Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014: Änderungen im Konzernabschluss

In den bisherigen Artikeln zum RÄG 2014 haben wir uns vorwiegend mit Änderungen in Einzelabschlüssen beschäftigt. Doch auch im UGB-Konzernabschluss kommt es zu einigen Änderungen:

Einheitliche Leitung.

Die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses besteht grundsätzlich dann, wenn ein Mutterunternehmen ein Tochterunternehmen kontrolliert oder einheitlich leitet. Während für eine Kontrolle auch bisher schon keine Kapitalbeteiligung erforderlich war, war bei einheitlicher Leitung das zusätzliche Erfordernis einer Beteiligung gemäß § 228 UGB idF vor RÄG 2014 (bei Kapitalgesellschaften ab 20%) zu beachten. Durch das RÄG 2014 entfällt diese zusätzliche Voraussetzung, sodass eine Konsolidierungspflicht aufgrund einheitlicher Leitung auch dann möglich ist, wenn gar kein Beteiligungsverhältnis besteht. Damit fällt beispielsweise die in der Praxis durchaus beliebte Möglichkeit weg, bei Konzernen mit einheitlich ausgerichteter Tätigkeit die Konsolidierungspflicht durch Halten der Anteile durch eine natürliche Person zu verhindern.

Anpassung der Größenklassen.

Die Schwellenwerte für die größenabhängige Befreiung von der Aufstellung eines Konzernabschlusses wurden geringfügig angepasst und betragen jetzt bei der Bruttomethode (Basis = aggregierte Werte) für die Bilanzsumme EUR 24 Mio (statt bisher EUR 21 Mio) und für die Umsatzerlöse EUR 48 Mio (statt bisher EUR 42 Mio). Bei der Nettomethode (Basis = konsolidierte Werte) werden die Grenzwerte für die Bilanzsumme auf EUR 20 Mio (statt bisher EUR 17,5 Mio) und für die Umsatzerlöse auf EUR 40 Mio (statt bisher 35 Mio) erhöht. Anders als bisher wird außerdem die Anwendung der größenabhängigen Befreiung nicht nur für Konzerne mit einem börsennotierten Konzernunternehmen ausgeschlossen, sondern auch für Konzerne mit einem Konzernunternehmen von öffentlichem Interesse (iSd § 189a Z1 UGB).

Befreiender Konzernabschluss.

Für die Befreiung von der Aufstellung eines Teilkonzernabschlusses aufgrund Einbezugs in einen übergeordneten Konzernabschluss erfolgt durch das RÄG 2014 eine Gleichstellung inländischer Mutterunternehmen und jener aus EU oder EWR. Die Aufstellung eines Teilkonzernabschlusses kann demnach unterbleiben, wenn das übergeordnete Mutterunternehmen a) 100% der Anteile besitzt oder b) mindestens 90% der Anteile besitzt und die anderen Anteilseigner zugestimmt haben oder c) weder Aufsichtsrat noch eine 10%-Minderheit bzw eine Minderheit mit einem Kapitalanteil von EUR 1,4 Mio die Aufstellung verlangen. Für Mutterunternehmen außerhalb der EU oder EWR greift die Befreiung, wenn weder der Aufsichtsrat noch eine 5%-Minderheit bzw Anteilseigner mit einem Kapitalanteil von EUR 700.000 die Aufstellung verlangen. Bei börsennotierten Teilkonzernen ist die Befreiung nach wie vor nicht zulässig.

Ausländische Konzernabschlüsse.

Von besonderer praktischer Relevanz ist auch die neue Erleichterung, einen ausländischen befreienden Konzernabschluss auch in einer „in internationalen Finanzkreisen gebräuchlichen Sprache“ (somit jedenfalls Englisch) beim Firmenbuch zu hinterlegen. Eine Übersetzung ins Deutsche (wie bisher) ist somit nicht mehr notwendig.

Kapitalkonsolidierung.

Die vor RÄG 2014 im UGB mögliche Buchwertmethode wurde gestrichen. Somit ist nur noch die – international übliche – Neubewertungsmethode zulässig, bei der stille Reserven nicht nur anteilig, sondern für alle Vermögensgegenstände und Schulden (also inklusive jener eines Minderheitsgesellschafters) angesetzt werden. Änderungen können sich indirekt auch aufgrund der möglichen Aktivierung latenter Steuern auf Verlustvorträge ergeben, sodass diese auch als Vermögenswert bei der Kaufpreisallokation/Kapitalaufrechnung anzusetzen sind. Für alle im Rahmen der Neubewertung aufgedeckten stillen Reserven (mit Ausnahme des Firmenwerts) sind jedenfalls auch passive latente Steuern anzusetzen. Für die Firmenwertabschreibung gelten nunmehr die gleichen Vorschriften wie im Einzelabschluss. Dementsprechend hat die Abschreibung auf zehn Jahre zu erfolgen, sofern die Nutzungsdauer nicht verlässlich geschätzt werden kann. Ein passiver Unterschiedsbetrag aus einem „lucky buy“ darf nach RÄG 2014 nicht mehr in die Rücklagen eingestellt werden, sondern ist zwingend ergebniswirksam aufzulösen.

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Stephan Karigl

Stephan Karigl

Manager | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6850 | E-Mail senden

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