Neue Möglichkeit der freiwilligen Pensionsversicherung für Expatriates

Obwohl das österreichische Pensionsversicherungssystem laufenden Änderungen, idR zulasten der Versicherten unterliegt, legen in das Ausland entsendete Dienstnehmer oft hohen Wert auf diese Form der Absicherung. In vielen Fällen war jedoch aufgrund der bisherigen gesetzlichen Regelungen der Verbleib in der österreichischen Sozialversicherung nicht möglich. Mit Jahresbeginn ist nun eine Neuregelung in Kraft getreten.

Hintergrund.

Bis dato schloss gemäß Verordnung 883/2004 eine Pflichtversicherung in einem anderen Mitgliedstaat eine freiwillige Pensionsversicherung in Österreich grundsätzlich aus. Die angeführte Verordnung erlaubte ein Nebeneinander von freiwilliger Weiterversicherung und Pflichtversicherung nur dann, wenn in jenem Staat, in dem die freiwillige Versicherung beantragt wird, bereits aufgrund einer Erwerbstätigkeit eine Versicherung bestanden hat und dieser Staat ein solches Zusammentreffen ausdrücklich oder stillschweigend zulässt.

Weiterversicherung in der Pensionsversicherung.

Die mit 1.1.2016 in Kraft getretene Regelung des § 8c Sozialversicherungs-Ergänzungsgesetz (SV-EG) ermöglicht nunmehr die freiwillige Weiterversicherung in der Pensionsversicherung trotz Pflichtversicherung in einem anderen Staat, für den die EU-Verordnung 883/2004 oder ein bilateres Sozialversicherungs-Abkommen gilt. Voraussetzung ist, dass unmittelbar vor dieser Weiterversicherung zwölf Monate der Pflichtversicherung in der österreichischen Pensionsversicherung aufgrund einer Erwerbstätigkeit vorliegen.. Eine Zusammenrechnung von Versicherungszeiten wird ausdrücklich ausgeschlossen, sodass die verlangten zwölf Monate Pflichtversicherung aufgrund Erwerbstätigkeit daher in Österreich zurückgelegt worden sein müssen.

Vorteile bei längerfristigen Entsendungen und Dienstgeberwechsel.

Die Möglichkeit der Weiterversicherung ist vor allem bei längerfristigen Entsendungen wichtig, in denen (insbesondere aufgrund der Dauer des Auslandseinsatzes) nach der Verordnung 883/2004 bzw einem bilateralen Sozialversicherungsabkommen das Sozialversicherungsrecht des ausländischen Tätigkeitsstaates anzuwenden ist. Diese Neuregelung des SV-EG macht somit längerfristige Entsendungen attraktiver, wovon sowohl die Dienstnehmer, als auch die österreichische Wirtschaft profitieren. Auch für Konstellationen, in denen ein Mitarbeiter einen lokalen, ausländischen Dienstvertrag erhalten soll (zB Konzernversetzungen) und eine Ausnahme aus dem ausländischen Sozialversicherungssystem nicht gewährt wird, ist nun die freiwillige Weiterversicherung in der österreichischen Pensionsversicherung möglich.

Fazit.

Die nun ab 2016 mögliche freiwillige Weiterversicherung in der österreichischen Pensionsversicherung trotz Bestehens einer Pflichtversicherung in einem anderen Staat ist jedenfalls in einer Kosten/Nutzen-Analyse im Einzelfall zu hinterfragen. Die durch die Zahlungen erhöhte Alterspension wird insbesondere dann vorteilhaft sein, wenn die Beitragszahlungen auch steuermindernd geltend gemacht werden können. Alternative Vorsorgemöglichkeiten sollten jedoch in die Überlegungen einfließen.

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Birgit Zeisel

Birgit Zeisel

Manager | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 5728 | E-Mail senden

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