Umsatzsteuerfalle Sachsponsoring bei Sportvereinen

Sponsoreinnahmen sind bei Sportvereinen wichtige, den Vereinsbetrieb sichernde Einnahmequellen. Zur Förderung gemeinnütziger Sportvereine sieht das Umsatzsteuergesetz daher Begünstigungen vor, die von der Verwaltungspraxis weit ausgelegt werden. Nicht immer steht diese Auslegung jedoch in Einklang mit den gesetzlichen Grundlagen und wird auch von der Judikatur nicht so großzügig gesehen. Dies kann zu wesentlichen steuerlichen Risiken für die betroffenen Vereine bzw Sponsoren führen.

Hintergrund.

Lieferungen und sonstige Leistungen sind nur dann umsatzsteuerbar, wenn ein Leistungsaustausch vorliegt. Dementsprechend sind Zuwendungen eines Sponsors beim Empfänger steuerbar, wenn dem Sponsoring eine vom Empfänger erbrachte Gegenleistung zugrunde liegt. Die Gegenleistung besteht beim Sponsoring in der Regel in einer Werbeleistung (zB Banden- oder Trikotwerbung, Anzeigen, etc). Auf Seiten des Sponsors können die Leistungen neben Geld- auch in Sachleistungen bestehen (sog Sachsponsoring), wobei Letzteres zu einem „tauschähnlichen“ Umsatz führt (vgl VwGH, 2003/15/0088 vom 18.3.2004,). Für die abgegebenen Gegenstände besteht auf Seiten des Sponsors in der Regel eine Berechtigung zum Vorsteuerabzug, die Lieferung der Gegenstände unterliegt der Umsatzsteuer. Auf Seitens des gemeinnützigen Sportvereins, dem üblicherweise kein Vorsteuerabzug zusteht, kommt es dagegen zu einer Belastung in Höhe der in Rechnung gestellten Umsatzsteuer.

Ansicht der Verwaltungspraxis.

Nach Ansicht der Finanzverwaltung (vgl Rz 886a UStR) kann von der Besteuerung der an gemeinnützige Sportvereine bzw von gemeinnützigen Sportvereinen im Zusammenhang mit Sachsponsoring erbrachten tauschähnlichen Umsätze Abstand genommen werden. So brauchen nach Meinung der Finanzverwaltung die Zurverfügungstellung von Ausrüstungsgegenständen, Leihe von Autos und Ähnlichem an gemeinnützige Sportvereine bzw die von den gemeinnützigen Sportvereinen erbachten Werbeleistungen weder als Leistungsaustausch noch als Eigenverbrauch erfasst werden. Für die Sponsoren bleibt dabei der Vorsteuerabzug aus den abgegebenen Gegenständen erhalten, während für die Lieferung der Gegenstände weder Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen noch ein Eigenverbrauch zu besteuern ist. Für den gemeinnützigen Sportverein, dem üblicherweise kein Vorsteuerabzug zustehen würde, kommt es somit ebenfalls zu einer Kostenreduktion in Höhe der ersparten Umsatzsteuer.

Rechtliche Grundlage?

So sehr diese begünstigende Auslegung zu begrüßen ist, steht deren rechtliche Grundlage leider auf wackeligen Beinen. Nach dem Wortlaut der EU-Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie fallen unter die hier maßgebliche Befreiung nur „bestimmte, in engem Zusammenhang mit Sport und Körperertüchtigung stehende Dienstleistungen, die Einrichtungen ohne Gewinnstreben an Personen erbringen, die Sport oder Körperertüchtigung ausüben“. Davon kann aber bei Werbeleistungen eines Sportvereins, die zB mit einer Leihe von Autos abgegolten werden, wohl kaum die Rede sein, stehen doch eindeutig materielle Ziele des Sportvereins im Vordergrund. Auch die Judikatur des Europäischen Gerichtshofs sowie des Verwaltungsgerichtshofs hat in ähnlichen Fällen bereits zu gegenteiligen Entscheidungen geführt.

Fazit.

Die von der Verwaltungspraxis in den Umsatzsteuerrichtlinien vorgesehene Begünstigung gemeinnütziger Sportvereine im Zusammenhang mit Sachsponsoring ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, steht aber leider nicht in Einklang mit den rechtlichen Grundlagen und der hierzu bereits ergangenen Judikatur. Für betroffene Sportvereine und Sponsoren bedeutet dies ein steuerliches Risiko, da die Umsatzsteuerrichtlinien keinen gesetzlichen Charakter haben, sondern nur „Auslegungsbehelf“ für die Verwaltungspraxis sind. Eine anderslautende Entscheidung in einem Finanzverfahren ist – wie die bereits vorliegende Judikatur zeigt – nicht auszuschließen. Anzumerken ist freilich noch, dass selbst die Richtlinienaussagen nur für gemeinnützige Sportvereine gelten. Für ab 1.1.2017 auszugliedernde Profibetriebe eines Sportvereins besteht grundsätzlich Umsatzsteuerpflicht, aber auch die Berechtigung zum Vorsteuerabzug. Wir verweisen hierzu auf unseren Beitrag vom 20.3.2015.

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Stephan Karigl

Stephan Karigl

Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 6850
Mail: skarigl@deloitte.at

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