RÄG 2014 – Neue Ansatz- und Bewertungsgrundsätze auf der Aktivseite

Als Fortsetzung zu den bisherigen Artikeln zum Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014 werden im Folgenden die wesentlichen Änderungen im Bereich Ansatz und Bewertung von Vermögensgegenständen erläutert.

Geschäfts- und Firmenwert.

Durch das RÄG 2014 wird erstmals die Abschreibungsdauer eines derivativen Firmenwerts präzisiert. Grundsätzlich ist die Abschreibung eines Firmenwerts planmäßig auf die Geschäftsjahre, in denen er voraussichtlich genutzt wird, zu verteilen. In jenen Fällen, in denen die Nutzungsdauer jedoch (ausnahmsweise) nicht verlässlich geschätzt werden kann, ist dieser über zehn Jahre gleichmäßig verteilt abzuschreiben. Steuerrechtlich bleibt die zwingende Abschreibungsdauer von 15 Jahren weiterhin bestehen, sodass es zu einer weiteren Abweichung zwischen Unternehmens- und Steuerrecht kommen kann.

Zuschreibungspflicht.

Nach bisheriger Rechtslage konnte eine Zuschreibung zu Vermögensgegenständen des Anlage- und Umlaufvermögens bei Wegfall der Gründe einer vorhergehenden außerplanmäßigen Abschreibung unterlassen werden, sofern auch der steuerrechtliche Wertansatz beibehalten wurde. Mit dem RÄG 2014 wird diese Möglichkeit nunmehr abgeschafft. Wertaufholungen sind daher – mit Ausnahme des Firmenwerts – ab dem Geschäftsjahr, das nach dem 31.12.2015 beginnt, zwingend vorzunehmen. Dies gilt aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips auch für das Steuerrecht.

Nach den Übergangsbestimmungen gilt die Zuschreibungspflicht auch rückwirkend, dh für bisher eingetretene, unterlassene Zuschreibungen. Um hieraus resultierende Steuerbelastungen zu vermeiden, wurde auch im Steuerrecht eine Übergangsregelung eingeführt, wonach ein Wahlrecht besteht, den nachgeholten Zuschreibungsbetrag entweder sofort zu versteuern oder auf Antrag einer außerbilanziellen Zuschreibungsrücklage zuzuführen. Eingetretene Wertaufholungen ab dem Geschäftsjahr, das nach dem 31.12.2015 beginnt, berühren diese Zuschreibungsrücklage jedoch nicht und sind daher sofort steuerwirksam zu erfassen.

Auch unternehmensrechtlich besteht in Analogie zu den steuerlichen Übergangsbestimmungen die Möglichkeit, Erträge aus nachgeholten Zuschreibungen unter den passiven Rechnungsabgrenzungsposten gesondert zu erfassen und somit erst zu einem späteren Zeitpunkt (bei Wertminderungen bzw spätestens bei Ausscheiden) zu realisieren. Dies setzt jedoch auch die Dotierung einer entsprechenden steuerlichen Zuschreibungsrücklage voraus (umgekehrte Maßgeblichkeit). Unterbleibt die Bildung einer passiven Rechnungsabgrenzung, ist für die resultierende temporäre Differenz zwischen Unternehmens- und Steuerecht eine (passive) latente Steuerabgrenzung zu berücksichtigen.

Herstellungskosten.

Herstellungskosten sind nach dem RÄG 2014 analog zu den steuerrechtlichen Bestimmungen auf Vollkostenbasis zu ermitteln. Das bisher bestehende Aktivierungswahlrecht von Material- und Fertigungsgemeinkosten entfällt zugunsten einer Aktivierungspflicht. Die Übergangsbestimmungen sehen vor, dass die Neuregelung erstmals auf Herstellungsvorgänge anzuwenden ist, die in Geschäftsjahren begonnen wurden, die nach dem 31.12.2015 beginnen. Für davor begonnene Herstellungsvorgänge ist das (ausgeübte) Aktivierungswahlrecht grundsätzlich beizubehalten, wobei jedoch ein freiwilliges Vorziehen der neuen Bewertungsvorschriften möglich ist.

Disagio.

Während bisher für die Aktivierung eines Disagios unternehmensrechtlich ein Wahlrecht bestand, kommt es nunmehr zu einer Aktivierungspflicht unter den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten. Dies gilt nur für neu eingegangene Verbindlichkeiten. Für bestehende Verbindlichkeiten, für die das Disagio nicht als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten bilanziert wurde (sondern etwa bereits als Aufwand im Zeitpunkt des Entstehens der Verbindlichkeit gebucht wurde), darf nachträglich kein Disagio gebildet werden. Das aktivierte Disagio ist durch planmäßige jährliche Abschreibungen zu tilgen. Die Gesetzesmaterialien erwähnen außerdem ausdrücklich, dass auch eine Auflösung unter Anwendung der in den internationalen Rechnungslegungsstandards üblichen Effektivzinsmethode zulässig ist.

Fazit.

Die Änderungen im Bereich der Ansatz- und Bewertungsvorschriften auf der Aktivseite führen zu einer verbesserten Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, bringen jedoch teilweise auch höhere steuerliche Belastungen mit sich. Diese werden durch die Übergangsbestimmungen teilweise abgefedert. Neben den oben genannten wesentlichen Änderungen, ist außerdem noch auf jene im Bereich der latenten Steuern hinzuweisen. Über diese werden in einem Folgebeitrag gesondert berichten.

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Stephan Karigl

Stephan Karigl

Manager | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6850 | E-Mail senden

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