Der wirtschaftlich sinnvollste Weg zum Pendlerpauschale

Im vorliegenden Fall ging es um die Gewährung einer großen Pendlerpauschale nach § 16 Abs 1 Z 6 lit d EStG 1988 in der damals geltenden Fassung, deren allgemeine Voraussetzungen erfüllt waren. Einziger Streitpunkt war die Sachverhaltsfrage der Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsort, welche von der Beschwerdeführerin mit 24 km geltend gemacht wurde. Das Finanzamt kam hingegen im Wege einer Überprüfung lediglich zu einer Wegstrecke von 18 km. 

Die Große Pendlerpauschale.

Die Höhe der Pendlerpauschale wird grundsätzlich abgestuft nach der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Zwischen 2 und 20 km steht unter bestimmten Voraussetzungen das „große“ Pendlerpauschale von EUR 372 pro Jahr zu. Bei einer Entfernung zwischen 20 und 40 km hingegen ein jährlicher Betrag von EUR 1.476.

Der wirtschaftlich sinnvollste Weg.

Das BFG sprach aus, dass bei der Bemessung der Wegstrecke für den Arbeitsweg mit dem eigenen Kraftfahrzeug auf die Flüssigkeit des Verkehrs und öffentliche Interessen, wie etwa die Vermeidung von Lärm- und Abgasbelästigung der Wohnbevölkerung Rücksicht zu nehmen ist, sodass nicht die “kürzere” ausschließlich über Ortsgebiete führende Wegstrecke sondern jene über Schnellstraßen und Autobahnen außerhalb von Wohngebieten heranzuziehen ist. Es ist jene Wegstrecke zu wählen, die nach dem Urteil gerecht und billig denkender Menschen für die täglichen Fahrten eines Pendlers sinnvoll ist, etwa um die auf Grund bestehender Geschwindigkeitsbeschränkungen zeitaufwändige Befahrung von Ortsdurchfahrten zu vermeiden. Überflüssige Umwege oder bloß aus persönlicher Vorliebe gewählte Streckenvarianten haben dabei allerdings außer Betracht zu bleiben (BFG 12.5.2015, RV/7100142/2015).

Der Pendlerrechner.

Seit dem 1.1.2014 ist in Österreich allerdings ua für die Ermittlung der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsort gemäß der Pendlerverordnung der sogenannte Pendlerrechner des BMF anzuwenden. Das vom Pendlerrechner ermittelte Ergebnis ist rechtsverbindlich, wobei nach wie vor der Gegenbeweis erbracht werden kann. Dies kann durch Nachweis und Begründung der wirtschaftlich sinnvollsten Strecke, wie in der oben beschriebenen Art und Weise erfolgen. Ein allfälliger Steuernachteil kann sodann vom Dienstnehmer im Zuge seiner Arbeitnehmerveranlagung zurückgefordert werden.

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Christoph Straubinger

Christoph Straubinger

Assistant | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6182 | E-Mail senden

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