VwGH: Dirigentenfrack als typische Berufskleidung abzugsfähig

Die Abgrenzung zwischen bürgerlicher Kleidung und typischer Berufskleidung ist entscheidend für die steuerliche Geltendmachung der dafür anfallenden Kosten. Nur Ausgaben für Berufskleidung können eine Ausnahme vom steuerlichen Abzugsverbot bilden. Der Verwaltungsgerichtshof beschäftigt sich in einer seiner Entscheidungen nunmehr auch mit der Frage, ob es sich beim Frack eines Dirigenten um typische Berufskleidung handelt, deren Anschaffungskosten steuerlich geltend gemacht werden können, oder ob dieser als bürgerliche Kleidung zu qualifizieren und dementsprechend nicht abzugsfähig ist (25.11.2015, 2011/13/0091).

Berufsbekleidung.

Gemäß § 20 Abs 1 Z 2 lit a EStG sind jene Aufwendungen nicht abzugsfähig, die der Lebensführung des Abgabepflichtigen dienen, selbst wenn diese die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Abgabepflichtigen notwendig machen und sie zur Förderung des Berufes erfolgen. In ständiger Rechtsprechung vertritt der Verwaltungsgerichtshof die Ansicht, dass demgemäß Aufwendungen für Bekleidung nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar sind. Dies gilt auch dann, wenn die Kleidung tatsächlich nur in der Arbeitszeit getragen wird, unabhängig davon, ob es sich um bürgerliche Kleidung oder typische Berufskleidung handelt. Für die Abgrenzung kommt es auf die objektive Unterscheidbarkeit von beruflich verwendeter Bekleidung und im privaten Leben getragener Kleidung an. Es sollen nur jene Bekleidungsstücke in Abzug gebracht werden dürfen, die im Wesentlichen nur für die berufliche Verwendung geeignet sind. Es darf keine Verbindung zur privaten Lebensführung und zur privaten Bekleidung bestehen.

Ausgangslage.

Der beschwerdeführende Dirigent hat Fräcke, Anzughosen, Mascherln und Hemden sowohl als Betriebsausgaben in Abzug gebracht als auch die darauf entfallenen Vorsteuerbeträge geltend gemacht. Er brachte dazu vor, dass es sich beim Frack eines Dirigenten um typische Berufskleidung handle und der Verschleiß aufgrund des täglichen Einsatzes höher als üblich sei. Sowohl das Finanzamt wie auch der UFS ließen weder den Betriebsausgaben- noch den Vorsteuerabzug zu. Da es sich bei einem Frack laut Ansicht der Behörde um normale bürgerliche Kleidung handle, gelte in diesem Fall ebenso das Abzugsverbot – auch dann, wenn die Kleidung ausschließlich bei der Berufsausübung getragen werde oder allgemein ein beruflich bedingter erhöhter Bekleidungsaufwand vorliege.

Entscheidung.

Der Verwaltungsgerichtshof folgte allerdings der Argumentation des Beschwerdeführers und ließ sowohl den Betriebsausgaben- als auch den Vorsteuerabzug zu. Das Gericht räumte zwar ein, dass ein Frack auch bei privaten Anlässen, wie beispielsweise Ballbesuchen oder Hochzeiten, getragen werden kann. Jedoch ändert diese Tatsache nichts daran, dass sich ein Frack aufgrund seiner objektiven Beschaffenheit von Bekleidungsstücken unterscheidet, die der Abgabepflichtige üblicherweise in Rahmen seiner privaten Lebensführung trägt. Auch unter Berücksichtigung etwaiger geänderter Lebensgewohnheiten kommt das Gericht zu keinem abweichenden Ergebnis.

Fazit.

Die während der Ausübung des Berufs getragene Bekleidung kann unter gewissen Voraussetzungen zum Betriebsausgaben- und Vorsteuerabzug berechtigen. Für die Abgrenzung, ob die Abzugsfähigkeit gegeben ist, ist darauf zu achten, ob ein Konnex zur privaten Lebensführung hergestellt werden kann. Von typischer Berufsbekleidung ist dann auszugehen, wenn diese nach ihrer objektiven Beschaffenheit von Bekleidung der privaten Lebensführung deutlich zu unterscheiden ist. Es wird im Einzelfall zu prüfen sein, ob Kosten für Bekleidungsstücke zum Abzug gebracht werden können.

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Edith Lebenbauer

Edith Lebenbauer

Manager | Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 6670 Mail: elebenbauer@deloitte.at

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