Die österreichische Sportlerpauschalierung – ein Vorteilhaftigkeitsvergleich

Wenn die Sportart es erlaubt und attraktive Steuerzuckerl im Ausland warten, könnten gut verdienende österreichische Sportler überlegen, ihre sieben Sachen zu packen und auszuwandern. Um diesen Trend entgegenzutreten, hat der österreichische Gesetzgeber mit der Verordnung des Bundesministers für Finanzen betreffend die Ermittlung des Einkommens von Sportlern (BGBl II Nr. 2000/48, sogenannter „Sportlererlass“) eine attraktive Besteuerung der Einkünfte von österreichischen Sportlern ermöglicht.

Voraussetzungen für die Pauschalierung.

Zunächst ist anzumerken, dass die Sportlerpauschalierung lediglich auf die Einkünfte selbstständig tätiger Sportler anwendbar ist. Weiters ist erforderlich, dass der Athlet in Österreich der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegt, sprich im Inland seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat. Bei Auslandsbezug sollte zudem auch der Mittelpunkt der Lebensinteressen in Österreich liegen, denn ansonsten würde der Steuervorteil aus dem österreichischen Sportlerregime faktisch ins Leere laufen. Außerdem muss für die Anwendbarkeit des Sportlererlasses der Athlet während eines Kalenderjahres bei Sportveranstaltungen (Wettkämpfe und Turniere) überwiegend im Ausland auftreten.

Upside.

Werden beide Voraussetzungen erfüllt und die Pauschalierung in Anspruch genommen, unterliegen in Österreich auf Antrag nur 33% der insgesamt im Kalenderjahr erzielten selbstständigen Sportlereinkünfte in Österreich der Besteuerung. Auch ausländische Einkünfte aus der Sportlertätigkeit sind bei der Festsetzung der Einkommensteuer zu berücksichtigen. Die daraus resultierende effektive Steuerlast beträgt –  bei Annahme eines Höchststeuersatzes von 50-55% – rund 16-18%. Dabei fallen nicht nur Preisgelder unter die pauschal zu ermittelnden Einkünfte; auch Sponsoringeinnahmen sowie Werbeeinkünfte werden erfasst, solange ein Konnex zum Betrieb des Sportlers besteht.

Downside.

Es bleibt allerdings anzumerken, dass die Anrechnung ausländischer Quellensteuern (zB auf Preisgelder) im Inland bei Anwendung der Sportlerpauschalierung entfällt.

Beispiel.

Anhand des nachfolgenden Beispiels sollen die steuerlichen Auswirkungen des Sportlererlasses kurz dargestellt werden (Annahmen: Einnahmen 150.000, Ausgaben 80.000, ausländische Quellensteuer 10.000):

tabelle

 

Fazit.

Der österreichische Sportlererlass ist für im Inland ansässige Sportler eine hervorragende Möglichkeit, die Einkünfte aus ihrer selbstständigen Tätigkeit als Spitzensportler zu sehr günstigen Konditionen zu versteuern. Es ist allerdings zu beachten, dass sich der Steuervorteil insoweit reduziert, als ausländische Quellensteuern (zum Beispiel auf Preisgelder) nicht die österreichische Einkommensteuer verringern können. Bei hohen ausländischen Preisgeldern sollte daher sicherheitshalber ein Vorteilhaftigkeitsvergleich der Besteuerung mit und ohne Sportlerpauschalierung vorgenommen werden.

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Karoline Lutz

Karoline Lutz

Assistant | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 5622
Mail: klutz@deloitte.at

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