigung für Forscher und Wissenschaftler.

Es soll ein pauschaler „Zuzugsfreibetrag“ von 30% der zum Tarif zu besteuernden Einkünfte aus in- und ausländischer wissenschaftlicher Tätigkeit für die ersten 60 Monate ab dem Zuzug eingeführt werden.

Diensterfindungen.

Die bestehende lohnsteuerliche Begünstigung für Diensterfindungsprämien  (6% Lohnsteuer auf ein um 15% erhöhtes zusätzliches Jahressechstel neben dem begünstigen 13./14. Gehalt) soll gestrichen werden.

Neugründungs-Förderungsgesetz.

Keine Neugründung iSd NeuFöG soll vorliegen, wenn sich der Betriebsinhaber innerhalb der letzten fünf Jahre (bisher 15 Jahre) als Betriebsinhaber vergleichbarer Art betätigt hat.

Vereinfachte Steuerformulare für KMU.

Für KMU bis EUR 30.000 Jahresumsatz sollen künftig vereinfachte Einkommensteuerformulare verwendet werden. Der Entwurf (Formular E 1a-K) sieht 21 statt bisher 34 Kennzahlen vor.

Elektroautos.

E-Mobility Startups sollten sich über die vorgesehen Anreize hin zu alternativen Antrieben freuen. So soll das Recht auf Vorsteuerabzug auf bestimmte unternehmerisch genutzte PKW und Kombis ohne CO2-Ausstoß (zB Elektroautos) ausgedehnt werden. Für privat genutzte Dienstfahrzeuge mit Elektromotor soll zudem von 2016 bis 2020 kein lohnsteuerpflichtiger Sachbezug anfallen.

Fazit.

Der Begutachtungsentwurf zum Steuerreformgesetz 2015 sieht mit der Erhöhung der Forschungsprämie, der Zuzugsbegünstigung für Forscher und Wissenschaftler und Begünstigungen für Elektroautos innovationsfördernde Aspekte vor. Daneben beinhaltet er jedoch keine nennenswerten Erleichterungen für Startups, insbesondere keine steuerlichen Anreize für die dringend benötigten Risiko-Investments.

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Barbara Edelmann

Barbara Edelmann

Partner | SteuerberatungDeloitte Tax | Telefon:+43 1 537 00 6750 | E-Mail senden

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