Die Checkliste für Ihre Arbeitnehmerveranlagung 2015

Arbeitnehmer sind in der Regel nicht verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Durch eine Arbeitnehmerveranlagung kann jedoch oft viel Geld vom Fiskus zurückgeholt werden. In den vorliegenden Fällen macht eine Arbeitnehmerveranlagung jedenfalls Sinn:

  • steuerlich absetzbare Ausgaben, wie zB Sonderausgaben, Werbungskosten und außergewöhnliche Belastungen
  • schwankende Gehaltsbezüge ohne Aufrollung durch den Arbeitgeber
  • Arbeitgeberwechsel oder nicht ganzjährige Beschäftigung
  • Verluste oder Verlustvortrag aus anderen Einkunftsarten

Folgende Positionen können in der Arbeitnehmerveranlagung 2015 geltend gemacht werden:

Absetzbeträge:

  • Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag (EUR 494 bei einem Kind; EUR 669 bei zwei Kindern, zusätzlich EUR 220 für jedes weitere Kind)
  • Kinderfreibetrag (EUR 220 bei Inanspruchnahme durch einen Elternteil; EUR 132 bei Inanspruchnahme durch beide Elternteile)
  • Kinderabsetzbetrag (EUR 58,40/Monat/Kind)
  • Unterhaltsabsetzbetrag (EUR 29,20 bis EUR 58,40/Monat/Kind)

Sonderausgaben

  • Kirchenbeiträge (bis EUR 400)
  • Steuerberaterkosten (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Renten und dauernde Lasten (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Spenden an begünstigte Institutionen (bis zu 10% der Einkünfte des laufenden Jahres). Eine Liste der begünstigten Spendenempfänger ist auf der Website des BMF abrufbar.
  • Prämien für freiwillige Personenversicherungen und Kosten für Wohnraumschaffung und -sanierung (beides begrenzt mit Einschleifung und auslaufend für Verträge bzw Beginn Bauausführung/Sanierung bis 2015)

Werbungskosten

  • Pendlerpauschale und Pendlereuro, soweit noch nicht durch den Arbeitgeber berücksichtigt. Das Pendlerpauschale beträgt gestaffelt nach Arbeitsweg bis zu EUR 2.016 wenn die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zumutbar ist, sonst bis zu EUR 3.672. Mit dem Pendlerpauschale steht auch ein Pendlereuro zu; dieser beträgt jährlich zwei Euro pro Kilometer der einfachen Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Seit 2014 muss anhand des Pendlerrechners auf der Homepage des BMF ermittelt werden, ob eine Pendlerpauschale inkl Pendlereuro zusteht. Der Ausdruck aus dem Pendlerrechner ist entweder beim Arbeitgeber abzugeben oder für die Einkommensteuerveranlagung des jeweiligen Jahres aufzubewahren.
  • Beiträge zu Berufsverbänden und Interessensvertretungen und selbst eingezahlte SV-Beiträge (unbegrenzt)
  • Pflichtversicherungsbeiträge und Zusatzbeiträge für mitversicherte Angehörige (unbegrenzt)
  • Werbungskostenpauschale iHv EUR 132 (ohne Nachweis) wird bereits im Rahmen der Lohnverrechnung berücksichtigt; darüber hinaus können, soweit beruflich veranlasst, ua Arbeitskleidung, Arbeitsmittel, Betriebsratsumlage, Computer, Fachliteratur, Fortbildungs-, Ausbildungs- und Umschulungskosten, Internet, Kosten für doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten, Reisekosten sowie Telefon als Werbungskosten geltend gemacht werden.
  • Tipp: Bei Werbungskosten über EUR 900 können Sie beim Finanzamt einen „Freibetragsbescheid“ beantragen und so die Steuerersparnis bereits 2016 erlangen.

Außergewöhnliche Belastungen

  • Kinderbetreuungskosten (höchstens EUR 2.300 pro Kind bis zum 10. Lebensjahr bzw bei erhöhter Familienbeihilfe bis zum 16. Lebensjahr)
  • Kosten für die auswärtige Berufsausbildung von Kindern, wenn im Einzugsbereich des Wohnortes keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht (EUR 110/Monat)

Ohne Selbstbehalt abzugsfähig sind:

  • Kosten iZm eigener Behinderung, Behinderung des (Ehe-)Partners oder des Kindes
  • Kosten iZm der Beseitigung von Katastrophenschäden

Mit Selbstbehalt bis zu 12% abzugsfähig sind:

  • Krankheitskosten inkl Zahnersatz
  • Kosten iZm Kuraufenthalten
  • Kosten für Alters- und Pflegeheim
  • Begräbniskosten

Belege und Fristen.

Der Arbeitnehmerveranlagung sind keine Belege beizulegen, diese sind jedoch sieben Jahre aufzubewahren und auf Verlangen des Finanzamtes vorzulegen. Für die Arbeitnehmerveranlagung hat der Arbeitnehmer fünf Jahre Zeit, sodass sie für das Jahr 2011 noch bis 31.12.2016 eingereicht werden kann. Sollte sich aus der Arbeitnehmerveranlagung eine Steuernachzahlung ergeben, kann der Antrag – wenn kein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt – zurückgezogen werden.

Elektronische Abgabe.

Möchte man die Arbeitnehmerveranlagung online erledigen und hat noch keine Zugangsdaten zu Finanzonline, ist eine Online-Erstanmeldung vorzunehmen. Die Zugangskennungen werden von der Post zugesandt. Sofern die persönliche Bankverbindung (IBAN und BIC) dem Finanzamt noch nicht bekannt ist, sollte diese ebenfalls in FinanzOnline angegeben werden.

Vorteile von FinanzOnline sind:

  • rund um die Uhr möglich
  • jederzeitigen Änderung von personenbezogenen Grunddaten
  • Online-Abfrage von Steuerkontos und Steueraktes
  • anonyme Steuerberechnung im Vorhinein
  • mobiler Einstieg via Handy.

Abgabe in Papierform.

Wird es bevorzugt, die Arbeitnehmerveranlagung in Papierform einzureichen, können die Formulare im InfoCenter des Finanzamtes abgeholt werden oder auf der Website des BMF unter „Formulare“ schnell und einfach bestellt werden. Es sollte nicht vergessen werden, dass für jedes Kind das Formular L1k und bei Auslandseinkünften das Formular L1i mitbestellt werden muss. Das Formular ist im Original abzugeben, da Kopien maschinell nicht einlesbar sind.

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Viktoria Lang

Viktoria Lang

Senior Assistant | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 7115 | E-Mail senden

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