Das bringt die Steuerreform 2015/16

Am 14.8.2015 wurde das Steuerreformgesetz 2015/16 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Nachfolgend dürfen wir einen Überblick über die wesentlichen Änderungen verschaffen:

Einkommensteuer. Der Eingangssteuersatz wird auf 25% gesenkt und die Zahl der Tarifstufen von drei auf sechs erhöht. Bei Einkommen über EUR 1 Mio kommt – befristet bis 2020 – ein Steuersatz von 55% zur Anwendung.

Einkommen Grenzsteuersatz
bis EUR 11.000 0%
über EUR 11.000 bis EUR 18.000 25%
über EUR 18.000 bis EUR 31.000 35%
über EUR 31.000 bis EUR 60.000 42%
über EUR 60.000 bis EUR 90.000 48%
über EUR 90.000 bis EUR 1.000.000 50%
über EUR 1.000.000 55%

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Der Arbeitnehmerabsetzbetrag wird in den Verkehrsabsetzbetrag integriert, welcher sich auf EUR 400 erhöht.

Der Kinderfreibetrag wird von derzeit EUR 220 auf EUR 440 verdoppelt und der gesplittete Kinderfreibetrag von EUR 132 auf EUR 300 angehoben.

Im Veranlagungsverfahren von Arbeitnehmern müssen bestimmte Sonderausgaben, wie beispielweise Beiträge an Kirchen oder Spenden, nicht mehr vom Steuerpflichtigen selbst geltend gemacht werden, sondern werden automatisch berücksichtigt. Mehr…

Durch vereinfachte Formulare wird für Kleinunternehmer die Abgabe der Einkommensteuererklärung erleichtert. Mehr…

Steuerfreie Zuwendungen an Mitarbeiter werden ausge­weitet. Unter anderem wird eine Lohnsteuerbefreiung für Mitarbeiterrabatte geschaffen. Mehr…

Durch die Werbungskostenpauschale erhalten Expatriates steuerliche Erleichterungen. Mehr…

Verluste von Einnahmen-/Ausgaben-Rechnern können in Zukunft – wie bei Bilanzierern – zeitlich unbegrenzt
vorgetragen werden.

Die Forschungsprämie wird von 10% auf 12% angehoben. Mehr…

Durch einen pauschalen Zuzugsfreibetrag kommt es für Wissenschaftler und Forscher aus dem Ausland zu Erleichterungen beim Zuzug. Mehr…

Der Kapitalertragsteuersatz wird für bestimmte Einkünfte aus Kapitalvermögen von 25% auf 27,5% erhöht. Zinseinkünfte unterliegen weiterhin dem 25 %-Steuersatz. Mehr…

Künftig ist die steuerliche Behandlung einer Ausschüttung als Einlagenrückzahlung nur mehr nachrangig gegenüber einer steuerlichen Gewinnausschüttung möglich. Solange daher von der Gesellschaft erwirtschaftete Gewinne vorhanden sind, müssen diese ausgeschüttet werden, bevor eine Einlagenrückzahlung möglich ist. Mehr…

Bei Bauleistungen an Unternehmer wurde ein Abzugsverbot für Barzahlungen geschaffen.

Zur Bekämpfung von Lohnsteuermissbrauch wurde für die Bauwirtschaft eine Verpflichtung zur unbaren Auszahlung von Arbeitslöhnen normiert. Mehr…

Die Topf-Sonderausgaben (Versicherungen, Wohnraumschaffung und -sanierung) werden abgeschafft und sind deshalb nur mehr befristet bis zum Jahr 2020 absetzbar.

Die Bildungsfreibeträge und die Bildungsprämie entfallen.

Der PKW-Sachbezug wird angepasst. Es kommt zu einer Begünstigung schadstoffarmer KFZ iVm einer Steuerbefreiung elektrisch angetriebener Fahrzeuge. Mehr…

Umsatzsteuer. Anhebung der 10% und 12% Umsatz­steuersätze auf 13% (Mehr…). Unter anderem davon betroffen sind die Hotellerie (Mehr…) und Kunst und Kultur (Mehr…).

Bei Lieferungen sowie Vermietung und Verpachtung von Grundstücken wird die Normalwertregelung angewandt.

Eine allgemeine Registrierkassenpflicht wurde ab einem Jahresumsatz von EUR 15.000 je Betrieb geschaffen, sofern die Barumsätze dieses Betriebes EUR 7.500 im Jahr überschreiten. Die Registrierkassen sind mit technischen Sicherheitslösungen gegen Manipulationen zu schützen. Mehr…

Unternehmer haben bei empfangenen Barzahlungen aus Lieferungen und sonstigen Leistungen eine Belegerteilungsverpflichtung.

Unternehmern wird ein Vorsteuerabzug für KFZ ohne CO2-Ausstoß gewährt. Mehr…

Immobilien. Es kommt zu wesentlichen Änderungen bei der Besteuerung von Immobilien. Unter anderem wurde bei der Veräußerung von Grundstücken die Immobilien­ertragsteuer von 25% auf 30% angehoben und die Gebäudeabschreibung angepasst.

Bei der Grunderwerbsteuer ist nicht mehr der Einheitswert, sondern der Grundstückswert Basis für die Berechnung der Steuer. Mehr…

Zudem werden die grunderwerbsteuerpflichtigen Tatbestände erweitert. Eine grunderwerbsteuerpflichtige Anteilsvereinigung liegt bereits dann vor, wenn 95% der Anteile in einer Hand vereinigt werden (anstatt wie bisher erst bei 100%). Mehr…

Umgründungen. Insbesondere durch die vorgenommenen Einschränkungen bei der steuerfreien Einlagenrückzahlung und durch die Änderungen des Grunderwerbsteuergesetzes waren auch Anpassungen im UmGrStG vorzunehmen. Mehr…

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Robert Rzeszut

Robert Rzeszut

Partner | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6620 | E-Mail senden

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