Personalentsendungen im Konzern aus Verrechnungspreissicht

Personalentsendungen im Konzern sind heutzutage international üblich. Neben der korrekten Abwicklung der komplexen Themen Lohnsteuer und Sozialversicherung auf Ebene der Arbeitnehmer ist auch auf eine fremdübliche Abgrenzung der Aufwendungen auf Konzernebene zu achten.

Problemstellung.

Bei der Festlegung eines fremdüblichen Verrechnungspreises ergeben sich insbesondere Fragen iZm der Höhe der zu verrechnenden Aufwendungen und ob ein Gewinnaufschlag anzusetzen ist. Dazu ist bereits im Vorfeld zu klären ob es sich a) um eine Personalgestellung oder eine Assistenzleistung handelt, b) welche Kosten in die Kostenbasis miteinzubeziehen sind und c) wer das Interesse an der Personalentsendung hat.

Gewinnaufschlag.

Wenn ein Mitarbeiter innerhalb eines Konzerns entsandt und dabei grenzüberschreitend tätig wird, ist zunächst zu prüfen, ob tatsächlich eine Personalgestellung oder vielmehr eine Assistenzleistung vorliegt. Dies ist entscheidend für die Frage ob ein Gewinnaufschlag anzusetzen ist. Während Assistenzleistungen einen Leistungsaustausch zwischen den Gesellschaften begründen und daher gemäß den allgemeinen Vorschriften für die konzerninterne Dienstleistungserbringung mit Gewinnaufschlag zu verrechnen sind (meist Kostenaufschlagsmethode), ist bei Personalgestellung steuerlich gerade keine Dienstleistung gegeben, man spricht vielmehr von einer Duldungsleistung. Daher wird von der Finanzverwaltung eher eine Verrechnung ohne Gewinnaufschlag akzeptiert, jedoch ist darauf zu achten, dass die gesamten direkt und indirekt mit der Personalgestellung in Zusammenhang stehenden Kosten auf Vollkostenbasis an das aufnehmende Unternehmen verrechnet werden.

Personalgestellung vs Assistenzleistung.

Indizien für das Vorliegen einer Personalgestellung sind die Eingliederung des Arbeitnehmers in den Betrieb des aufnehmenden Unternehmens sowie ein damit einhergehendes Weisungsrecht gegenüber diesem. Für die tatsächlich erbrachte Arbeitsleistung übernimmt in diesem Fall das entsendende Unternehmen kein Risiko. Bei einer Assistenzleistung hingegen erbringt der entsandte Mitarbeiter im Auftrag des entsendenden Unternehmens eine Dienst- bzw Werkleistung. Dabei unterliegt der Arbeitnehmer weiterhin den Weisungen seines Arbeitgebers und ist gerade nicht in die Organisation des aufnehmenden Unternehmens eingebunden. Hier trägt der Leistungserbringer – wie für Dienst- und Werkverträge üblich –das Risiko für den Erfolg.

Kostenbasis.

Zu verrechnen sind alle direkten und indirekten Kosten, die mit der Personalgestellung in Zusammenhang stehen. Diese beinhalten neben der fixen Vergütung des Mitarbeiters auch variable Bezüge und Sonderzahlungen, Sachbezüge, Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Zuführung zu Personalrückstellungen, Verwaltungskosten zur Betreuung des Mitarbeiters vor und während der Entsendung, weiters zB Lohnverrechnung, Reisekosten sowie etwaige Opportunitätskosten des entsendenden Unternehmens, zB aufgrund erhöhter Überstunden wegen Personalmangels.

Aufteilung des Personalaufwands.

Der Anteil an der ermittelten Kostenbasis, welcher von entsendender bzw aufnehmender Gesellschaft zu tragen ist, richtet sich nach der Interessenslage an der Entsendung. Ist die Entsendung nur im Interesse der aufnehmenden Gesellschaft gelegen, so ist der gesamte Aufwand von dieser zu tragen. Hat jedoch das entsendende Unternehmen ebenfalls ein Interesse daran – bspw wenn der Zweck (teilweise) in der Fortbildung des Mitarbeiters liegt – so ist dies bei der Verrechnung anteilig zu berücksichtigen. Dies kann in Extremfällen so weit führen, dass der gesamte Aufwand vom entsendenden Unternehmen zu tragen ist.

Fazit.

Personalentsendungen sind nicht nur bei der Besteuerung auf Ebene des Arbeitnehmers ein komplexes Thema, auch aus Verrechnungspreissicht sollte die Verrechnung bereits im Vorfeld vertraglich festgelegt und dokumentiert werden. So können Nachversteuerungen infolge des Aufgreifens durch die Betriebsprüfung bestmöglich vermieden werden.

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Martin Bonner

Martin Bonner

Senior Assistant | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6215 | E-Mail senden

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