Steuerreform 2015/16: Leid und Freud‘ der Hoteliers (Teil 1)

Neue Übergangsbestimmung zur Umsatzsteuererhöhung und Jubel bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern.

Bekanntlich ist der Tourismus eine der tragenden Säulen der österreichischen Wirtschaft. In der umfangreichen Sparte Tourismus wiederum weist die Beherbergungsbranche eine besonders hohe Wertschöpfung auf. Allein die durch die WKO vertretenen Beherbergungsbetriebe leisteten 2015 einen Beitrag von 14,8% zum BIP (WKO, Fachverband Hotellerie). So manchen Hotelbetreiber beschleicht jedoch langsam das Gefühl, ununterbrochen durch neue gesetzliche Regelungen zur Kassa gebeten zu werden: Umbaumaßnahmen zum Raucherschutz (bis 2018 ist nun nochmals umzubauen!), Allergenverordnung, Schaumweinsteuer, und ab dem nächstem Jahr die Erhöhung der Umsatzsteuer und in manchen Fällen auch die Verteuerung von Betriebsübergaben. Wir versuchen jedoch die kleinen Lichtblicke, die sich für Hotels ab nächstem Jahr noch bieten, aufzuzeigen und dürfen in diesem ersten Teil unserer Serie dazu, Umsatzsteuererhöhung und Änderungen für Einnahmen- /Ausgaben Rechner unter die Lupe nehmen:

Umsatzsteuer.

Mit 1.5.2016 wird die Umsatzsteuer für Nächtigungen von derzeit 10% auf 13% erhöht. Nach heftiger Intervention der Interessensvertretungen, wurde dieser Stichtag von ursprünglich geplant 1.4. auf 1.5. verlegt, sodass wohl eine Vielzahl von Beherbergungsdienstleistern die Wintersaison ohne Änderung abschließen kann. Die Neuregelung gilt somit grundsätzlich für alle Umsätze, die nach dem 30.4.2016 ausgeführt werden dh für alle Nächtigungen, ab 1.5.2016. Sollten Gäste über den 1.5.2016 nächtigen, beispielsweise von Freitag 29.4 bis Montag 2.5., wären für die Nächte von Freitag bis Sonntag 10% Umsatzsteuer zu leisten, für die Nacht von Sonntag auf Montag 13%. Es müsste eine Rechnung mit zwei unterschiedlichen Umsatzsteuersätzen ausgestellt werden. Hier gibt es eine Erleichterung für hinsichtlich Anzahlungen, die bis 30.08.2015 eingenommen werden:

Übergangsregel.

Für alle Umsätze ab dem 1.5.2016 bis inklusive 31.12.2017 (!) darf weiterhin der Steuersatz von 10% angewendet werden, wenn hierfür noch vor dem 1.9.2015 eine Anzahlung erfolgt. Es heißt daher nun den verbleibenden August zu nutzen und die Marketingtrommel kräftig zu rühren, um noch möglichst viele Gäste zur Anzahlung zu bewegen. Dies kann vermutlich bei Stammkunden leichter erreicht werden!

Wird eine Anzahlung jedoch erst ab dem 1.9.2015 geleistet gilt das zuvor Gesagte: ab 1.5.2016 13% auf Nächtigungsleistungen. Wird dem Gast ein Pauschalpreis in Rechnung gestellt, also beispielsweise Nächtigung inkl Frühstück oder Nächtigung inkl Halbpension, darf der Preisanteil für die Verköstigung herausgerechnet  und weiterhin mit 10% besteuert werden. Als Basis für die Aufteilung dienen die Einzelverkaufspreise. Liegen keine Einzelverkaufspreise vor, weil bspw ausschließlich Halbpension angeboten wird, ist nach den Kosten aufzuteilen. Dies stellt zwar eine Steuererleichterung dar, macht die Handhabung (bzw die Programmierung des Hotelprogrammes) jedoch komplex, zumal es vorkommen kann, dass die Verköstigungspreise saisonalen Anpassungen unterliegen.

Einnahmen-/Ausgaben Rechner, also jene Betriebe, die ihr Ergebnis nach Zahlungsflüssen ermitteln (im Gegensatz zu bilanzierenden Betrieben), können ab 2016 Verluste unbeschränkt vortragen. Laut derzeitiger Rechtslage müssen Verluste, die ein Einnahmen-/Ausgaben Rechner erzielt, innerhalb von drei Jahren mit Gewinnen verrechnet werden, andernfalls verfallen diese Verluste ungenutzt. Ab 2016 wird diese dreijährige Verlustvortragsgrenze aufgehoben. Das heißt ab dem Jahr 2013 erzielte Verluste können unbeschränkt vorgetragen und mit zukünftigen Gewinnen verrechnet werden.

Fazit.

Mit 1.5.2016 ist auf Beherbergungsleistungen Umsatzsteuer iHv. 13% einzuheben. Eine Übergangsfrist erlaubt jedoch für Nächtigungen bis inkl. 2017 weiterhin 10% Umsatz in Rechnung zu stellen, sollten hierfür bereits vor dem 1.9.2015 Anzahlungen eingenommen worden sein. Zumindest für Anreise Ende April 2016 sollte man versuchen, die Anzahlungen noch bis Ende August 2015 einzunehmen. Gelingt dies, können komplexe Rechnungen mit zwei Steuersätzen an Gäste die über den 1.4.2016 im Hotel sind vermieden werden.

Die unbeschränkte Verlustvortragsmöglichkeit für Einnahmen- /Ausgaben Rechner ist als eine sehr positive Änderung durch die Steuerreform hervorzuheben! Sie ermöglicht ab 2016 Verluste die ab 2013 entstanden zeitlich unbeschränkt mit Gewinnen der Zukunft zu verrechnen.

 

Print Friendly, PDF & Email
Birgit Breyner

Birgit Breyner

Senior Manager | Deloitte Tirol | Telefon: +43 0541 26 44 50-13 | E-Mail senden

Liked this post? Follow this blog to get more.