Steuerreform 2015/16: Änderungen bei der Umsatzsteuer

Da ausgabenseitige Sparmaßnahmen und der Kampf gegen den Steuerbetrug nicht ausreichen werden, um die angekündigte „größte Steuerreform aller Zeiten“ zu finanzieren, müssen auch die Fiskaleinnahmen erhöht werden. Einen wesentlichen Beitrag dazu soll die teilweise Anhebung des reduzierten Umsatzsteuersatzes von bisher 10 auf 13 % leisten. Aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben wurde zugleich der bisher bestehende 12%ige Steuersatz für den Weinverkauf ab Hof abgeschafft.

Neuer Steuersatz 13 %.

Dieser ist künftig auf folgende Lieferungen und sonstige Leistungen anzuwenden:

  • Einfuhr und die Lieferung von Tieren, Pflanzen, Saatgut, Futtermitteln, organischen Düngemitteln sowie Brennholz (für die genaue Abgrenzung siehe Anlage 2 zum UStG)
  • Einfuhr von Kunstgegenständen, Antiquitäten, Briefmarken und anderen Sammlungsstücken
  • Tierzucht und Anzucht von Pflanzen
  • Beherbergung in Wohn- und Schlafräumen (Hotellerie); Frühstück aber weiterhin 10%
  • künstlerische Tätigkeiten, kulturelle Veranstaltungen, Theater, Konzerte, Oper, Kino, Museen
  • Eintritte in Schwimmbäder, Tiergärten, Naturparks, Zirkusvorstellungen
  • Inlandspersonenluftverkehr
  • Jugendbetreuung
  • Weinverkauf ab Hof (bisher 12 %)
  • Eintritt zu Sportveranstaltungen (bisher 20 %)

Inkrafttreten.

Die Änderungen treten grundsätzlich mit 1.1.2016 in Kraft. Übergangsregeln gibt es für die Hotellerie sowie für Theater-, Konzert-, Opern-, Museums-, Tier- und Naturparkbesuche. Hier gilt der 10%ige Steuersatz noch für Leistungen bis 1.5.2016 bzw zwischen dem 1.5.2016 und dem 31.12.2017, wenn bis zum 1.9.2015 gebucht und eine An- oder Vorauszahlung geleistet wird. Frühbucher könnten ihren Urlaub 2016 oder 2017 daher noch steuerschonend vor dem September 2015 anzahlen.

Weiterhin 10 % Umsatzsteuer ist zu entrichten ua bei der Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten, Büchern und Zeitschriften sowie Wohnungsmieten und bestimmten Restaurationsumsätzen.

Vermietung von Beförderungsmitteln.

Bei der langfristigen Vermietung von Beförderungsmitteln an Nichtunternehmer im Drittland lag bisher der Leistungsort in Österreich, wenn die Nutzung im Inland erfolgte. Diese Ausnahme fällt nun weg, sodass ab 1.1.2016 die langfristige Vermietung von Beförderungsmitteln an Unternehmer sowie Nichtunternehmer ausschließlich am Empfängerort besteuert wird.

Vorsteuerabzug für Elektrofahrzeuge.

Aufwendungen für Pkw ohne CO2 Ausstoß sind nun grundsätzlich zum Vorsteuerabzug berechtigt (Hybridfahrzeuge fallen somit nicht unter diese Regelung). Hinsichtlich der Einkommensteuer bleibt die Angemessenheitsgrenze allerdings auch für reine Elektrofahrzeuge weiterhin zu beachten, sodass auch der Vorsteuerabzug eingeschränkt sein bzw entfallen kann.

Führung Buchnachweis im Ausland.

Besonders für ausländische Unternehmer interessant ist die Möglichkeit, den Buchnachweis für innergemeinschaftliche Lieferungen ab 1.1.2016 im Ausland zu führen und aufzubewahren. Auf Verlangen der Finanzbehörde sind die Bücher ins Inland zu bringen.

Fazit.

Zusammengefasst ist zu sagen, dass die Erhöhung des Steuersatzes – je nach den individuellen Konsumgewohnheiten des Steuerpflichtigen – zu einer mehr oder weniger spürbaren Mehrbelastung führen wird. Tierbesitzer sowie Theater-, Museums- und Opernfreunde werden etwas tiefer in die Tasche greifen müssen, während Sportfans künftig günstiger davon kommen werden. Die Gewährung des Vorsteuerabzuges für Elektrofahrzeuge soll einen gewissen Beitrag zur Ökologisierung des Steuersystems leisten. Gewisse Ersparnisse lassen sich durch rechtzeitige Buchung und Bezahlung des nächsten Urlaubes bzw Kulturabos erreichen.

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Georg Erdélyi

Georg Erdélyi

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