Umsatzsteuer und Zoll im Fokus der Betriebsprüfung

Die Umsatzsteuer ist finanzpolitisch von großer Bedeutung und macht gemeinsam mit der Einfuhrumsatzsteuer und den Zöllen einen Anteil von etwa einem Drittel am Staatsbudget aus. Schwächen im internen Kontrollsystem, wechselnde Geschäftsmodelle, laufende Rechtsänderungen und hohe Formalanforderungen erhöhen Fehlerpotentiale in der Praxis und sorgen zunehmend für bitteres Erwachen in der Betriebsprüfung.

Fehler lange Zeit unentdeckt.

Systematische Fehleinschätzungen bei der Umsatzsteuer und fehlerhafte Prozesse können eine Vielzahl von Geschäftsvorgängen betreffen und sich so über Jahre hinweg unbemerkt zu erheblichen Nachzahlungen aufsummieren, die erst im Rahmen einer Betriebs- oder Umsatzsteuersonderprüfung aufgedeckt werden. Auch im Zollbereich bleiben Fehler lange Zeit im Verborgenen. Nach Angaben der Zollverwaltung sind von den vier Mio Zollanmeldungen, die 2015 über das elektronische Zollabfertigungssystem abgegeben wurden, etwas weniger als 4% von den Zollbehörden im Zuge der Abfertigung kontrolliert worden. Der Rest der Anmeldungen wandert durch den elektronischen Grünkanal und kann für Überraschungen bei einer Nachkontrolle oder Außenprüfung sorgen.

Umsatzsteuerliche Problembereiche.

Fehler bei der Umsatzsteuer passieren überwiegend unbewusst und ohne Vorsatz. Meist sind es formale Mängel oder fehlende Nachweise, die zum Verlust des Vorsteuerabzugs sowie der Steuerfreiheit führen. Die Frage nach dem maßgeblichen Lieferort für die Besteuerung der Umsätze bei grenzüberschreitenden Reihengeschäften birgt eine weitere häufige Fehlerquelle und kann trotz mehrerer EuGH-Urteile in den verschiedenen Mitgliedstaaten zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Anwendung von Vereinfachungsregelungen – wie zB für Dreiecksgeschäfte, Reihengeschäfte oder Umsätze in Zusammenhang mit Konsignationslagern – führen in Betriebsprüfungen vermehrt zu Steuernachzahlungen, wenn nicht sämtliche Anforderungen erfüllt sind, die Voraussetzungen nachträglich wegfallen oder wenn fehlerhafte UID-Angaben zu einer doppelten Erwerbsbesteuerung führen. Auch die Einreihung von Waren in die Kombinierte Nomenklatur braucht in der Praxis viel Feingefühl und Erfahrung. Durch die fehlerhafte Klassifizierung und Anwendung eines falschen Steuersatzes wird die Umsatzsteuer zum Kostenfaktor und mindert Marge und Gewinn.

Schwerpunkte in der Zollprüfung.

Der Fokus von Zollprüfungen liegt neben der Kontrolle von Bewilligungsvoraussetzungen insbesondere auf der nachträglichen Überprüfung von Zollanmeldungen. Dabei werden Angaben über den Zollwert, die zolltarifliche Einreihung und Erklärungen über den Warenursprung besonders unter die Lupe genommen. Häufige Risiken ergeben sich aus der falschen zollrechtlichen Bewertung eingeführter Waren. Vom Käufer unentgeltlich oder zu ermäßigten Preisen beigestellte Gegenstände (Rohstoffe, Werkzeuge, Gussformen) sind genauso zollpflichtig wie immaterielle Beistellungen (Pläne, Skizzen, Knowhow) oder Lizenzen, wenn ohne Zahlung der Lizenzgebühr die Waren nicht an den Käufer veräußert oder von diesem erworben werden können. Nachträgliche Preisanpassungen, wie zB Ausgleichszahlungen zwischen verbundenen Unternehmen am Ende eines Geschäftsjahres, führen regelmäßig zu Nacherhebungen, wenn diese den Wert der eingeführten Waren erhöhen. Weitere vielfache Fehlerquellen bei der Zollanmeldung liegen in der zolltariflichen Einreihung und der Führung von Nachweisen über den präferentiellen Ursprung von Waren.

Wege zur Fehlervermeidung.

Dass neben den umsatzsteuerrelevanten Prozessen  auch die Zollabwicklung als integraler Bestandteil des internen Compliance-Regelwerks einzurichten ist, sollte selbstverständlich sein. Desgleichen wäre beim Outsourcing von Zollagenden an externe Dienstleister durch die Unternehmensführung sicherzustellen, dass der Austausch von Informationen zwischen dem Dienstleiter und dem eigenen Unternehmen sichergestellt und gut dokumentiert ist, damit einerseits Falscherklärungen aus Unkenntnis vermieden werden und andererseits etwaige abgabenrechtliche Pflichtverletzungen nicht verborgen bleiben. Interne Informationslücken zwischen den einzelnen Abteilungen des Unternehmens sind auch bei der Umsatzsteuer häufige Ursachen von Fehleinschätzungen. Deshalb sollten die umsatzsteuerlichen Sollkonzepte regelmäßig mit dem bestehenden Geschäftsmodell sowie der Beschaffungs- und Vertriebsstrategie abgeglichen werden. Die vorausschauende Berücksichtigung von Zoll- und Umsatzsteueraspekten bspw bereits bei der Vertragsgestaltung kann die steuerliche Abwicklung von Transaktionen vereinfachen und benötigt weniger Ressourcen in die Beseitigung von Fehlern und deren Folgen.

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Eduard Kurz

Eduard Kurz

Senior | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 7456 | E-Mail senden

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