Steuerreform 2015/16: Leid und Freud‘ der Hoteliers – Teil 3: Rechnungen bei pauschalen Nächtigungspreisen ab 2016

In Teil 1 unserer Serie haben wir die Umsatzsteuererhöhung mit 1.5.2016 für Beherbergungsleistungen von 10% auf 13% dargestellt. Zwischenzeitig hat das BMF den Begutachtungsentwurf zum Wartungserlass der Umsatzsteuerrichtlinien veröffentlicht. Diesem ist zu entnehmen, in welcher Weise die Aufteilung von pauschalen Nächtigungspreisen (zB Nächtigung inkl Frühstück oder Nächtigung inkl Halbpension) in einen Beherbergungsanteil (mit 13% zu versteuern) und einen Speisenanteil (mit 10% zu versteuern) erfolgen kann.

Variante 1: Aufteilung entsprechend der Einzelverkaufspreise.

Liegen Einzelverkaufspreise vor, dh wird auch eine reine Nächtigungsleistung ohne Verpflegung (dh zB ohne Frühstück) angeboten, so sind nach Ansicht der Finanzverwaltung diese Einzelverkaufspreise der Umsatzbesteuerung zu Grunde zu legen. Beispiel:  Nächtigung exkl Frühstück brutto EUR 45 bzw inkl Frühstück brutto EUR 60 und somit Speisenanteil EUR 15 brutto. Die Rechnung muss folgende Aufteilung enthalten:

hoteliers_grafik1Variante 2: Aufteilung entsprechend der entstandenen Kosten.

  • Pauschaler Aufteilungsschlüssel. Liegen hingegen keine Einzelverkaufspreise vor, so sieht der aktuelle Begutachtungsentwurf folgende prozentuelle Aufteilung vor:hoteliers_grafik2
  • Individueller Aufteilungsschlüssel mit Kostenrechnung. Im derzeitigen Entwurf des Wartungserlasses zu den Umsatzsteuerrichtlinien ist nicht vorgesehen, dass eine Ermittlung des Speisenanteiles aus einem Pauschalpreis auch auf Basis einer Kostenrechnung zulässig ist. Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder hat jedoch angeregt, auch die Ermittlung der Aufteilungsschlüssel anhand einer Kostenrechnung ausdrücklich zuzulassen. Insbesondere bei Betrieben, die erweiterte Halbpension (3/4 Halbpension) anbieten, zeigt sich in Praxis, dass die prozentuelle Aufteilung mitunter nicht den tatsächlichen Kosten entsprechen würde, sodass bei deren Anwendung zu viel an Umsatzsteuer (dh ein zu hoher Beherbergungsanteil) abgeführt würde.

Sektfrühstück und gratis Getränke.

Getränke, die im Rahmen des Frühstücks ausgegeben werden (wie Säfte, Kaffee, Tee udgl) sind von dem berechneten Verpflegungsanteil umfasst und somit ebenfalls mit 10% zu besteuern. Werden im Rahmen des Frühstücks jedoch alkoholische Getränke ausgegeben, so sind diese nicht von dem berechneten Verpflegungsanteil umfasst und prinzipiell mit dem Normalsteuersatz von 20% zu besteuern. Alkoholische Getränke sowie sonstige Tischgetränke bei Halb- und Vollpension oder freie Bargetränke zwischen den Mahlzeiten dürfen nur dann ausnahmsweise mit 10% (und nicht mit dem Normalsteuersatz von 20%) besteuert werden, wenn ihr Einkaufswert unter 5% des Pauschalpreises, den der Gast zu leisten hat, liegt. Die oben dargestellte Aufteilung von Pauschalpreisen ist in diesem Fall entsprechend anzupassen.

Fazit.

Der derzeit im Entwurf vorliegende Wartungserlass zu den Umsatzsteuerrichtlinien hält ua fest, wie die ab 1.5.2016 erhöhte Umsatzsteuer für Beherbergungsleistungen bei Pauschalpreisen zu ermitteln ist. Offen ist, ob die Finanzverwaltung auch die Ermittlung eines individuellen Aufteilungsschlüssels mittels Kostenrechnung als zulässig erachten würde.

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Birgit Breyner

Birgit Breyner

Senior Manager | Deloitte Tirol | Telefon: +43 0541 26 44 50-13 | E-Mail senden

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