RÄG 2014 – Auswirkungen der Neudefinition der Umsatzerlöse

Die Definition der Umsatzerlöse wurde in § 189a Z 5 UGB neu gefasst. Darunter sind nun Beträge aus dem Verkauf von Produkten und der Erbringung von Dienstleistungen nach Abzug von Erlösschmälerungen und der Umsatzsteuer sowie von sonstigen direkt mit dem Umsatz verbundenen Steuern zu verstehen. Im Vergleich zur alten Rechtslage ist – aufgrund der geänderten GuV Gliederung (siehe unseren Beitrag vom 3.2.2016) – der Bezug zur gewöhnlichen Geschäftstätigkeit entfallen. Weites wurde gesetzlich klargestellt, dass sonstige direkt mit dem Umsatz verbundene Steuern von den Umsatzerlösen abzuziehen sind.

Auswirkungen.

Künftig sind somit alle Erlöse, die sich aus dem Verkauf von Produkten sowie der Erbringung von Dienstleistungen in einem Unternehmen ergeben, unter den Umsatzerlösen auszuweisen. Dies bewirkt eine Verschiebung von den sonstigen betrieblichen Erträgen zu den Umsatzerlösen sowie eine Umgliederung all jener Aufwandsposten (zB Herstellungskosten), deren Bilanzierung sich nach den in den Umsatzerlösen ausgewiesenen Erträgen richtet. Auch zwischen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und den Umsatzerlösen besteht ein enger Zusammenhang, weshalb auch hier eine Umklassifizierung zu Lasten der sonstigen Forderungen in Betracht kommt. Die Auswirkungen der Neudefinition gehen jedoch über die Bilanz und GuV hinaus:

  • Im Rahmen der externen Jahresabschlussanalyse ist zu beachten, dass die Umsatzerlöse des Geschäftsjahres 2015 nicht uneingeschränkt mit jenen des Geschäftsjahres 2016 vergleichbar sind. Die Ausweitung der Definition der „Umsatzerlöse“ könnte beispielsweise zu einem Anstieg der Umsatzrentabilität führen.
  • Häufig wird in Verträgen auf „Umsatzerlöse“ Bezug genommen (zB umsatzabhängige Pacht), weshalb eine Überprüfung geboten sein kann.
  • Für die größenabhängige Einstufung einer Kapitalgesellschaft bzw Kapitalgesellschaft & Co KG nach den §§ 221 und 246 UGB wird unter anderem auf die Umsatzerlöse abgestellt.

Abzug sonstiger Steuern.

Sonstige direkt mit dem Umsatz verbundene Steuern sind nun von den Umsatzerlösen abzuziehen (nach alter Rechtslage umstritten). Fällt der Zeitpunkt der Umsatzrealisation mit der Entstehung der Steuerschuld (nahezu) zusammen, ist die sonstige Steuer direkt mit dem Umsatzerlös verbunden (zB Elektrizitätsabgabe, Kohleabgabe, Erdgasabgabe, usw). Entsteht die Steuerschuld hingegen durch Überführung der Produkte in den „steuerrechtlichen freien Verkehr“ (zB Alkoholsteuer, Biersteuer, Schaumweinsteuer, usw), kann zwischen der Umsatzrealisation und der Entstehung der Steuerschuld ein längerer Zeitraum liegen. Im Einzelfall ist daher zweifelhaft, ob diese Steuern direkt mit dem Umsatz verbunden sind, weshalb anstatt des Abzugs von den Umsatzerlösen der Ausweis im sonstigen betrieblichen Aufwand, gegebenenfalls gesondert in einem eigenen Posten, in Betracht kommen könnte. Abschließend weisen wird darauf hin, dass die Rechtslage im Zusammenhang mit dem Abzug sonstiger Steuern derzeit noch unklar ist, sodass die weitere Entwicklung in diesem Bereich zu verfolgen ist.

Zusammenfassung.

Die Neudefinition der Umsatzerlöse hat weitreichende Auswirkungen. Der Bezug auf die gewöhnliche Geschäftstätigkeit entfällt, weshalb es zu einer Umgliederung von den sonstigen betrieblichen Erträgen zu den Umsatzerlösen kommen kann. Klargestellt wurde auch, dass sonstige direkt mit dem Umsatz verbundene Steuern von den Umsatzerlösen abzuziehen sind. Außerhalb der Rechnungslegung sind die Änderungen bspw im Rahmen der externen Jahresabschlussanalyse sowie bei Verträgen, die auf Umsatzerlöse Bezug nehmen, zu beachten. Die Neudefinition gilt erstmals für Geschäftsjahre die nach dem 31.12.2015 beginnen.

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Karl Stückler

Karl Stückler

Senior | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 7222 | E-Mail senden

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