RÄG 2014 – Änderungen der Ausweis- und Gliederungsvorschriften in Bilanz und GuV

Das Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014 bringt neben den in den letzten Beiträgen besprochenen Änderungen bei Ansatz und Bewertung von Vermögensgegenständen und Schulden, auch einige Neuerungen betreffend Ausweis und Gliederung von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, die in der Folge erläutert werden sollen.

Eigene Anteile.

Eigene Anteile sollen zukünftig nicht mehr als Vermögensgegenstand auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesen werden. Der Nennbetrag (oder, falls ein solcher nicht vorhanden ist, der rechnerische Wert) dieser Anteile ist nunmehr in einer Vorspalte vom Nennkapital abzusetzen. Aus Gläubigerschutzgründen ist in dieser Höhe außerdem eine Dotierung der gebundenen Rücklagen vorzunehmen. Der Unterschiedsbetrag zwischen dem Nennbetrag (bzw rechnerischem Wert) der eigenen Anteile und ihren Anschaffungskosten ist mit den nicht gebundenen Kapitalrücklagen bzw den freien Gewinnrücklagen zu verrechnen. Falls diese nicht ausreichen, wäre eine Verrechnung zu Lasten des Bilanzgewinns vorzunehmen;  Anschaffungsnebenkosten sind als Aufwand der Periode zu erfassen.

Wegfall unversteuerter Rücklagen.

Der Posten der unversteuerten Rücklagen wird durch das RÄG 2014 zur Gänze abgeschafft. Dadurch entfallen auch die GuV-Posten „Auflösung/Zuweisung zu unversteuerten Rücklagen“. Die Übergangsbestimmungen sehen vor, dass bestehende unversteuerte Rücklagen unmittelbar in die Gewinnrücklagen einzustellen bzw darin enthaltene passive latente Steuern den Rückstellungen zuzuführen sind. Die Umgliederung hat ergebnisneutral zu erfolgen und darf nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung geführt werden. Auch die Vorjahresposten – sowohl in der Bilanz als auch in der GuV – sind entsprechend anzupassen.

Neuer Posten für aktive latente Steuern.

Aktive latente Steuern, die bisher in der Regel unter den Rechnungsabgrenzungsposten enthalten waren, sind zukünftig unter einem eigenen neuen Posten „D. Aktive latente Steuern“ auszuweisen. Passive latente Steuern sind dagegen wie bisher – sofern keine Verrechnung mit aktiven latenten Steuern erfolgt – unter den Rückstellungen auszuweisen.

Angabe der Restlaufzeiten.

Die Fristigkeit von Forderungen und Verbindlichkeiten ist nach dem RÄG 2014 verpflichtend in der Bilanz anzugeben. Der Betrag der Forderungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr sowie der Betrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr sowie von mehr als einem Jahr sind für jeden gesondert ausgewiesenen Posten direkt in der Bilanz anzumerken. Die ausschließliche Angabe der Fristigkeiten im Anhang ist demnach nicht mehr zulässig. Weiterhin im Anhang anzugeben, ist jedoch der Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.

Abschaffung des „außerordentlichen Ergebnisses“.

Außerordentliche Aufwendungen und Erträge sind künftig nicht mehr gesondert in der GuV auszuweisen. Stattdessen ist eine Anhangangabe über „Betrag und Wesensart der einzelnen Ertrags- oder Aufwandsposten von außerordentlicher Größenordnung oder außerordentlicher Bedeutung“ zu machen. Zu beachten ist jedoch, dass es sich bei diesen im Anhang zu erläuternden Ertrags- oder Aufwandsposten um jeden Posten der GuV handeln kann, nicht nur um die vor dem RÄG 2014 als außerordentlicher Aufwand oder Ertrag ausgewiesenen Sachverhalte. Durch die Abschaffung des außerordentlichen Ergebnisses entfällt auch die Zwischensumme „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT)“ und wird durch die Zwischensumme „Ergebnis vor Steuern“ in der GuV ersetzt.

Ergebnisverwendung.

Alternativ zum gewohnten Ausweis in der GuV kann die Überleitung vom Jahresergebnis zum Bilanzgewinn (inkl Rücklagenbewegungen) auch im Anhang ausgewiesen werden. Die Darstellung im Anhang wird dann wohl dem international üblichen Eigenkapitalspiegel entsprechen. In diesem Fall endet die GuV mit dem Posten Jahresüberschuss/-fehlbetrag.

Erleichterungen für kleine Gesellschaften.

Für kleine Gesellschaften (iSd § 221 Abs 1 UGB) kommt es zu einer deutlichen Straffung der GuV. Für diese ist eine Aufgliederung der sonstigen betrieblichen Erträge, der gesonderte Ausweis betrieblicher Steuern sowie eine Aufgliederung der Aufwendungen aus Finanzanlagen und aus Wertpapieren des Umlaufvermögens nicht mehr notwendig. Der Personalaufwand kann auf zwei Posten („Löhne und Gehälter“ sowie „soziale Aufwendungen, davon Aufwendungen für Altersversorgung“) zusammengefasst werden. Auch Zwischensummen können weitgehend entfallen – lediglich das „Ergebnis vor Steuern“ sowie der „Jahresüberschuss/-fehlbetrag“ sind zwingend anzugeben.

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Stephan Karigl

Stephan Karigl

Director | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6850 | E-Mail senden

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